Alternative Antriebe: Lkw-Vermieter Hylane erweitert seine Wasserstoff-Flotte
Köln. Der Lkw-Vermieter Hylane will sein Angebot um 60 Wasserstoff-Lastwagen ausbauen, von 122 auf 182 Fahrzeuge. Außerdem gebe es Gespräche über Kooperationen in Frankreich und in Australien. Das kündigten die Geschäftsführer Sara Schiffer und Bernd Zens am Donnerstag in Köln an. „Die Technologie funktioniert“, zeigte sich Zens überzeugt.
Ein Jahr nach der ersten Fahrzeugübergabe sei die Bilanz gut. Die Nachfrage nach Wasserstoff-Transportern sei kein Problem, insbesondere nach Schwerlasttransportern, berichtet Schiffer. Jetzt gehe es um den Markthochlauf. Die Botschaft ist klar: Batterie-Lkw sind zwar stärker im Markt etabliert, aber Wasserstoff-Lkw holen auf.
Der Erfolg von Hylane dürfte für die gesamte deutsche Autobranche interessant sein. Denn das Unternehmen mit der nach eigenen Angaben größten Wasserstoff-Flotte Europas geht einen anderen Weg als die großen deutschen Autobauer. Bis auf Daimler setzen diese ausschließlich auf Batterie. Hylane setzt auf Wasserstoff.
Die Fahrzeuge, die Hylane vor allem an Logistikunternehmen vermietet, kommen von unterschiedlichen Herstellern. Dazu gehören Hyundai, Weltmarktführer bei Brennstoffzellen-Fahrzeugen, und Iveco. Zuletzt verkündete Hylane eine Kooperation mit dem bayerischen Lkw-Bauer Quantron.
Klimaziele im Verkehr: 40 Prozent weniger CO2-Ausstoß bis 2030
Alternative Antriebe für Lkw sind einer von vielen wichtigen Bausteinen, um die Klimaziele der Bundesregierung im Verkehr zu erreichen. Der Ausstoß von CO2, im Jahr 2022 waren es 148 Millionen Tonnen, die Autos, Busse und Transporter emittierten, muss sinken. Und zwar um gut 40 Prozent in sieben Jahren.
Dabei zeigt der Trend in die andere Richtung: Seit dem Ende der Coronapandemie sind die Emissionen im Verkehr wieder gestiegen, wie Zahlen des Umweltbundesamts belegen.
Wie schwer der Umstieg auf diese alternativen Antriebe ist, zeigt die Marktverbreitung. Von Januar bis Oktober 2023 zählt das Kraftfahrt-Bundesamt über 19.000 neu zugelassene Batterie-Lkw. Das sind knapp acht Prozent aller Neuzulassungen von Lastkraftwagen und Zugmaschinen.
Im selben Zeitraum wurden hingegen nur 83 Brennstoffzellen-Lkw zugelassen, was weniger als einem Prozent entspricht. Hylane will das ändern. Das Tochterunternehmen des Versicherers DEVK setzt deshalb auf das Geschäftsmodell Vermietung. Auf diese Weise sollen Kunden, wie die Logistiker DB Schenker oder Sonepar, risikofrei die neue Antriebstechnik ausprobieren können, erklärt das Unternehmen.
50 Millionen Euro investierte die DEVK in das Wasserstoffprojekt bisher. Weitere 40 Millionen Euro staatliche Förderung erhält Hylane für den Kauf der Fahrzeuge.
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Ein Problem beim Wasserstoff-Ausbau ist das Tankstellennetz. An insgesamt 20 Stellen in Deutschland können Fahrer momentan auftanken. Das sei zu wenig, um „frei“ fahren zu können, sagt Christian Orth, Leiter für Transportlogistik bei Sonepar. Deswegen nutze das Unternehmen vor allem vier Tankstellen um Holzwickede im Ruhrgebiet. Beim Wasserstoffnetzwerk H2 Mobility, mit dem Hylane zusammenarbeitet, rechnet man jedoch damit, dass sich die Zahl der Tankstellen in den nächsten sechs Monaten verdoppeln wird.
Der Wasserstoff, der dort vertankt wird, ist zum großen Teil aus Erdgas in Deutschland gewonnen, also nicht grün, und kostet 12,50 Euro pro Kilogramm. „Ab sechs Euro wird es wirtschaftlich“, erklärt Orth.
Wasserstoff-Lkw: Reichweite von bis zu 800 Kilometern
Aber Wasserstoff hat einen Infrastrukturvorteil gegenüber Strom als Antriebsart. Detlef Stolten, Direktor des Jülich Instituts für Techno-ökonomische Systemanalyse, erklärt: „Die Strombetankung ist viel aufwendiger als die mit Wasserstoff.“ Denn der Tankvorgang gehe schneller, und die Lkw kämen mit einer Tankfüllung oft weiter – deshalb sei der Bedarf an Tankstellen insgesamt geringer.
Das sieht auch Hylane-Geschäftsführerin Schiffer so: „Die Reichweitendiskussion führe ich mit unseren Kunden nicht.“ Der 44-Tonner von Iveco, das größte Modell bei Hylane, hat beispielsweise eine Reichweite von 800 Kilometern.
Zum Vergleich: Die 42-Tonner-Batterie-Lastwagen können zwar in 45 Minuten aufgeladen werden, was der gesetzlich vorgeschriebenen Fahrerpause entspricht. Aber die sogenannten Mega-Charger mit einer Leistung von über einem Megawatt gibt es noch nicht. „Dafür ist eine enorme Anschlussleistung mit hohem infrastrukturellem Aufwand nötig“, sagt Experte Stolten. Die bisherige Ladeinfrastruktur bringt weniger Leistung, selbst Schnellladesäulen kommen nur auf 0,15 bis 0,3 Megawatt.
In Zukunft werde sich der Lastwagenmarkt aufteilen, sind sich Experten einig. Bei leichter Ladung und Kurzstrecken hätten Batterie-Lkw Vorteile, bei Verteilaufgaben mit schwerer Ladung habe dagegen die Brennstoffzelle eine sehr gute Chance, so Stolten. „Das hängt maßgeblich davon ab, welche Infrastruktur kommt“, schränkt Sterner von der OTH Regensburg ein.
Antrieb mit Wasserstoff: Staatliche Förderung künftig unklar
Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch eine Studie des Beratungsunternehmens PwC von Oktober 2022. Bezieht man andere Kosten wie CO2-Steuer, Abgaben, Maut und Wartungskosten mit ein, ist ab 2025 der Batterie-Lkw wirtschaftlicher als der Diesel. Die Brennstoffzellen-Lkw werden der Studie zufolge ab 2030 wettbewerbsfähig.
Der Erfolg der emissionsarmen Lkw hängt allerdings auch von staatlicher Förderung ab. Die Mietkosten von Hylane nähern sich nur durch ein Förderprogramm einem wettbewerbsfähigen Niveau an. Das Bundesministerium für Verkehr und Digitales unterstützt den Ausbau insgesamt mit mehreren Milliarden Euro. Seit dem Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts ist die Zukunft der Förderprogramme jedoch unklar.