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Autovermieter Volkswagen blitzt mit Übernahmeangebot bei Europcar ab

Volkswagen macht Ernst mit einer Übernahme der 2006 verkauften Ex-Tochter. Dabei blickt der Autobauer vor allem auf die Stationen und das Vertriebsnetz von Europcar.
23.06.2021 Update: 24.06.2021 - 12:51 Uhr Kommentieren
VW zeigt wohl ernsthaftes Interesse. Quelle: Reuters
Europcar-Fuhrpark in Südfrankreich

VW zeigt wohl ernsthaftes Interesse.

(Foto: Reuters)

Wolfsburg Europcar hat ein Übernahmegebot von Volkswagen abgelehnt. Der Wolfsburger Autokonzern erklärte am Donnerstag, er habe zusammen mit Partnern eine unverbindliche Übernahme-Offerte von 44 Cent je Europcar-Aktie auf den Tisch gelegt. Diese sei von Europcar abgelehnt worden.

Derzeit sei ungewiss, ob und unter welchen Bedingungen eine Transaktion zustande komme, erklärte Volkswagen. Zunächst hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.

Zur Bietergruppe zählten demnach auch Attestor Capital LLP und die niederländische Pon Holdings BV. Pon ist der offizielle Importeur von Volkswagen in den Niederlanden und gilt damit als ein klarer Verbündeter des Wolfsburger Autoherstellers.

Das Gebot liegt etwa zwölf Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag. Am Mittwochnachmittag lagen die Papiere in Paris zehn Prozent höher bei 43 Cent. VW wolle seine Offerte laut Bloomberg derzeit nicht erhöhen – dies könnte sich allerdings noch ändern.

Der Dax-Konzern interessiert sich demnach für die Infrastruktur und Technologie von Europcar, um seine Mobilitätsdienste zukunftsfest zu machen. Das Handelsblatt hatte bereits im Juni 2020 berichtet, dass die Wolfsburger eine Übernahme der Ex-Tochter prüfen.

VW blickt gar nicht aufs Vermietungsgeschäft

Mit Europcar könnte sich Volkswagen neue Geschäftsfelder erschließen. Es ist jedoch alles andere als sicher, dass es am Ende zu einem Abschluss kommen wird. „Es gibt noch keine Entscheidung“, hieß es ergänzend aus Konzernkreisen in Wolfsburg.

Volkswagen interessiert sich bei Europcar weniger für das klassische Vermietungsgeschäft. Aus strategischer Sicht ist es fast bedeutungslos, weil Volkswagen schon heute seine Fahrzeuge auch ohne Beteiligung an Autovermieter verkaufen kann.

Ein Unternehmen wie Europcar ist für VW wegen seiner Stationen und wegen seines Vertriebsnetzes interessant. Die Wolfsburger hatten sich im vergangenen Jahr auch den Münchener Vermieter Sixt angesehen, waren dort mit ihren Plänen für einen Einstieg jedoch auf Ablehnung gestoßen.

Die Autokonzerne wollen in wenigen Jahren verstärkt Sharing, Pooling und andere Mobilitätsdienste anbieten. VW hat dafür die eigene Tochter Moia gegründet, mit der solche Sharing- und Mobilitätsdienste in Hamburg und Hannover bereits heute getestet werden.

Eine Beteiligung an einem Autovermieter wie Europcar würde Volkswagen dabei helfen, neue Mobilitätsdienste in größerem Stil auch außerhalb der eigenen Konzerngrenzen und nicht nur über die Tochter Moia anzubieten. Mobilitätsdienste dürften spätestens zum Ende der aktuellen Dekade eine viel größere Bedeutung bekommen, wenn auch autonom fahrende Autos zur Verfügung stehen.

Gelänge VW die Übernahme, könnte der Konzern in Zukunft beispielsweise einen fahrerlosen Shuttleservice über eine Europcar-Station an einem Flughafen anbieten. Da ein größeres Konsortium mit mehreren Partnern für Europcar bieten soll, hielten sich die finanziellen Belastungen für den Volkswagen-Konzern in klaren Grenzen. Nach der Corona-Pandemie sind Autovermieter derzeit vergleichsweise günstig zu bekommen.

Strategischer Nachteil aus der Vergangenheit

VW hatte Europcar 2006 für 1,26 Milliarden Euro an den französischen Finanzinvestor Eurazeo verkauft, der mit knapp 30 Prozent der Anteile größter Einzelaktionär ist. Damals ging es aber nur um das klassische Vermietungsgeschäft mit Autos, aus dem sich Volkswagen zurückziehen wollte, weil es nicht besonders ertragsstark ist. Dass Autovermieter über neue Mobilitätsdienste wieder eine größere Bedeutung bekommen könnten, war zu dieser Zeit noch nicht absehbar.

In den USA hatte Europcar im Dezember vergangenen Jahres Insolvenzschutz nach „Chapter 15“ beantragt. Mit dem Chapter 15 schützen sich Unternehmen, die ihren Sitz außerhalb der USA haben, vor Klagen von US-Gläubigern, während im Ausland strategische Schritte beschlossen werden.

Zu Beginn dieses Jahres hat Europcar seine Schulden umstrukturiert. Der Konzern löste Verbindlichkeiten von mehr als einer Milliarde Euro ab und übergab die Kontrolle über das Unternehmen an eine Reihe von Hedgefonds unter der Führung von Anchorage Capital Partners und Marathon Asset Management.

Europcar-Aktie entfernt sich von Allzeittief

Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund neun Prozent verloren, Ende Februar erreichte sie ein Allzeittief bei 0,25 Euro, als der Abschluss der Restrukturierung verkündet wurde. Der Börsenwert hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um zwei Drittel auf aktuell etwa 1,9 Milliarden Euro verringert.

In den USA kämpft sich der Rivale Hertz gerade aus einem Insolvenzverfahren und profitiert von der zügig zurückkehrenden Nachfrage bei Privatreisen im Zuge des Abklingens der Pandemie. Der Effekt ist aktuell so stark, dass das Unternehmen kaum genug Fahrzeuge für die mietfreudige Kundschaft bereitstellen kann.

Mit Material von Bloomberg.

Mehr: Volkswagen bekräftigt trotz Chip-Krise Gewinnprognose

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