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Caterpillar„Made In America“-Ikone unter Betrugs-Verdacht

Der Baumaschinen-Hersteller Caterpillar setzt auf „Made In America“ und erhält Liebesbekundungen von Präsident Trump. Doch der US-Traditionskonzern steht im Verdacht, Milliarden am Fiskus vorbeigeschleust zu haben. 25.07.2017 - 13:49 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Während der Präsident öffentlich Liebeserklärungen abgibt, hat das Unternehmen mit einigen Regierungsbehörden ziemlichen Ärger.

Foto: AFP

Washington/Peoria. Der große Caterpillar-Radlader hatte es Donald Trump besonders angetan. Verzückt bestaunte der US-Präsident das wuchtige gelbe Gefährt bei der „Made In America“-Woche, zu der er heimische Firmen jüngst ins Weiße Haus eingeladen hatte, um ihre Produkte zu präsentieren. Schon vor dem Schaulaufen in Washington hatte Trump aus seiner Wertschätzung für den Baumaschinen-Hersteller keinen Hehl gemacht und verkündet: „Ich liebe Caterpillar“. Doch während der Präsident öffentlich Liebeserklärungen abgibt, hat das Unternehmen mit einigen Regierungsbehörden ziemlichen Ärger.

Denn Caterpillar wird der Steuerhinterziehung verdächtigt. Deshalb steht der 92 Jahre alte Traditionskonzern, der in den Augen Trumps den Inbegriff der starken US-Industrie verkörpert, momentan nicht überall hoch im Kurs. Es geht um gigantische Summen, die am Fiskus vorbeigeschleust worden sein sollen. In Pflichtmitteilungen an die Börsenaufsicht SEC räumte das Unternehmen selbst ein, dass die Steuerbehörde IRS mehr als zwei Milliarden Dollar fordert. Caterpillar wehre sich jedoch „energisch“ dagegen.

Das hielt die Steuerfahnder nicht davon ab, ernst zu machen: Am 2. März tauchten sie mit Durchsuchungsbefehl am Konzernsitz in Peoria im US-Bundesstaat Illinois auf. Auch an anderen Geschäftsstellen gab es Razzien, Unterstützung hatten die IRS-Ermittler von Bundesagenten im Auftrag des Handelsministeriums und der Einlagensicherung FDIC. Die Behörden hätten es auf Dokumente auf elektronische Dateien im Zusammenhang mit den Steuervorwürfen abgesehen gehabt, teilte Caterpillar hinterher mit. Man kooperiere mit den Ermittlern.

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Hinter den Razzien, die für das Unternehmen nach eigenen Angaben vollkommen überraschend kamen, verbirgt sich eine seit Jahren andauernde Auseinandersetzung. Im Zentrum des Konflikts steht die Frage, ob Caterpillar unrechtmäßig eine Schweizer Tochter nutzte, um Profite aus dem lukrativen internationalen Geschäft mit Ersatzteilen so zu verbuchen, dass die Steuerlast in den USA minimiert wurde. Die Vorwürfe, die der Konzern beharrlich abstreitet, waren bereits 2014 bei einer Anhörung im US-Senat öffentlich gemacht worden.

Über acht Milliarden an Einnahmen habe Caterpillar dem Fiskus vorenthalten, hieß es damals. Zunächst hatte sich die Börsenaufsicht SEC den Fall vorgenommen. Die Behörde soll ihre Ermittlungen jedoch schon 2015 ohne Konsequenzen eingestellt haben, zumindest nach Angaben von Caterpillar. Die SEC selbst wollte sich dazu nicht äußern. Spätestens seit den IRS-Razzien steht aber fest, dass der Konzern nicht aus dem Schneider ist. Der „New York Times“ zufolge hat eine neue Untersuchung Caterpillar wieder unter Druck gebracht.

Es soll um eine Studie im Auftrag der Regierung gehen, die zu einem klaren Ergebnis kommt: „Caterpillar hat sich weder an US-Steuerrecht noch -Rechnungslegung gehalten“, zitiert die Zeitung aus dem 85-seitigen Dokument. Die Missachtung der Regeln sei absichtlich erfolgt und eher als betrügerisch denn als nachlässig einzustufen, laute das Fazit der Untersuchung. Sollten sich diese Anschuldigungen bewahrheiten, dürfte es sich um strafrechtlich relevante Vergehen handeln, wegen denen Managern sogar Haftstrafen drohen könnten.

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Foto: Caterpillar

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Foto: Liebherr

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Foto: Liebherr

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Foto: Caterpillar

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Foto: Takraf & RWE Power AG

Allerdings ist derzeit noch nicht abzuschätzen, wie groß die Gefahr für Caterpillar ist. Das Unternehmen beteuert, dass steuerlich alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Zu Details und Stand der Ermittlungen wollen sich weder Konzernsprecher noch US-Behörden äußern. Analysten machen einen Bogen um die Bewertung des Steuerstreits, der laut US-Medien auch maßgeblich von einem Hinweisgeber aus dem Konzern befeuert wurde, dem im Fall von Strafen für Caterpillar eine hohe Whistleblower-Prämie winken würde.

Ob die Steuerfahnder bei den Razzien im März brisante Dokumente sicherstellen konnten, ist unklar. Und obwohl das „Wall Street Journal“ kürzlich über mögliche neue Probleme berichtete, weil Caterpillar es über Jahre versäumt haben soll, Exportunterlagen bei der Regierung einzureichen, sind Anleger unbekümmert. Die Aktie steht auf Jahressicht mit 16 Prozent im Plus. Nach einem Gewinnplus im abgelaufenen Quartal hob das Unternehmen am Dienstag seinen Ausblick an. Im zweiten Quartal verdiente Caterpillar mit 802 Millionen Dollar 46 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

dpa, rtr
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