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Coronakrise April-Verkäufe fast wie im Vorjahr: China lässt deutsche Autobauer hoffen

Der Absatz in der Volksrepublik zieht an, vor allem Erstkäufer und reiche Chinesen kaufen wieder. Eine Blaupause für Europa ist das aber nicht.
11.05.2020 - 12:22 Uhr 2 Kommentare
Gerade Premiumautos sind in China nach wie vor gefragt. Quelle: Reuters
Daimler-Manager Hubertus Troska

Gerade Premiumautos sind in China nach wie vor gefragt.

(Foto: Reuters)

Peking, München „Der Panda fällt nicht vom Baum“: Mit diesem einfachen Bild widerspricht Daimlers China-Vorstand Hubertus Troska seit Jahren allen Zweiflern, die den Erfolg des Mercedes-Herstellers in China infrage stellen. Selbst in Zeiten der Corona-Pandemie könnte der Manager mit seiner Einschätzung am Ende recht behalten. Denn während der Automarkt in Europa und den USA länger angeschlagen bleiben dürfte, geht es in Fernost nach einem kurzen, aber heftigen Einbruch schon wieder leicht aufwärts.

Die Pkw-Verkäufe in China sind im April gegenüber dem Vorjahr zwar immer noch um 5,6 Prozent auf 1,43 Millionen gesunken, wie der chinesische Pkw-Verband CPCA am Montag mitteilte. Im März hatte der Rückgang bei den Verkaufszahlen allerdings noch bei rund 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gelegen, im Februar bei 79 Prozent.

Ein Absatzerfolg in China ist essenziell für die deutschen Autohersteller. VW verkauft etwa 40 Prozent seiner Neuwagen in China, bei Daimler sind es 28 Prozent und bei BMW ein Viertel. Aus den Joint Ventures mit fernöstlichen Staatskonzernen fließen Quartal für Quartal gewaltige Summen nach Wolfsburg, Stuttgart und München. Allein Daimler kassiert jährlich eine Dividende von mehr als 1,1 Milliarden Euro aus seiner Partnerschaft mit dem Pekinger Staatskonzern BAIC.

Die deutschen Autobauer haben ihre Produktion in China inzwischen alle wieder hochgefahren, auch die Händler dürfen wieder Autos verkaufen. Im Februar war die Wirtschaft wegen strikter Restriktionen zur Virusbekämpfung nahezu vollständig zum Erliegen gekommen, im März liefen die Fabriken dann wieder nach und nach an.

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    Um den Verkauf anzukurbeln, hatte die chinesische Zentralregierung unter anderem die Subventionen für sogenannte alternative Antriebe, zu denen auch Elektrofahrzeuge gehören, verlängert. Hinzu kommen zahlreiche Kaufanreize und die Aufhebung von Zulassungsbeschränkungen auf Lokalebene. Die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass die Gesamtnachfrage im zweiten Halbjahr wegen der staatlichen Subventionen deutlich anziehen wird.

    Vorsichtiger Optimismus bei BMW, Mercedes und VW

    „Unser Geschäft bewegt sich seit Ende März schrittweise auf ein normales Level zurück, sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeugbereich“, sagte Hubertus Troska dem Handelsblatt. Der hochgewachsene Manager, der seit siebeneinhalb Jahren die Geschicke von Daimler in der Volksrepublik verantwortet, räumt zwar ein, dass die vergangenen Wochen „nicht einfach“ waren, ist aber längst wieder frohen Mutes: „Der Auftragseingang im April war sehr positiv und bewegt sich in etwa auf Vorjahresniveau.“

    Ähnlich sieht es bei BMW aus. In China war der Absatz im ersten Quartal um rund 31 Prozent eingebrochen. Im März und April zeigten sich laut Unternehmensangaben dann erste Tendenzen einer Erholung.

    Bei Mercedes war der Absatz im ersten Quartal um ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Insbesondere im Februar kamen wegen des Corona-Lockdowns gut 80 Prozent weniger Kunden in die Autohäuser, die Bänder in den Fabriken standen weitgehend still. Bereits im März konnte Mercedes seine Verkäufe aber wieder stabilisieren, das Minus lag nur noch bei überschaubaren 1,9 Prozent. Seither geht es weiter aufwärts.

    Auch bei Volkswagen ist man guter Dinge mit Blick auf China. „Im April lagen die Auslieferungen der Volkswagen Group China wieder im Plus gegenüber dem Vorjahr“, sagte VW-China-Chef Stephan Wöllenstein dem Handelsblatt. VW sei „vorsichtig optimistisch“, dass der Trend sich in der zweiten Jahreshälfte stabilisiert. Ob der bisherige Ausfall von zwei Millionen Fahrzeugen im Gesamtmarkt bis zum Ende des Jahres wieder wettgemacht werden kann, lasse sich derzeit jedoch schwer abschätzen, so Wöllenstein.

    Auch Troska bekundet: „Unsere Performance der letzten Wochen hier in China lässt mich vorsichtig optimistisch auf den Rest des Jahres blicken.“ Der 60-Jährige hat sich für 2020 noch viel vorgenommen. Insgesamt 18 neue oder überarbeitete Modelle will Mercedes dieses Jahr in der Volksrepublik auf den Markt bringen.

    Premiumhersteller schlagen sich besser

    Die schnelle Erholung im weltgrößten Automarkt ist für die heimischen Autobauer ein Lichtblick im Corona-Tal, meint Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM). „Dass der Absatz schon im April so positiv ausfällt, hat mich überrascht. Das gibt Hoffnung. China ist der Positivfall der Branche“, konstatiert der Mobilitätsexperte.

    Allerdings profitieren vom Comeback der Volksrepublik nicht alle Fahrzeughersteller im gleichen Maße. Als Faustregel gilt: Premium schlägt Masse. „Wir sehen in Krisen immer, dass das Volumensegment stärker leidet“, sagt Bratzel. Westliche Marken wie Ford oder Peugeot, die schon vor Corona enorme Schwierigkeiten hatten, sich von der Vielzahl an chinesischen Fahrzeugherstellern abzugrenzen, drohen weiter abzurutschen. Luxusanbieter wie Mercedes, BMW oder Audi können dagegen in der Krise teils sogar Marktanteile hinzugewinnen.

    Die Coronakrise verschärft den Druck auf die kleineren Hersteller. Insbesondere die französischen Autobauer, die bereits seit längerem nicht gut abschneiden auf dem chinesischen Markt, verloren bereits Marktanteile im ersten Quartal. Im April teilte der französische Autobauer Renault mit, dass er sein Joint Venture mit dem chinesischen Unternehmen Dongfeng aufgeben wird.

    Volkswagen hofft auf eine schnelle Erholung im wichtigen chinesischen Markt. Quelle: Reuters
    VW in China

    Volkswagen hofft auf eine schnelle Erholung im wichtigen chinesischen Markt.

    (Foto: Reuters)

    „Covid-19 wird langfristig eine Bereinigung und Konsolidierung des chinesischen Markts mit derzeit über 100 Marken mit sich bringen“, glaubt VW-China-Chef Wöllenstein. Der Marktanteil von VW in China ist laut Konzernangaben während der Covid-Krise um 1,7 Prozentpunkte auf rund 21 Prozent gestiegen.

    Erfolge verzeichnen aktuell neben Premiummarken auch günstige Einstiegsmodelle wie „Jetta“. Die neueste Marke aus dem Volkswagen-Konzern richtet sich an Kunden zwischen 25 und 35 Jahren, die zum ersten Mal in ihrem Leben ein Auto kaufen wollen. Das Konzept scheint aufzugehen. Im April lieferte Jetta gut 13.500 Pkw aus, das entspricht einem Marktanteil von fast einem Prozent.

    Branchenkenner Bratzel erklärt den Erfolg von Jetta auch damit, dass der Besitz eines Autos in Zeiten des kollektiven Abstandhaltens plötzlich selbst für Jüngere wieder attraktiver geworden ist. Autobauer in China hoffen auf den Effekt, dass die Menschen wegen der möglichen Ansteckungsgefahr nun lieber im eigenen Auto zur Arbeit fahren als mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

    Neuinfektionen bleiben ein Risiko

    Tatsächlich ist der morgendliche Verkehr auf den Straßen der Mega-Städte Peking, Schanghai und Guangzhou laut einer Erhebung der Analysefirma BloombergNEF derzeit höher als im Durchschnitt von 2019. Die U-Bahn-Nutzung liegt hingegen weit unter dem Normalwert. „Das dürfte aber nur ein temporärer Effekt sein“, glaubt Bratzel. Sofern es zu keinem weiteren Lockdown mehr kommt, rechnet der CAM-Chef damit, dass sich der Rückgang der Pkw-Verkäufe in China auf ein Minus von etwa zehn Prozent im Gesamtjahr 2020 eindämmen lässt. Zum Vergleich: In Europa und den USA kalkuliert Bratzel mit einem Einbruch der Fahrzeugmärkte von bis zu 21 Prozent.

    Allerdings ist auch in China die Situation alles andere als stabil. Am vergangenen Wochenende stellte die Lokalregierung die 700.000 Einwohner der Stadt Shulan im Nordosten Chinas unter Lockdown, nachdem dort zwölf neue Fälle von Corona-Infektionen aufgetreten waren.

    Auch in der zentralchinesischen Stadt Wuhan, die als Epizentrum des Virus gilt, wurden am Montag fünf neue lokal übertragene Covid-19-Erkrankungen gemeldet. Hinzu kommt eine tiefe Verunsicherung der Bevölkerung durch die wirtschaftlichen Folgen des Virus. Experten rechnen mit einem großen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

    Dennoch dürfte die Erholung des Geschäfts in den westlichen Ländern langsamer vonstattengehen als in China. Der Grund: Sowohl in der EU als auch in den Vereinigten Staaten scheint der Peak an Neuzulassungen bereits in den vergangenen Jahren überschritten worden zu sein. Die Märkte sind gesättigt.

    In Westeuropa besitzt schließlich bereits jeder Zweite ein eigenes Auto, in den USA kommen auf 1000 Einwohner sogar mehr als 700 Wagen. Ganz anders sieht dagegen die Situation in China aus. Auf tausend Einwohner kommen hier nur etwa 150 Pkw. Das Reich der Mitte gilt als untermotorisiert, folglich ist das Absatzpotenzial für die Autoindustrie dort nach wie vor riesig. Oder anders ausgedrückt: „Als Blaupause für den Westen taugt China nur bedingt“, erklärt Bratzel.

    Denn in Europa und den USA müssen die Fahrzeughersteller anders als in Fernost mit Überkapazitäten operieren. Schon vor der Coronakrise ging die Autoproduktion beispielsweise in Deutschland zwischen 2017 und 2019 um 17 Prozent zurück, weitere Anpassungen dürften in den nächsten Jahren folgen.

    Auch Autobauer BMW ist skeptisch, dass sich das Muster von China auch auf Länder außerhalb der Volksrepublik übertragen lässt. „China eignet sich nur sehr bedingt als Blaupause für die Entwicklung der anderen Märkte“, sagte BMW-Vorstandschef Oliver Zipse Anfang Mai bei der Vorlage der Quartalszahlen. Allein in der wichtigsten Absatzregion Europa sei das Bild sehr heterogen.

    Mehr: Die Illusion vom steilen Aufschwung nach der Coronakrise

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    2 Kommentare zu "Coronakrise: April-Verkäufe fast wie im Vorjahr: China lässt deutsche Autobauer hoffen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Schon vor der Coronakrise ging die Autoproduktion beispielsweise in Deutschland zwischen 2017 und 2019 um 17 Prozent zurück, weitere Anpassungen dürften in den nächsten Jahren folgen."

      Es sei denn wir versuchen krampfhaft unsere ach-so-tolle Automobilindustrie zu retten. Am besten ohne Entlassungen und mit Abwrackprämie...

      Es ist ja nicht so, dass VW, BMW und Daimler den Hauptteil ihrer Gewinne im Ausland erwirtschaften..




      Liebe Politik, könnt ihr bitte die einmalige Chance nutzen und unsere Wirtschaft gezielt neu aufzustellen? (Alte Subventionen streichen und neue Anreize schaffen) Es kann doch nicht sein, dass ein Start-up wie Tesla mittlerweile mehr Wert ist als all unsere Autobauer zusammen. Das alleine ist doch schon Beweis genug, dass wir nicht an dem "alten Modell" festhalten sollten, sondern lieber neue Wege gehen.

      *Rettet und fördert lieber innovative Start-ups anstatt alte Unternehmen die in Zukunft keine Rolle mehr spielen werden!*

    • Man freut sich immer besonders diebisch, wenn die neue Woche mit allerbester Propaganda beginnt.
      Vom chinesischen Kommunisten-Regime können die EU-Propagandisten hier noch gewaltig was lernen. Nach beschönigten Corona-Todesfallzahlen jetzt Autozulassungen wie bei Hochkonjunktur.
      Wie bekommt man das hin? Etwa mit Tageszulassungen. Was passiert danach mit den "verkauften" Autos?
      Sie gehen etwa auf riesigen Arealen oder auch stillgelegten Rollfeldern "sterben":
      https://www.zerohedge.com/news/2014-05-16/where-worlds-unsold-cars-go-die

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