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DeutschlandDiehl kann Munitionsproduktion in Troisdorf ausweiten

Mehr als ein Jahr schwelte der Streit über den Ausbau einer Rüstungsfabrik und sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Nun steht eine Lösung, von der auch die Ukraine profitiert.Roman Tyborski, Markus Fasse, Martin Murphy 16.11.2024 - 17:17 Uhr Artikel anhören
Die Explosivstoffe, die in Troisdorf produziert werden, sind essenziell für die Herstellung von Artilleriegranaten. Foto: REUTERS

Düsseldorf, Berlin, München. Der Rüstungshersteller Diehl und die Stadt Troisdorf haben sich nach einem langen Streit auf einen Ausbau einer Munitionsfabrik geeinigt. Die Diehl-Tochter Dynitec kann nun über das Gelände verfügen und seine Werkskapazitäten ausweiten. Eine entsprechende Mitteilung machte das Unternehmen am Donnerstag.

NRW-Staatsminister Nathanael Liminski (CDU) sieht damit die industrielle Basis für die Produktion von Rüstungsgütern gesichert – „nicht zuletzt zur Verteidigung der Ukraine“.

Als Eigentümerin von Teilen des operativen Betriebsgeländes könne Diehl die zukünftige Geschäftstätigkeit langfristig absichern, hieß es. Diehl sichert sich zudem die wesentlichen sprengstoffrechtlichen Betriebsgenehmigungen am Standort Troisdorf, gelegen zwischen Köln und Bonn.

Diehl-Standort Troisdorf ist essenziell für die Produktion von Artilleriemunition

Damit endet ein seit über einem Jahr schwelender Streit. Die Stadt Troisdorf hatte sich bei Diehls Planungen über die Erweiterung einer Explosivstoffproduktion quergestellt. Das Handelsblatt hatte bereits im vergangenen Herbst über den Disput zwischen dem Rüstungskonzern und Bürgermeister Alexander Biber (CDU) berichtet.

Der Standort ist essenziell für die Herstellung von Vorprodukten für Artilleriemunition, Mörsergranaten und Flugabwehrraketen wie Iris-T. Diese wiederum werden im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine und der zunehmenden Gefahr, die von Russland für europäische Nato-Staaten ausgeht, stark nachgefragt.

Die Ukraine, wie auch die westlichen Staaten, fahren die Produktion von Rüstungsgütern hoch, insbesondere von Munition. Die Bestände waren nach dem Ende des Kalten Kriegs deutlich reduziert worden.

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Wie eine der ältesten Waffengattungen den Krieg in der Ukraine entscheidet

Gerade die Aufrüstung oder der Neubau von Werken für die Munitionsfertigung ist ein langwieriger Prozess. Zum einen sind die Sicherheitsstandards sehr hoch, zum anderen gibt es Engpässe bei den Vorprodukten.

Um den Mangel zu beseitigen, hat die EU-Kommission ein milliardenschweres Förderpaket aufgelegt. Diehl will Unternehmenskreisen zufolge die Produktion in Troisdorf mittelfristig mindestens verdoppeln und in mehreren Schichten produzieren.

Troisdorf-Konflikt war auch in Berlin ein Thema

Die Stadt hatte eine Erweiterung zunächst abgelehnt. Stattdessen hatte der Stadtrat im November 2023 beschlossen, einen Teil des Gewerbegebiets, in dem Dynitec sitzt, per Vorkaufsrecht zu übernehmen. Die Diehl-Tochter war nur Mieter, der Besitzer des Grundstücks war eine Nachfolgegesellschaft des ehemaligen Chemiekonzerns Dynamit Nobel.

Da der Mietvertrag auslief, wollte die Stadt Teile des Areals zu Wohn- und Gewerbeflächen umwandeln. Diehl hingegen erklärte, die Fertigung nicht verlagern zu können, da die Genehmigung einer Sprengstoffproduktion an einem anderen Standort Jahre gedauert hätte.

Der Vorgang in Troisdorf landete sogar auf der Tagesordnung der Berliner Politik. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ließ sich laufend über die Verhandlungen zwischen Diehl und der Stadt informieren. NRW-Staatsminister Liminski hatte sich eingeschaltet und bei der Vermittlung des Kompromisses vermittelt.

Der CDU-Politiker betonte, dass ungeachtet der Lösung die Möglichkeiten für die Entwicklung der Stadt mittel- und langfristig erhalten bleiben würden. Diehl dürfte der größte Steuerzahler in Troisdorf sein.

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Während der Vermittlungsversuche kam es Ende August zu einem Zwischenfall auf dem Gelände. In einem Labor kam es zu einer Explosion, bei der zwei Mitarbeiter verletzt wurden und ein Gebäude schwer beschädigt wurde. Laut einem Gutachten war ein technischer Defekt verantwortlich für den Großbrand.

Erstpublikation: 14.11.2024, 14:15 Uhr.

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