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Digitalisierung Siemens-Arbeitnehmer loben Ziele von CEO Busch – Doch „Nagelprobe steht noch bevor“

Betriebsrat und IG Metall sehen viele Gemeinsamkeiten mit dem Programm des neuen CEO. Doch für eine neue Unternehmenskultur brauche es mehr Mitbestimmung.
30.06.2021 - 19:00 Uhr Kommentieren
Arbeitnehmervertreter werten positiv, dass Busch kein zentrales Kosteneinsparprogramm verkündet hat. Quelle: dpa
Siemens-Chef Roland Busch

Arbeitnehmervertreter werten positiv, dass Busch kein zentrales Kosteneinsparprogramm verkündet hat.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Arbeitnehmervertreter bei Siemens fordern, die neue Unternehmenskultur, die Vorstandschef Roland Busch versprochen hat, konsequent umzusetzen. „Die Überschriften und Zielsetzungen sind richtig“, sagte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Birgit Steinborn dem Handelsblatt. „Doch die Nagelprobe für Herrn Busch steht noch bevor.“

Siemens-Chef Busch hatte in der vergangenen Woche seine Strategie für die kommenden Jahre vorgestellt. Er kündigte ein beschleunigtes Wachstum von jeweils fünf bis sieben Prozent in den nächsten Jahren an. Auf dem Kapitalmarkttag in der vergangenen Woche hob Busch die Renditeziele für die Bahntechnik und für die Smart Infrastructure mit der Gebäudetechnik an. Zudem soll es künftig möglichst keine Dividendensenkungen mehr geben.

Die Arbeitnehmervertreter werten positiv, dass Busch kein zentrales Kosteneinsparprogramm verkündet hat. „Es ist wohltuend, dass die neue Strategie nicht mit einem Abbauprogramm verknüpft wurde“, sagte Aufsichtsrat Jürgen Kerner von der Gewerkschaft IG Metall. Da es geschäftlich gut laufe, gebe es nun ein kurzes Zeitfenster, in dem Management und Arbeitnehmer gemeinsam eine neue Unternehmenskultur entwickeln könnten.

Unter dem Schlagwort „NextSiemens“ haben Betriebsräte und IG Metall eine eigene Zukunftsvision erarbeitet. Das Programm stellen sie in dieser Woche erstmals vor. Dabei zeigen sich durchaus Gemeinsamkeiten. Stichwörter wie „Pioniergeist, Zusammenhalt und Verantwortung“ im Konzept der Arbeitnehmervertreter finden sich teils auch in Buschs Strategie wieder. So will er die Innovationskraft stärken und den Beschäftigten mit „Empowerment“ und flacheren Hierarchien mehr Eigenverantwortung geben.

Entscheidend für das Verhältnis zwischen neuer Führung und Arbeitnehmervertretern wird auch die Sicherheit der Arbeitsplätze sein. In den vergangenen Jahren hatte es bei Siemens immer wieder Stellenabbauprogramme gegeben. Betroffen war zuletzt insbesondere die inzwischen abgespaltene Energietechnik.

Einig sind sich Konzernleitung und Arbeitnehmervertreter darin, dass solche massiven Kürzungen in Zukunft möglichst vermieden werden sollen. Mit dem Programm Nextwork will Siemens rechtzeitig erkennen, welche Fähigkeiten in einigen Jahren gebraucht werden – und seine Mitarbeiter rechtzeitig dafür qualifizieren.

Steinborn will digitalen Zugang für alle Mitarbeiter

Die Themen müssten die ganze Organisation bis in die Geschäftseinheiten und einzelnen Werke durchdringen, fordert Aufsichtsrat Kerner. „Beim Vorstand ist die Bereitschaft durchaus vorhanden, doch das Verständnis muss auch in den unteren Führungsebenen da sein.“

Ein Problem sei dabei auch, ergänzt die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Steinborn, dass allein in Deutschland etwa 8000 Beschäftigte in der Produktion gar keinen Zugang zum Beispiel zu digitalen Qualifizierungsangeboten hätten. „Es kann doch nicht sein, dass im digitalen Musterwerk in Amberg Hunderte Mitarbeiter nicht einmal ins Intranet kommen.“

Steinborn fordert eine frühere Mitsprache der Arbeitnehmer bei Zukunftsthemen: „Die Mitbestimmung muss auf eine neue Ebene gehoben werden.“ In Zeiten disruptiver Veränderungen müssten gemeinsam und frühzeitig Lösungen gesucht werden – nicht erst, wenn es irgendwo Probleme gibt.

Unter Vorgänger Joe Kaeser, der im Februar die Siemens-Führung an Busch übergab, hatten die Arbeitnehmervertreter zwar den radikalen Umbau bis hin zur Abspaltung von Siemens Energy mitgetragen. Doch gab es wiederholt Konflikte – gerade zwischen Kaeser und der IG Metall, etwa als der Vorstand das Turbinenwerk im strukturschwachen Görlitz schließen wollte. Erst nach massiven Protesten wurde der Standort erhalten.

Den Wechsel zum Physiker Busch hatten die Arbeitnehmervertreter positiv gesehen. Sie hatten sich schon lange wieder einen Ingenieur an der Spitze von Deutschlands größtem Technologiekonzern gewünscht.

Insgesamt gute Stimmung gibt es bei Siemens derzeit aber auch, weil es geschäftlich rundläuft. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 (30. September) steigerte der Konzern den Umsatz um vergleichbar neun Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Gerade im Geschäft mit der Digitalisierung der Industrie, das in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll, konnte Siemens Marktanteile gewinnen. Der Nettogewinn legte von knapp 700 Millionen auf 2,4 Milliarden Euro zu.

Mehr: Interview mit Siemens-CEO Busch: „Wir werden immer mehr Software verkaufen.“

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