Energie: DIHK warnt wegen Atomausstieg vor Versorgungsengpässen
Am 15. April sollen die drei verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland endgültig vom Netz gehen.
Foto: dpaBerlin. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht Firmen in Deutschland weiterhin durch die Energiekrise belastet. Trotz gesunkener Gaspreise blieben die Energiekosten für viele Betriebe hoch, sagte der DIHK-Präsident der „Rheinischen Post“. Zugleich sei Deutschland beim Thema Versorgungssicherheit „noch nicht über den Berg“, so Peter Adrian. „Wir müssen deshalb weiterhin alles dafür tun, das Angebot an Energie auszuweiten und es keinesfalls weiter einzuschränken.“
Deutschland sei auf alle verfügbaren Energieträger angewiesen, mahnte Adrian. „Nur so können wir in den kommenden Monaten Versorgungsengpässe und eine erneute massive Steigerung der Energiepreise vermeiden oder zumindest abmildern.“
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Ausfälle oder Einschränkungen bei der Energieversorgung seien für Deutschland ein bislang unbekanntes Risiko und ein Standortnachteil, warnte er. „Vor diesem Hintergrund setzen weite Teile der deutschen Wirtschaft darauf, einsetzbare Kernkraftwerke bis zum Ende der Krise weiterlaufen zu lassen.“
Atomausstieg: Letzte AKWs werden am 15. April abgeschaltet
Am Samstag sollen die drei verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland endgültig vom Netz gehen. Eigentlich sollte dies schon Ende vergangenen Jahres passieren. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der dadurch ausgelösten Energiekrise beschloss die Ampel-Koalition im vergangenen Jahr jedoch, die Meiler über den Winter noch weiterlaufen zu lassen.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hält den Ausstieg trotz aller Widerstände für unumkehrbar. Mit Verweis auf die hohen Füllstände in den Gasspeichern, neue Flüssiggasterminals und erneuerbare Energien versicherte der Grünen-Politiker zuletzt, die Energieversorgung sei gewährleistet.
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Der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Jens Spahn (CDU), kritisierte das Festhalten am Atomausstieg und vor allem Wirtschaftsminister Habeck. „Dieser grüne Klimaminister lässt lieber Kohlekraftwerke laufen – den Klimakiller schlechthin, CO2-Drecksschleudern – als klimaneutrale“, sagte Spahn in der Sendung „Frühstart“ von RTL. Spahn forderte eine Laufzeitverlängerung der letzten drei AKW bis mindestens Ende 2024. „Kohlekraftwerke sollten vom Netz, Kernkraftwerke sollten laufen – denn die sind sicher und klimaneutral.“
Strompreise: Göring-Eckhardt trotz Atomausstieg zuversichtlich
Trotz der Abschaltung der letzten deutschen Atomkraftwerke ist Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt zuversichtlich, dass Strompreise günstiger werden. „Der Strompreis wird natürlich günstiger werden, je mehr Erneuerbare wir haben“, sagte die Grünen-Politikerin bei MDR Aktuell. Atomkraft sei „teuer, sowohl in der Herstellung, in der Produktion, als auch danach“. Zudem sei die Frage der Endlagerung weiterhin ungeklärt.
Derzeit stehe der Atommüll in Zwischenlagern in der ganzen Republik. Auch das koste richtig viel Geld, sagte Göring-Eckardt. Die Kosten hierfür trügen die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen „und vor allen Dingen die künftigen Generationen“. Zudem sei für die Versorgungssicherheit in Deutschland keine Atomkraft mehr nötig. Sie habe „keine wesentliche Rolle mehr gespielt, auch nicht im letzten Winter“.
„Es war wirklich marginal, was gebraucht worden ist“, erklärte Göring-Eckardt. Zudem seien Atomkraftwerke als kurzfristiger Ausgleich in Spitzen-Zeiten nicht geeignet. „Man kann sie gerade nicht bei Spitzen zuschalten. Dafür brauchen wir noch andere Energieträger.“ Für die Übergangszeit sei hierfür Gas im Moment noch die bessere Variante.