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MotorsägenWarum Stihl trotz Wachstum Stellen ins Ausland verlagert

Der Motorsägenhersteller ist wieder auf Wachstumskurs. Der Trend zu Akku-Geräten erhöht den Druck auf die Beschäftigung in Deutschland. Der angekündigte Abbau reicht nicht aus.Martin-W. Buchenau 12.09.2025 - 08:30 Uhr Artikel anhören
Baumfällung: Der Motorsägenhersteller Stihl steckt mitten in der Transformation – der Trend geht zu Akkugeräten. Foto: Stihl

Stuttgart. Die Stihl-Gruppe kehrt nach Umsatzminus 2023 und geringem Plus 2024 in diesem Jahr wieder auf einen etwas solideren Wachstumskurs zurück. „Bis Ende August erreichten wir ein Umsatzplus von fünf Prozent“, sagte Stihl-Chef Michael Traub bei einer Technikpräsentation des mit Motorsägen groß gewordenen Unternehmens in Waiblingen.

Dennoch bleibt Traub vorsichtig und rechnet nur mit zwei bis vier Prozent Umsatzsteigerung für das gesamte Jahr. Damit dürfte der schwäbische Hersteller von Motorsägen und motorgetriebenen Gartengeräten zum Jahresende auf rund 5,5 Milliarden Umsatz kommen.

„Wer wächst, hat genug Sauerstoff für die Transformation“, sagte Traub. Das Unternehmen hat eine Eigenkapitalquote von 69 Prozent. So werden grundsätzlich weiterhin alle Investitionen des Konzerns aus eigenen liquiden Mitteln finanziert. Seinen Gewinn nennt das Familienunternehmen nicht. Traub sprach lediglich von einem „zufriedenstellenden Ergebnis“.

Die Gesamtsituation bleibe angespannt. Das in der Euphorie des Nachfragebooms in der Pandemie ausgerufene Ziel von acht Milliarden Euro Umsatz kassierte Traub. „Das ist in der Markt- und Wettbewerbssituation nicht mehr erreichbar.“

Stihl hatte in der Coronapandemie stark davon profitiert, dass sich zahlreiche Menschen auf Eigenheim und Garten konzentrierten und dafür viel Geld ausgaben – und in der Folgezeit zu optimistisch geplant.

Der Trend geht zu Akkugeräten

Stihl befindet sich jetzt mitten im Übergang von Geräten mit Verbrenner- zu Geräten mit Elektromotoren. Allerdings ist diese Transformation schon viel weiter fortgeschritten als etwa bei der Elektromobilität.  Anders als in der Autoindustrie wächst der Anteil der batteriebetriebenen Geräte vor allem in Europa sehr stark. Der Stihl-Chef rechnet damit, dass der Anteil im Jahr 2030 bereits bei über 60 Prozent liegen könnte. In einigen westeuropäischen Ländern liege der Anteil schon über 50 Prozent.

Stihl sieht sich in der Transformation gut positioniert. Allerdings bedeutet das erhöhten Druck auf die deutschen Standorte, wo maßgeblich die Profigeräte mit Verbrennungsmotoren gebaut werden. „Wenn der Anteil unserer Benzingeräte am Gesamtabsatz geringer wird, ist die Beschäftigung in Deutschland geringer“, sagte Traub. Stihl nimmt da vorweg, was der Autoindustrie bevorsteht.

Der angekündigte Abbau von 500 Stellen bei den Geräten mit Verbrennungsmotor werde nicht ausreichen. „Die Wettbewerbsbedingungen in Deutschland sind nicht gut genug, um hier Akkugeräte zu bauen“, sagte Traub. Stihl hatte vor wenigen Jahren noch 22.000 Beschäftigte. Jetzt sinkt die Zahl unter 20.000.

Qualitätskontrolle: Stihl will künftig die Produktion noch stärker automatisieren, um Fertigung im Hochlohnland Deutschland halten zu können. Foto: Pressebild

Auch bei der Softwareentwicklung hat Stihl Konsequenzen gezogen. Die komplette Entwicklung von Mährobotern wird künftig in China stattfinden. „Wir können da bei dem Tempo als Mittelständler sonst nicht mithalten“, begründet Traub die im August getroffene Entscheidung. Der Verlagerung fallen 100 weitere hochqualifizierte Jobs am Heimatstandort Waiblingen zum Opfer.

Der Druck auf den Gewinn hat sich durch den Trend zu Akkugeräten erhöht, auch weil die Konkurrenz größer ist und sich der Vertrieb der Geräte in vielen Ländern in die Baumärkte verlagert. Um künftig dem Preiskampf gewachsen zu sein, wird Stihl demnächst ein Werk in Rumänien für Akkugeräte eröffnen.

Etwas entspannter als andere kann der Stihl-Chef in die USA schauen, wo das Familienunternehmen ein Drittel seiner Erlöse erzielt. Stihl verfügt über eigene Werke in den USA. Seit über 50 Jahren arbeiten in der Fabrik in Virginia Beach rund 2600 Beschäftigte. Über 100 verschiedene Geräte werden im größten Werk des Unternehmens gefertigt.

„Konkurrenten suchen jetzt hektisch nach überteuerten Standorten in den USA. Das müssen wir nicht“, sagte Traub. Allerdings seien Zölle von 15 Prozent und mehr auch für Stihl sehr belastend. „Langfristig werden das die Kunden bezahlen müssen“, sagte Traub – wohl wissend, dass Preiserhöhungen den Absatz dämpfen.

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Erstpublikation: 10.09.2025, 18:23 Uhr.

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