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Hauptversammlung Trotz schwacher Daten: Curevac hofft weiter auf Zulassung seines Impfstoffs und will Kapazitäten hochfahren

Vorstandschef Franz-Werner Haas glaubt weiter fest an das Corona-Vakzin der Tübinger. Bei der Antwort auf die Frage, wie es genau damit weitergeht, bleibt er aber sehr vage.
24.06.2021 - 16:46 Uhr Kommentieren
Der Corona-Impfstoffkandidat zeigt laut einer Zwischenanalyse eine deutlich geringere Wirksamkeit als andere bereits zugelassene Corona-Impfstoffe. Quelle: dpa
Curevac-Zentrale in Tübingen

Der Corona-Impfstoffkandidat zeigt laut einer Zwischenanalyse eine deutlich geringere Wirksamkeit als andere bereits zugelassene Corona-Impfstoffe.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die virtuelle Hauptversammlung des Biotechunternehmens Curevac war am Donnerstag bereits nach 41 Minuten zu Ende. Eine Frage-und-Antwort-Runde für die Aktionäre gab es nicht. Das ist selbst für eine niederländische Gesellschaft, wie sie Curevac aufgrund ihres rechtlichen Sitzes ist, nicht die Regel. Firmen wie Philips oder Qiagen beantworten die Fragen ihrer Aktionäre in Pandemiezeiten auch virtuell.

Curevac-Aufsichtsratschef Baron Jean Stéphenne eilte bei der Hauptversammlung jedoch durch die Tagesordnungspunkte. Und CEO Franz-Werner Haas blieb bei der wichtigen Frage, wie es mit dem eigenen Covid-Impfstoffkandidaten nach den zuletzt enttäuschenden Wirksamkeitsdaten weitergeht, sehr vage.

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„Die finale Auswertung der Daten unserer Herald-Studie wird die Basis dafür bilden, den am besten geeigneten regulatorischen Weg zu finden“, sagte Haas in seiner Rede. Zugleich betonte er, dass die Kapazitäten im europäischen Herstellungsnetzwerk, an dem unter anderem auch Wacker Chemie und Bayer beteiligt sind, hochgefahren würden.

Vergangene Woche hatte der Covid-Impfstoffkandidat des Tübinger Pharmaunternehmens in einer Zwischenauswertung eine vorläufige Wirksamkeit von lediglich 47 Prozent gegenüber Covid-Erkrankungen jeglicher Art erzielt. Damit wurden die bisherigen Erwartungen an das Produkt klar verfehlt – der Aktienkurs verlor als Reaktion darauf zeitweise bis zu 50 Prozent und hat sich seitdem nur leicht erholt.

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Im Vergleich zu den bisher zugelassenen Covid-Impfstoffen liegt Curevac mit diesen Daten deutlich zurück. Die Impfstoffe von Biontech und Moderna, die ebenso wie der Curevac-Kandidat „CVnCoV“ auf der neuartigen mRNA-Technologie basieren, zeigten in den entscheidenden Studien Wirksamkeiten von um die 95 Prozent. Die Vektorimpfstoffe von Astra-Zeneca und Johnson & Johnson lagen bei Werten zwischen 60 und 70 Prozent.

Wie Curevac die enttäuschenden Daten begründet

Die von Curevac vorgelegten Daten basieren auf der Auswertung von 134 Infektionsfällen im Rahmen einer großen Phase-3-Studie mit rund 40.000 Teilnehmern. In die Endauswertung sollen noch weitere rund 80 Fälle einfließen. Die entsprechenden Daten dazu sollen in wenigen Wochen vorliegen. Die Wirksamkeitsquote kann sich damit noch deutlich ändern, dürfte aber auch im günstigsten Fall nicht an die der bisherigen Topprodukte heranreichen.

Setzt sich dagegen der bisherige Trend in den Daten fort, erscheint eine Zulassung unwahrscheinlich. Das Projekt könnte sich in diesem Fall zu einem kompletten Flop für das Tübinger Biotechunternehmen entwickeln.

Die enttäuschenden Daten führt Curevac vor allem auf die inzwischen große Variantenvielfalt des Coronavirus zurück. Man habe die Studie in einer sich schnell verändernden Umgebung mit mindestens 29 Virusstämmen durchgeführt.

An der Studie beteiligte Mediziner sehen das Problem in der geringen Dosis des Wirkstoffs. Eine höhere Dosierung sei wegen erwartbarer Nebenwirkungen nicht möglich gewesen – anders als bei den Mitteln von Moderna und Biontech.

Die Studie von Curevac startete erst Mitte Dezember 2020 und damit gut vier Monate später als die Tests der Konkurrenten. Nur bei einem der 134 Infektionsfälle in der Studie konnte nach Aussage des Curevac-Chefs die ursprüngliche Wuhan-Variante des Virus nachgewiesen werden.

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Curevac-Chef Franz-Werner Haas demonstrierte zuletzt Zuversicht, dass das Impfstoffprojekt eine Zukunft hat. „Wir halten an dem Vakzin fest, bis wir die finale Auswertung haben“, hatte Haas Mitte Juni im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt. Entscheidend sei aus seiner Sicht letztlich die Detailauswertung der endgültigen Daten, auch mit Blick auf bestimmte Personengruppen und Virusvarianten. „Wir glauben, dass diese Studie wichtige Einblicke in das dramatisch veränderte Virusvariantenumfeld geben wird“, betonte Haas auch in seiner Rede auf der Hauptversammlung.

Vorerst keine Dividende geplant

Curevac ist im vergangenen August an die US-Technologiebörse Nasdaq gegangen. Das Unternehmen zahlt keine Dividende und hat das auch in absehbarer Zeit nicht vor, wie Curevac schon in der Einladung zur Hauptversammlung klarmachte. Das verfügbare Kapital und zukünftige Gewinne sollen in die Entwicklung und Expansion des Geschäfts gesteckt werden.

Curevac entwickelt unter anderem in Kooperation mit der britischen Glaxo-Smithkline (GSK) einen Covid-Impfstoff der zweiten Generation. Klinische Studien sollen im dritten Quartal starten. Außerdem hat das Unternehmen Projekte jenseits von Covid-19 in der Entwicklung, darunter einen Impfstoff gegen Tollwut.

Curevac konnte schon vor dem Börsengang mehrere Finanzierungsrunden erfolgreich abschließen. Im vergangenen Jahr beteiligte sich die deutsche Staatsbank KfW an dem Unternehmen. Zu den Großinvestoren gehören auch GSK sowie der katarische Staatsfonds QIA und die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung. Auch Altinvestor Dietmar Hopp hatte seine Anteile am Unternehmen zuletzt aufgestockt.

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Insgesamt hat Curevac noch eine relativ große Liquiditätsreserve in Höhe von 1,5 Milliarden Euro aus der privaten Finanzierungsrunde, dem Börsengang im vergangenen Jahr sowie der nachfolgenden Kapitalerhöhung im Frühjahr 2021.

Curevac-Gründer Ingmar Hoerr kandidierte nicht für den Aufsichtsrat

Auf der Hauptversammlung sollte eigentlich auch über den Einzug von Firmengründer Ingmar Hoerr in den Aufsichtsrat entschieden werden. Entgegen seiner ursprünglichen Absicht zog der langjährige CEO seine Kandidatur aber zurück, wie das Unternehmen einen Tag vor der Hauptversammlung bekanntgegeben hatte. Als Grund wurden anhaltende gesundheitliche Probleme genannt. Hoerr hatte im März 2020 eine Hirnblutung erlitten und mehrere Wochen im Koma gelegen.

Darüber hinaus gab Curevac bekannt, dass sich Timothy M. Wright von seiner Tätigkeit als Independent Director aus dem Aufsichtsrat von Curevac zurückzieht, um sich eigenen beruflichen Aufgaben stärker widmen zu können.

Neues Mitglied des Vorstands wird Klaus Edvardsen, der die Rolle des Entwicklungschefs übernimmt. Der 59-jährige Mediziner ist ein Experte im Bereich Krebsforschung und hat bei Pharmafirmen wie Astra-Zeneca, Glaxo-Smithkline, Sanofi, Genmab und Merck gearbeitet. Als Wirtschaftsprüfer für das Jahr 2022 wählte die Hauptversammlung mehrheitlich das Unternehmen EY.

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