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Hauptversammlung VW-Chef unterstreicht Elektro-Strategie: „Leisten wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels“

Volkswagen will sich zum reinen Elektroanbieter wandeln. Neue E-Modelle sollen dazu beitragen, Wetterkatastrophen wie in Westdeutschland zu verhindern.
22.07.2021 Update: 22.07.2021 - 19:29 Uhr 5 Kommentare
VW-Chef Herbert Diess auf der Hauptversammlung in Berlin: Er glaubt daran, dass sich der Klimawandel mit Elektroautos aufhalten lässt. Quelle: Stefan Boness/Ipon
Volkswagen will zum Klimaretter werden

VW-Chef Herbert Diess auf der Hauptversammlung in Berlin: Er glaubt daran, dass sich der Klimawandel mit Elektroautos aufhalten lässt.

(Foto: Stefan Boness/Ipon)

Düsseldorf Volkswagen sieht sich durch die Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands in seiner Elektrostrategie bestätigt. „Die Bekämpfung des Klimawandels ist eine Jahrhundertaufgabe. Nur mit Elektromobilität können wir die CO2-Emissionen in den nächsten zehn Jahren signifikant senken“, sagte Konzernchef Herbert Diess am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin.

Für den VW-Vorstandschef gibt es wenig Zweifel daran, dass der Klimawandel Mitverantwortung trägt an den katastrophalen Ereignissen der vergangenen Woche. Der Klimawandel verschärfe die Wetterextreme. „Pro Grad Erwärmung kann die Luft sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Starkregen, der sich über Nacht in Flutwellen verwandelt und ganze Straßenzüge wegreißt, kann eine der Folgen sein“, betonte Diess mit Blick auf die gewaltigen Schäden in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen.

Aus Sicht des VW-Chefs steht die gesamte Automobilindustrie vor einem entscheidenden Wandel: weg vom Verbrennungsmotor und hin zur Elektromobilität. „Damit leistet unsere Branche einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels“, lobte Diess die Anstrengungen. Es sei an der Zeit, „dass wir uns neu erfinden“.

Als einer der größten Autohersteller der Welt trage der Konzern eine besondere Verantwortung für das Klima. „Unser Ziel ist, den durchschnittlichen CO2-Fußabdruck pro Auto über den gesamten Lebenszyklus bis 2030 um 30 Prozent auf 34 Tonnen CO2 zu reduzieren“, sagte Diess.

Durch die Elektromobilität würden sogar große und schwere SUV umweltfreundlich. Günstiger Strom sorge dafür, dass individuelle Mobilität mit dem Auto in vielen Regionen der Erde „erstmals erschwinglich“ werde. Das gelte für Regionen mit viel Wind, Wasser und Sonne, wo sich Strom zu niedrigeren Kosten produzieren lasse als Benzin.

Volkswagen stellt sich darauf ein, dass die Verkaufszahlen bei Elektroautos in den nächsten zehn Jahren kontinuierlich steigen und das Geschäft mit Diesel- und Benzin-betriebenen Fahrzeugen Schritt für Schritt kleiner wird. Der Wolfsburger Autohersteller kalkuliert damit, dass der Verbrennermarkt bis zum Jahr 2030 um mehr als 20 Prozent schrumpft.

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Margen im E-Auto- und Verbrennergeschäft nähern sich an

Dazu gehört auch, dass Volkswagen das Modellportfolio mit Verbrennungsmotoren zusammenstreichen und vereinfachen wird. Besonders bei Kleinwagen sorgen verschärfte Abgasbestimmungen dafür, dass Dieselmodelle kaum noch wirtschaftlich produziert werden können. Beim Kleinwagen Polo hat VW deshalb bereits den Diesel aus dem Programm genommen. Beim T-Roc steht der Diesel ebenfalls auf der Streichliste.

„Wir gehen davon aus, dass unsere Margen in der E-Mobilität und im Verbrennergeschäft bereits in zwei bis drei Jahren auf demselben Niveau liegen werden“, betonte Vorstandschef Diess. Im Jahr 2030 würden voraussichtlich etwa gleich viele Verbrenner und Elektroautos verkauft.

Mit den Elektroautos könne der Wolfsburger Konzern seine Profitabilität sogar steigern. Dazu trage die tiefere eigene Wertschöpfung bei – Volkswagen führt mit der Elektromobilität die neuen Geschäftsfelder Batterieproduktion und Ladetechnik ein, so Diess weiter. Vor wenigen Tagen hatte Volkswagen sein Mittelfrist-Renditeziel bis 2025 bereits angehoben. Maximal seien jetzt neun Prozent erreichbar, zuvor waren es acht Prozent. Wenn die komplette neue Strategie greift, könnte die Rendite nach dem Jahr 2030 auch zweistellig werden.

Außer der Elektromobilität spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle bei der Transformation des Volkswagen-Konzerns. Zur Mitte des Jahrzehnts soll der Anteil der von den Wolfsburgern selbst entwickelten, fahrzeugbezogenen Software bei 60 Prozent liegen. Derzeit sind es noch zehn Prozent. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die vor einem Jahr gegründete Konzerntochter Cariad, die bis 2025 ein komplett eigenes Betriebssystem für alle Autos aus dem Konzern entwickeln soll. Ein solches Betriebssystem wäre mit dem iOS von Apple und dem Android-System von Google vergleichbar.

Volkswagen investiert jährlich etwa 2,5 Milliarden Euro in Cariad. Die Zahl der Mitarbeiter soll von aktuell rund 4000 bis zur Mitte des Jahrzehnts auf 10.000 aufgestockt werden. Cariad wird damit zu einem der größten IT-Unternehmen in Deutschland. „Mit der Cariad wollen wir bis 2030 die führende Software-Alternative zu Tesla und Google entwickeln“, sagte Herbert Diess. Etwa 40 Millionen vom Konzern produzierte Fahrzeuge sollen das neue Betriebssystem nutzen. Volkswagen will sich damit auch vom reinen Fahrzeughersteller zum digitalen Mobilitätsanbieter wandeln.

Aktionäre winken Winterkorn-Vergleich durch

Auf der Hauptversammlung auf dem Berliner Messegelände ging es allerdings nicht nur um die zukünftige Strategie des Konzerns. Auch die jüngste Vergangenheit – die Dieselaffäre – stand auf dem Programm. Vor wenigen Wochen hatte der Konzern einen Vergleich mit dem früheren Konzernchef Martin Winterkorn, Ex-Audi-Chef Rupert Stadler und anderen ehemaligen Vorständen getroffen.

Sie leisten Schadensersatz für den Dieselskandal in Höhe von fast 290 Millionen Euro. Den Großteil davon, rund 270 Millionen Euro, übernehmen allerdings Manager-Haftpflichtversicherungen („D&O“). Die Hauptversammlung nahm diesen Vergleich am Donnerstagabend mit großer Mehrheit an. Kritiker aus den Reihen der Aktionäre wollten den Vergleich zu Fall bringen – sind mit diesem Vorhaben jedoch gescheitert.

Jörg Hofmann, Vorsitzender der IG Metall und zugleich stellvertretender Aufsichtsratschef von Volkswagen, verteidigte den Vergleich. „Damit bekommen wir die Chance, einen zivilrechtlichen Schlussstrich zu ziehen“, sagte Hofmann. Die Schadensersatzzahlungen der beteiligten früheren Vorstände seien „angemessen“. Dem Vergleich sei die umfassendste Untersuchung eines Unternehmens in der deutschen Wirtschaftsgeschichte vorausgegangen.

Wegen der Corona-Pandemie hatte sich Volkswagen ein zweites Mal für eine digital ausgetragene Hauptversammlung mit wenigen Teilnehmern entschieden. Aus dem Aufsichtsrat waren nur zwei Mitglieder in Berlin vertreten.

Im Konzernvorstand fehlte Audi-Chef Markus Duesmann, der eine längere Covid-Erkrankung auskuriert. Duesmann absolviert ein mehrwöchiges Reha-Programm. „Diese kurze Pause wird es ihm ermöglichen, sich danach wieder mit voller Kraft der Transformation von Audi zu widmen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch. Offensichtlich wollte der Konzern damit Spekulationen entgegentreten, dass der Audi-Chef noch länger ausfallen könnte.

Thema war darüber hinaus der aktuelle Engpass bei Halbleitern: Der Chipmangel betreffe in unterschiedlichem Maße nahezu den gesamten Konzern, insbesondere China und fast alle Pkw-Marken, sagte Einkaufschef Murat Aksel am Donnerstag bei der Online-Hauptversammlung. Das Management arbeite intensiv daran, die Versorgungslage zu verbessern und die Auswirkungen des Chipmangels zu mindern. „Dennoch konnten wir im ersten Halbjahr eine hohe sechsstellige Anzahl Fahrzeuge nicht wie geplant produzieren.“ Wo dies möglich sei, würden zusätzliche Schichten gefahren, um den hohen Auftragsbestand abzuarbeiten.

Trotz der ausgefallen Produktion hält Volkswagen an seinen Absatzzielen fest. Demnach sollen die Auslieferungen des Konzerns 2021 – vorbehaltlich einer erfolgreichen Eindämmung der Pandemie – deutlich über dem Vorjahr liegen.

Mehr: Milliarden für Stromautos und Software: Das ist Volkswagens Plan für die Zukunft.

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5 Kommentare zu "Hauptversammlung: VW-Chef unterstreicht Elektro-Strategie: „Leisten wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels“"

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  • @ Michael Zehe
    Ja, Sie bringen es auf den Punkt. Alle Batteriekonzepte enden in einer ökologischen Sackgasse. Es gibt nur den Weg über den Wasserstoff der durch Klimaneutrale Energie erzeugt wird und moderne Brennstoffzellen.
    Wenn man bedenkt, dass auch der Atomstrom mal als saubere Energiequelle betrachtet wurde, bis man erkannte, dass da Abfall ansteht, den man nicht mehr los wird, sollte man bei Batterien vorsichtiger sein.

  • Mit jedem E-Auto das produziert wird geht einher, dass die darin verbauten Batterien bereits soviel CO2 emittiert haben wie ein vergleichbarer Diesel in 120.000 km. Mindestens. VW und alle anderen Hersteller retten also nicht das Klima sondern befeuern es mit jeder gebauten Batterie sogar. Zumindest bis zu den besagten 120.000km. Und mal ehrlich. Wer benutzt schon sein E-Auto für lange Strecken. Dafür haben dann all diese Klimaretter noch immer den Verbrenner. Wer will auch schon für die Reise nach Hamburg, Berlin oder Südtirol stundenlang an Ladesäulen stehen? Ergo sind die Jahreskilometer mit E-Autos vergleichsweise gering. Schätzungen gehen von durchschnittlich ca. 5.000 km im Jahr aus. Somit dauer es dann 24 Jahre bis die Klimasünde E-Auto mit dem Diesel gleichgezogen hat. Und dafür gibt es dann auch noch 9.000€ Zuschuss, den selbstverständlich in erster Linie die gutsituierten Mitbürger nutzen können. Damit der Herr oder die Dame des Hauses zum shoppen und Kinder zur Schule bringen auch allen demonstrieren kann, wie umweltbewußt sie sind. Schöne Scheinwelt, mit Steuergeld auch noch subventioniert. Wie bescheuert sind eigentlich die Leute, sich derart verar.... zu lassen. Man braucht sich doch nur die Gewinne der Konzerne anzusehen, dann weiß doch jeder halbwegs gebildete Mensch, wer diesen Batteriewahnsinn bezahlt. DER STEUERZAHLER ist es!

  • "Für den VW-Vorstandschef gibt es wenig Zweifel daran, dass der Klimawandel Mitverantwortung trägt an den katastrophalen Ereignissen der vergangenen Woche. Der Klimawandel verschärfe die Wetterextreme. „Pro Grad Erwärmung kann die Luft sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Starkregen, der sich über Nacht in Flutwellen verwandelt und ganze Straßenzüge wegreißt, kann eine der Folgen sein“, betonte Diess mit Blick auf die gewaltigen Schäden in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen."
    Also irgendwie habe ich von dem Bestverdiener der deutschen Wirtschaft etwas anderes erwartet. Mit dsummheit kann man viel Geld verdienen.

  • Schon witzig der Herr Diess. Samstag habe ich eine Produktanzeige von VW gelesen. Ein 300 PS (!) T-Roc wurde in der VW-Anzeige als Energiesparer angepriesen. Geht's noch.

  • So ein Blödsinn, VW rettet das Klima. Herr Diess verkauft uns für dumm. Was wir einsparen blasen die BRIC Staaten zusätzlich raus. Und es gibt eine enge Korrelation zwischen Bevölkerungswachstum und CO2 Anstieg.
    Solange sinnlos Kinder produziert werden wie in Afrika und Teilen Südamerikas und Asien, solange wird das CO2 Elend weitergehen. Die FFF Kids sollten sich mal dem Thema widmen anstatt den Ast absägen zu wollen auf dem wir sitzen.

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