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Judith Wiese Expertin für Diversitätsthemen zieht in den Siemens-Vorstand ein

Die 49-Jährige verstärkt künftig als Personalchefin den Vorstand des Industriekonzerns. Dieser war zuletzt von Männern dominiert.
13.07.2020 Update: 13.07.2020 - 14:08 Uhr 1 Kommentar
Die 49-Jährige war 20 Jahre lang für den US-Nahrungsmittelkonzern Mars tätig.
Judith Wiese

Die 49-Jährige war 20 Jahre lang für den US-Nahrungsmittelkonzern Mars tätig.

München Diversität ist schon lange eines der großen Themen von Judith Wiese, der neuen Siemens-Personalchefin. Um die strategischen Ziele zu erreichen, müsse ein Unternehmen inklusiv und divers sein, sagte sie einmal bei ihrem aktuellen Arbeitgeber DSM, einem niederländischen Lebensmittel- und Nahrungsergänzungsmittelhersteller. „Es ist wirklich wichtig, dass wir nicht alle gleich aussehen und dasselbe denken.“ Innovation erfordere eine starke Pipeline auch mit weiblichen Talenten.

Mit ihrem Wechsel zu Siemens kann sie diese Themen nun bei dem deutschen Technologiekonzern vorantreiben. Und zugleich hilft sie Siemens auch ein wenig bei seinem Diversitätsproblem im Vorstand. Denn im obersten Führungsgremium waren nach dem Abgang von Personalvorständin Janina Kugel und Energiechefin Lisa Davis die Männer zuletzt unter sich. Dabei hat sich der Aufsichtsrat für den Sommer 2022 als Zielgröße einen Frauenanteil von 25 Prozent im Vorstand gesetzt.

Doch Wiese gilt nicht nur bei den Diversitätsthemen, die auch Kugel bei Siemens stark vorangetrieben hatte, als Expertin. Bei den Arbeitsrechts- und Personalfachthemen habe sie womöglich fachlich noch tiefere Substanz als Kugel einst bei ihrer Ernennung, meint ein Personalberater, der bei Siemens gut vernetzt ist.

Allerdings hatte Kugel eine größere technologische Expertise, und sie kannte das Umfeld von Siemens – Externe tun sich bei dem recht politischen Konzern oft schwer. Man habe mit Wiese eine „international erfahrene Personalmanagerin“ gewonnen, sagte Siemens-Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe.

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    Denn die 49-jährige Deutsche hat praktisch ihr gesamtes Berufsleben im Ausland verbracht. Nach dem MBA-Studium mit Schwerpunkt Human Resources in Duisburg und Rotterdam arbeitete sie 19 Jahre für den Nahrungsmittelkonzern Mars, unter anderem in Wien, Brüssel und in McLean im US-Bundesstaat Virginia.

    Auge für Talente

    Von dort zog sie ins niederländische Limburg, wo sie seit knapp drei Jahren bei DSM als Chief Human Resources Officer aktiv ist. Wieses Kinder besuchen in Maastricht die internationale Eliteschule UWC, zu deren Absolventen auch der holländische König Willem-Alexander gehört.

    Als eigene Stärken sieht sie unter anderem die Fähigkeit, die Effektivität und Effizienz in Unternehmen voranzutreiben und Talente zu entwickeln. Bei ihrem Antritt als DSM-Personalchefin sagte sie: „Ich möchte ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Menschen viel Raum haben, sich zu entwickeln, und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag für das Unternehmen leisten. Dafür stehe ich morgens auf.“

    In Siemens-Aufsichtsratskreisen hieß es, Wiese habe bei der Präsentation einen guten Eindruck gemacht. Sie sei ruhig und souverän aufgetreten und bringe eine Menge HR-Erfahrung mit. Die Arbeitnehmervertreter hakten vor allem in Sachen Mitbestimmung nach – schließlich war Wiese in ihrem bisherigen Berufsleben ja stark amerikanisch geprägt.

    Bei der Besetzung des Arbeitsdirektors hat die bei Siemens mächtige IG Metall ein gewichtiges Wort mitzureden. Die mit viel Vorschusslorbeeren gestartete österreichische Ex-SPÖ-Politikerin Brigitte Ederer musste den Posten einst abgeben, als sie sich mit den Arbeitnehmervertretern überwarf. Das Zerwürfnis gilt im Siemens-Umfeld vielen Beteiligten noch immer als traumatische Erfahrung.

    Cedrik Neike wird Industrievorstand

    Mit der Berufung Wieses formt sich der künftige Siemens-Chef Roland Busch sein Team. Der Technologievorstand und Konzernvize übernimmt mit Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. Oktober, wenn Wiese anfängt, auch die Verantwortung für die Budgetplanung und spätestens Anfang Februar den Vorstandsvorsitz von Joe Kaeser.

    Wieses Ernennung sei „ein wichtiger Schritt zur Gestaltung des Führungsteams der neu aufgestellten und fokussierten Siemens AG“, sagte Aufsichtsratschef Snabe. Auch eine weitere Schlüsselposition ist geklärt: Industrievorstand wird nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen Cedrik Neike, der derzeit das Geschäftsfeld Smart Infrastructure führt.

    Busch hatte die Funktion des Arbeitsdirektors in den vergangenen Monaten zusätzlich übernommen. „Unter der Leitung von Frau Wiese wird Siemens die neuen Formen der Zusammenarbeit für das digitale Zeitalter konsequent weiterentwickeln und ausbauen“, sagte Snabe. Sie verfüge über „ausgeprägtes Know-how in der Gestaltung und Durchführung von strategischen Veränderungsprozessen“.

    Siemens spaltet sich derzeit auf. Die Energietechnik-Sparte, die für mehr als ein Drittel der Umsätze steht, kommt Ende September an die Börse. Die verbleibende Siemens AG konzentriert sich dann auf die Digitalgeschäfte.

    Daher rückt Neike in eine Schlüsselrolle. Er übernimmt laut Industriekreisen die Führung der Digitalen Industrien mit der Vorzeigesparte Digitale Fabrik, wenn Klaus Helmrich im kommenden Jahr die Altersgrenze von 63 Jahren erreicht.

    Mehr: Joe Kaeser und seine neue Rolle bei Siemens Energy

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    1 Kommentar zu "Judith Wiese: Expertin für Diversitätsthemen zieht in den Siemens-Vorstand ein"

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    • Wieso sind Gruppenidentitaeten, wie Rasse, Hautfarbe und Geschlecht, auf einmal wieder das Maß aller Dinge?

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