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UnternehmenChinesischer Hersteller CATL plant eigenen E-Auto-Akku für Europa

Europas Batteriepläne liegen in Trümmern. Marktführer CATL investiert Milliarden und setzt auf eine lokalspezifische Zelle – die vorerst aus China kommen dürfte.Lazar Backovic 09.09.2025 - 15:28 Uhr Artikel anhören
Das Werk von CATL in Arnstadt am Erfurter Kreuz: Der chinesische Akkuhersteller weitet seine Aktivitäten in Europa stark aus. Foto: CATL

München. Nach der Pleite des schwedischen Batterieherstellers Northvolt weitet der weltgrößte Akkuhersteller CATL aus China seine Aktivitäten in Europa massiv aus und passt seine Produktstrategie darauf an.

Vor Beginn der größten Mobilitätsshow Europas, der IAA in München, hat der Akkuhersteller am Sonntag seine neueste Zellgeneration „Shenxing Pro“ präsentiert. Sie wurde speziell für Europa entwickelt, kann in zwei Varianten ausgeliefert werden und wird in China so nicht verfügbar sein.

Technologisch basiert der Akku auf einer Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP), die Reichweiten von bis zu 758 Kilometern und Schnellladen selbst bei Temperaturen von minus 20 Grad Celsius bietet. LFP-Akkus gelten als vergleichsweise günstig, bislang schaffen Akkus mit der Technologie aber eher nur 300 bis 500 Kilometer. Im Winter flacht die Performance bei Batteriezellen grundsätzlich ab.

„Kunden in Europa haben andere Anforderungen und Erwartungen als in anderen Regionen der Welt“, sagt CATL-Europachef Matt Shen im Gespräch mit dem Handelsblatt. Da seien „höhere Geschwindigkeiten auf der Autobahn, aber auch längere Lebensdauern für Leasing- und Gebrauchtwagen“. All das sei in die Entwicklung eingeflossen.

CATL: Europa-Akku soll erstmal in China gebaut werden

Ob und wann die Batterie auf den Markt komme, hänge von der konkreten Kundennachfrage ab. Matt Shen will die IAA nutzen, um den Bedarf der wichtigsten europäischen Herstellern abzuklopfen – „danach entscheiden wir, wann und wo wir diese Batterie produzieren“.

Die Fertigung ist in China angedacht, perspektivisch sei aber auch eine Produktion in CATLs europäischen Werken möglich, sagt Matt Shen. „Wir können Prototypen in ein bis zwei Monaten bauen und sind bereit, die Produktion hier aufzunehmen.“

Während europäische Projekte wie die von Northvolt oder Cellforce gescheitert sind oder massiv zurückgefahren wurden, dominieren die Chinesen bereits heute den Weltmarkt in Sachen Batterietechnik. Laut Daten von SNE Research hält CATL einen Anteil von rund 38 Prozent, BYD kommt auf etwa 17 Prozent. Mit Technologien wie „Shenxing Pro” versuchen die Chinesen, die Lücke zu schließen, die andere Anbieter hinterlassen haben.

CATL in Europa: Bis zu 50 Prozent teurer als in China

Insgesamt plant das Unternehmen laut Matt Shen in den kommenden Jahren rund elf Milliarden Euro in seine drei Werke in Deutschland (Arnstadt), Ungarn (Debrecen) und Spanien (Zaragoza) zu investieren. Alle drei Standorte seien eng mit Aufträgen europäischer Kunden verknüpft. „Rund 90 Prozent der europäischen Autohersteller gehören zu unseren Kunden“, sagte Matt Shen.

In Arnstadt beschäftigt CATL derzeit rund 1700 Mitarbeiter und plant mit einer Fertigungskapazität von bis zu 14 Gigawattstunden. Das gilt als gering im Vergleich zu den anderen Batterieprojekten in Europa. Gefertigt werden in dem Werk in Thüringen Nickel-Mangan-Cobalt-Akkus – vor allem für Audi und Porsche, wie aus Industriekreisen zu hören ist.

In Ungarn arbeiten zurzeit 800 Menschen für CATL. In Kürze beginnt hier die nächste Bauphase. Perspektivisch soll die Mitarbeiterzahl in der Gigafactory auf 8000 bis 9000 steigen – zusammen mit der Produktionskapazität, die bis zu 100 Gigawattstunden erreichen soll.

CATL-Europachef Matt Shen: „Rund 90 Prozent der europäischen Autohersteller gehören zu unseren Kunden.“ Foto: CATL

In Spanien plant CATL gemeinsam mit der Opel-Mutter Stellantis eine Kapazität von bis zu 50 Gigawattstunden. Hier dürften vor allem LFP-Akkus für den Massenmarkt gefertigt werden. Zuletzt hieß es, das Batteriezellwerk soll Ende 2026 an den Start gehen. Matt Shen betont, man liege im Zeitplan.

Die Produktion in Europa sei zwar bis zu 50 Prozent teurer als in China, sagt Matt Shen. Und doch ist sie für CATL strategisch notwendig. Einerseits um näher am Kunden zu sein, und andererseits wegen geopolitischer Faktoren.

CATL-Europachef Matt Shen: Hohes Wachstumspotenzial in Europa

Die EU-Zölle auf chinesische Elektroautos von bis zu 45 Prozent machen eine Verlagerung der Zellproduktion nach Europa spätestens dann unvermeidlich, sobald immer mehr chinesische Autohersteller ihre Produktion dort ansiedeln.

Zudem steckt in dem Markt mehr Wachstumspotenzial. In China liege die Elektrifizierungsrate bei über 50 Prozent, in Europa erst bei rund 25 Prozent, sagt Matt Shen. „Das ist für uns eine große Chance.“ Er glaubt, dass der Trend zur Elektromobilität unumkehrbar ist – „vielleicht verläuft er etwas langsamer als erwartet, aber er wird nie zurückgedreht“.

Neben verschiedenen neuen Zellchemien wie Natrium-Ionen („Naxtra“) setzt CATL in Europa auch auf Kreislaufwirtschaft. „Unsere Recycling-Technologie ist marktreif: Wir erreichen über 99 Prozent Rückgewinnung bei Nickel und Kobalt, 94 Prozent bei Lithium.“ Matt Shen bestätigt, dass der Konzern derzeit Standorte und Partner sondiert, um ein lokales Recyclingnetz aufzubauen. In China kooperiert der Batterieriese in dem Bereich bereits mit VW.

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Eine neue EU-Batterieverordnung spricht für eine Expansion des Geschäfts nach Europa. Diese schreibt verbindliche Recyclingquoten vor und zwingt die Autohersteller dazu, gebrauchte Akkus wieder in den Kreislauf zurückzuführen.

Neben dem klassischen Laden treibt CATL auch die Idee von Wechselbatterien voran. In China hat der Konzern mit seiner Tochterfirma bereits ein dichtes Netz aufgebaut. „Wir betreiben dort 400 Wechselstationen – im Laufe der nächsten Jahren sollen es mehr als 10.000 sein“, sagte Matt Shen.

Das System funktioniert ähnlich wie eine Tankstelle: Statt zu laden, tauschen Autofahrer die leere Batterie gegen eine vollgeladene. Der Vorgang dauert nur wenige Minuten. Auch für Europa sei die Technologie grundsätzlich bereit, sagt Matt Shen. „Aber für Europa brauchen wir Standards, sonst funktioniert es nicht.“

Um das Problem zu umgehen, arbeitet CATL in China testweise mit einem Mietwagenunternehmen zusammen. Dieses soll nach und nach eine bestimmte Anzahl von Fahrzeugen mit identischen Batteriesystemen in seine Flotte aufnehmen, die dann an von CATL produzierten Wechselstationen aufgeladen werden können. Etwa wenn sie nach der Vermietung zurückgegeben werden.

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Bislang setzt jeder Autobauer auf unterschiedliche Standards bei der Batterie, oft variieren die Akkusysteme sogar von Baureihe zu Baureihe. Das macht eine Skalierung schwierig. Bislang setzen die europäischen Hersteller eher auf den Ausbau von Schnellladenetzen.

Erstpublikation: 07.09.2025, 14:49 Uhr.

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