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Verzicht auf die Mehrwertsteuer Kaufprämie für Diesel und Benziner kommt doch – aber als Rabattaktion

Die Bundesregierung hat sich gegen eine Kaufprämie entschieden. Nun kommt sie doch – aber nicht vom Steuerzahler. VW und Renault preschen vor, weitere Anbieter dürften folgen.
24.06.2020 - 14:09 Uhr 1 Kommentar
Golf-Produktion in Wolfsburg: Der Betrieb ist bei Volkswagen zwar wieder angelaufen, doch die Nachfrage will nicht recht anspringen – wie auch bei anderen Autoherstellern. Quelle: Reuters
Bei Volkswagen fehlen Kunden

Golf-Produktion in Wolfsburg: Der Betrieb ist bei Volkswagen zwar wieder angelaufen, doch die Nachfrage will nicht recht anspringen – wie auch bei anderen Autoherstellern.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Hildegard Müller war enttäuscht, auch wochenlange Lobbyarbeit hatte nicht gefruchtet. Sie bedauere, dass „die Vorschläge der Automobilindustrie für einen breit angelegten und unmittelbar wirksamen Konjunkturimpuls nur zum Teil aufgenommen wurden“, sagte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) Anfang Juni. Im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets hatte die Bundesregierung nur spezielle Kaufprämien für Elektroautos beschlossen, nicht aber für Autos mit Benzin- und Dieselantrieb.

Über Monate hatte die Autobranche vom Staat eine neue Kaufprämie für klassische Verbrennermodelle gefordert: ohne Erfolg. Doch plötzlich zeigen die Autohersteller, dass es auch ohne den Staat und dessen Unterstützung geht. Autokäufer müssen etwa bei Volkswagen und Renault vom 1. Juli an für den Rest des Sommers keine Mehrwertsteuer zahlen. Die Kaufprämie kommt also doch – jetzt bloß ohne Staat und auf eigene Kosten der Hersteller.

Vorbild für den Vorstoß der Autobranche war die Verschrottungsprämie aus der Zeit der Finanzkrise vor gut zehn Jahren. Damals gab es eine Prämie von 5000 Euro für jeden Kunden, der sein altes Auto zum Händler brachte und gegen einen Neuwagen tauschte. Mehrere Hunderttausend Autos wurden dadurch zusätzlich in Deutschland verkauft.

Wenn die Autohersteller ihren Kunden jetzt die komplette Mehrwertsteuer abnehmen, kommen Beträge in vergleichbarer Höhe zustande. Wegen des Konjunkturpakets gilt vom 1. Juli an der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent. Bei einem angenommenen durchschnittlichen Bruttopreis von 35.000 Euro für ein neues Auto spart jeder Käufer mehr als 5000 Euro an Steuern.

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    Das Konjunkturpaket der Regierung sei zwar grundsätzlich eine gute Sache, sagt Holger Santel, Vertriebs- und Marketingchef von VW für den deutschen Markt. Das Paket helfe vielen Menschen in der Krise und könne auch die Verbraucherstimmung positiv beeinflussen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. „Wir wollen aber mehr für unsere Kunden tun. Gemeinsam mit unseren Händlern schenken wir ihnen deshalb 16 Prozent Mehrwertsteuer“, betont der VW-Vertriebsmanager.

    Viele Werke sind nicht ausgelastet

    Volkswagen trifft eine solche Entscheidung nicht nur, um vielen Menschen den Kauf eines neuen Autos zu erleichtern, sondern auch aus Eigennutz. Nach der Corona-bedingten Zwangspause im Frühjahr laufen die Bänder zwar in allen Volkswagen-Fabriken wieder, doch noch reichen die Stückzahlen nicht für die Vollauslastung. Zwischendurch gibt es immer wieder einmal produktionsfreie Tage, an einen Drei-Schicht-Betrieb überall ist nicht zu denken.

    Volkswagen macht keine Angaben dazu, was der Mehrwertsteuerverzicht auf dem deutschen Markt kosten wird. Doch Branchenexperten schätzen, dass der Wolfsburger Konzern dafür einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag aufbringen muss.

    In jedem Monat verkauft die Marke Volkswagen in Deutschland durchschnittlich mehr als 50.000 Neuwagen. Beim erwähnten Durchschnittspreis von 35.000 Euro und 16 Prozent Mehrwertsteuer würde auf Volkswagen pro Monat ein Betrag von mehr als 250 Millionen Euro zukommen, den sich der Hersteller allerdings mit seinen Händlern teilen will.

    Die Sonderaktion von Volkswagen ist zunächst auf drei Monate bis Ende September befristet – und gilt nicht für die Elektromodelle e-up und ID.3. Der VW-Konzern nimmt das Geld ganz bewusst in die Hand, um mit einem solchen Impuls die Fabriken wieder vollständig zum Laufen zu bekommen.

    Anfang Mai hatte Volkswagen bereits ein kleineres Programm mit einem Volumen von etwa 80 Millionen Euro zur Nachfragebelebung aufgelegt, das aber offensichtlich nicht den erwünschten Effekt erzielt hat. „Es herrschte schnell Einigkeit darüber, dass wir dieses neue Programm einrichten mussten“, sagt ein Wolfsburger Konzerninsider.

    Auch die VW-Händler ziehen mit und tragen die eine Hälfte des Mehrwertsteuergeschenks für die Kunden. Nicht nur die Hersteller haben die Coronakrise zu spüren bekommen, sondern auch bei den meist mittelständischen Handelsbetrieben stehen im Moment viele unverkäufliche Neuwagen auf Parkplätzen und Hinterhöfen. Die Händler hoffen genauso darauf, dass die Nachfrage nach neuen Autos mit hohen Nachlässen in den nächsten Wochen wieder angekurbelt werden kann.

    Auch Renault gibt Rabatt

    „Jedes Fahrzeug, das beim Handel steht und nicht zugelassen werden kann, bindet Kapital, das für die Händler aktuell besonders wichtig für das wirtschaftliche Überleben ist“, sagt Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und selbst VW-Händler aus dem Großraum Frankfurt.

    Der Autohandel stehe vor einem „extrem herausfordernden zweiten Halbjahr“. Die Politik habe sich zu viel Zeit genommen bei ihrer Entscheidung über mögliche Kaufprämien für Autos. Potenzielle Käufer hätten den Beschluss der Bundesregierung abgewartet, was zu einem zusätzlichen Nachfragestau geführt habe.

    Volkswagen ist Marktführer in Deutschland. Entscheidungen der Wolfsburger haben maßgeblichen Einfluss auf die gesamte Branche. Mit dem zu Wochenbeginn verkündeten Mehrwertsteuerverzicht waren die Niedersachsen allerdings nicht die Schnellsten. Auch bei anderen Autoherstellern lassen die Verkaufszahlen derzeit noch zu wünschen übrig und führen zu schwächer ausgelasteten Fabriken – wie etwa in Frankreich.

    Renault hatte den Mehrwertsteuerverzicht für den deutschen Markt schon Mitte des Monats verkündet. „Die staatlich beschlossene Reduzierung der Mehrwertsteuer setzt einen positiven Impuls für die Autobranche. Renault geht jetzt deutlich weiter“, sagte Uwe Hochgeschurtz, Deutschlandchef des französischen Autoherstellers.

    Die Franzosen hatten den Mehrwertsteuerverzicht für den deutschen Markt schon Mitte des Monats verkündet.
    Werbung auf der Renaut-Webseite

    Die Franzosen hatten den Mehrwertsteuerverzicht für den deutschen Markt schon Mitte des Monats verkündet.

    Genauso wie Volkswagen will auch Renault mit seinem Förderprogramm den Verkauf konventioneller Benzin- und Dieselmodelle ankurbeln. Eine großzügige staatliche Förderung gibt es in Deutschland nur für vollelektrische Modelle und Plug-in-Hybride. Konventionellen Modellen bleibt die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent.

    Auch andere Hersteller packen das Füllhorn aus, um die Nachfrage anzuschieben: Hyundai Deutschland verzichtet zwar nicht auf die Mehrwertsteuer, hat aber äußerst hohe Nachlässe eingeführt. Bei einzelnen Modellen gibt es bis zu 10.000 Euro vom koreanischen Hersteller dazu, was letztlich einem Verzicht auf die Mehrwertsteuer gleichkommt.

    Da der Marktführer Volkswagen jetzt das Steuergeschenk zum 1. Juli einführt, wird der Druck auf die gesamte Branche so groß, dass wahrscheinlich andere Hersteller bald nachziehen werden. „Das ist wohl nur eine Frage von Tagen“, sagt ein Branchenkenner.

    Opel wäre ein solcher Kandidat. Der Rüsselsheimer Autohersteller hatte einen Mehrwertsteuerverzicht bereits Anfang Juni verkündet – allerdings nur für den laufenden Monat und nicht für den ganzen Sommer. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss Opel sein Förderprogramm jetzt wahrscheinlich verlängern.

    Mehr: Das sind die Aktien-Profiteure des Corona-Konjunkturpakets.

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    1 Kommentar zu "Verzicht auf die Mehrwertsteuer: Kaufprämie für Diesel und Benziner kommt doch – aber als Rabattaktion"

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    • Da fehlt ein Überblick zur aktuellen Rabatt-Situation. Wenn einzelne Marken sogar hohe zweistellige Prozente geben, sind sowohl eine Prämie als auch der werbewirksame MWST-Erlass leicht ganz oder teilweise einzupreisen.

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