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Volkswagen Vergleich zum Schadensersatz von Managern im VW-Dieselskandal steht, Aufsichtsratschef Pötsch verlängert

Die Haftpflicht-Versicherer zahlen für Verfehlungen von VW-Managern im Dieselskandal. Hans Dieter Pötsch will sich auf der Hauptversammlung Mitte Juli erneut berufen lassen.
05.06.2021 Update: 06.06.2021 - 14:15 Uhr Kommentieren
VW verlangt vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Winterkorn und dem damaligen Audi-Chef Stadler Schadensersatz. Quelle: dpa
Martin Winterkorn (r.) und Rupert Stadler

VW verlangt vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Winterkorn und dem damaligen Audi-Chef Stadler Schadensersatz.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die offizielle Stellungnahme von Volkswagen zur Einigung im Ringen um Schadensersatz für Verfehlungen von Konzernmanagern im Dieselskandal ist kurz und knapp: „Der Aufsichtsrat hat in seiner gestrigen Sitzung die wesentlichen Konditionen der Vergleiche beschlossen“, teilte ein Konzernsprecher am Sonntagmittag mit. „Die Vereinbarungen sollen in den kommenden Tagen abgeschlossen werden.“

Tatsächlich dürfte dahinter die wohl höchste Summe stehen, die Versicherer in Deutschland je für Pflichtverletzungen von Managern zahlten. Mit einer Summe von mutmaßlich zwischen 200 und 300 Millionen Euro soll eine Gruppe von Versicherern um die Zurich im Dieselskandal in die Bresche springen. Dieser Rahmen war bereits vor einigen Tagen durchgesickert.

Weder Volkswagen noch die Versicherer wollten dies auf Nachfrage kommentieren. Bei den mehr als zehn Assekuranzen, unter denen auch die Allianz ist, hatte Volkswagen für seine Führungskräfte eine Managerhaftpflichtversicherung über 500 Millionen Euro abgeschlossen.

Die Einigung mit den Versicherern war laut Recherchen des Handelsblatts der letzte offene und gleichzeitig auch gewichtigste Part im Ringen um Schadensersatzzahlungen. Um die Details wird bis zuletzt gerungen: Laut Insiderkreisen wird der finale Abschluss erst für Dienstag oder Mittwoch erwartet.

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    Im Verlauf der vergangenen Woche war bereits bekannt geworden, dass der langjährige VW-Vorstandschef Martin Winterkorn sich bereit erklärt hat, persönlich elf Millionen Euro zu zahlen. Auch fünf weitere Manager sollen demnach mit Millionensummen zur Kasse gebeten werden.

    Forderungen an Winterkorn, Stadler und andere Ex-Vorstände

    Ende März hatte der VW-Aufsichtsrat beschlossen, von Winterkorn, dem früheren Audi-Chef Rupert Stadler sowie vier weiteren Ex-Vorständen Schadensersatz wegen der Verletzung aktienrechtlicher Sorgfaltspflichten zu fordern. Der Konzern stützte sich bei den Regressforderungen auf ein Gutachten der Kanzlei Gleiss Lutz. Die Sozietät war zu dem Ergebnis gekommen, dass der damalige CEO Winterkorn es ab dem 27. Juli 2015 unterlassen habe, die Hintergründe des Einsatzes unzulässiger Softwarefunktionen in Dieselmotoren unverzüglich und umfassend aufzuklären.

    Auch beim Ex-Audi-Chef Stadler sowie den früheren Audi-Entwicklungsvorständen Ulrich Hackenberg und Stefan Knirsch sowie Ex-Porsche-Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz und Heinz-Jakob Neußer, dem Ex-Entwicklungsvorstand von Volkswagen, stellten die Anwälte Pflichtverletzungen fest. Die Versicherer gehen offensichtlich ebenso lediglich von fahrlässigen Pflichtverletzungen der Manager aus.

    Alle betroffenen Vorstände haben Pflichtverletzungen bis heute stets zurückgewiesen. Gegen alle sechs liegen unterdessen bereits Anklagen vor, gegen Stadler und Hatz läuft derzeit vor dem Landgericht München der Prozess.

    Sollten Strafgerichte am Ende zur Überzeugung kommen, dass die VW-Manager ihre Pflichten vorsätzlich verletzt haben, und sie wegen Betrugs verurteilen, hätten die Versicherer wohl nichts bezahlen müssen. Gehen die Gerichte dagegen von der Unschuld von Winterkorn und Co. aus, hätte es für die Versicherer noch weit teurer werden können.

    Für Volkswagen ist mit dem Beschluss des Aufsichtsrats der Weg frei zu einem endgültigen Abschluss des Schadensersatzpakets. Nun muss Mitte Juli noch die Hauptversammlung den Vergleich absegnen. Die Zustimmung dort gilt als sicher.

    Pötsch genießt Vertrauen der Aktionärsgruppen

    Ebenfalls als sicher gilt dort auch die Bestätigung von Hans Dieter Pötsch als Aufsichtsratsvorsitzendem. Pötsch will sich für fünf weitere Jahre zum Chef des Kontrollgremiums berufen lassen. Auch hierüber fasste der VW-Aufsichtsrat am Samstag einen Beschluss.

    Die erneute Kandidatur Pötschs ist im Wolfsburger Autokonzern allgemein erwartet worden. Der frühere VW-Finanzvorstand genießt das Vertrauen aller wichtigen Aktionärsgruppen. Der Konzernaufsichtsrat hat am Samstag außerdem Louise Kiesling, 63, ebenfalls für weitere fünf Jahre als Vertreterin der Eigentümerfamilie Porsche-Piëch für das oberste Kontrollgremium vorgeschlagen. Wegen der Mehrheitsverhältnisse ist die Bestätigung in der Hauptversammlung wie bei Pötsch nur noch Formsache.

    Bei Volkswagen drohen immer wieder Konflikte. Vor allem zwischen dem Vorstand und dem mächtigen Betriebsrat gibt es regelmäßig Probleme. In dieser entzündlichen Atmosphäre ist Hans Dieter Pötsch für viele in Wolfsburg der entscheidende ruhende Pol. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die erhitzten Gemüter zusammenzuführen und den Boden für Kompromisse und Lösungen zu bereiten.

    Hans Dieter Pötsch auf der letzten VW-Hauptversammlung vor Corona mit Aktionärspräsenz: Der frühere Volkswagen-Finanzvorstand lässt sich ein zweites Mal zum Aufsichtsratschef wählen. Quelle: Bloomberg
    Hans Dieter Pötsch verlängert

    Hans Dieter Pötsch auf der letzten VW-Hauptversammlung vor Corona mit Aktionärspräsenz: Der frühere Volkswagen-Finanzvorstand lässt sich ein zweites Mal zum Aufsichtsratschef wählen.

    (Foto: Bloomberg)

    Die Eigentümerfamilie hatte den 70-jährigen Oberösterreicher vor gut fünf Jahren ins Amt geholt, er ist ihre wichtigste Stütze. Aber nicht nur: Auch das Land Niedersachsen und der Wüstenstaat Katar, die beiden anderen wichtigen Anteilseigner von Volkswagen, wollen nicht auf Pötschs Dienste verzichten, wenn seine Amtszeit mit der nächsten Hauptversammlung regulär endet. „Wenn er bereit ist, dann werden ihn die größten Aktionäre im Amt bestätigen“, hieß es schon im März in Wolfsburg.

    „Dieselgate“ brachte Pötsch an die Aufsichtsratsspitze

    „Ich schätze an Herrn Pötsch seine Erfahrung, seinen Pragmatismus und seine Unaufgeregtheit“, sagte damals Familiensprecher Wolfgang Porsche dem Handelsblatt. Pötsch sei ein ehrlicher Makler der unterschiedlichen Interessen des Volkswagen-Konzerns. „Ihm geht es grundsätzlich um die Sache, nicht um die eigene Person.“

    „Die Kompetenz und die Integrationsfähigkeit von Herrn Pötsch haben einen wichtigen Anteil daran, dass der Konzern viele Probleme gemeistert hat und sich auf einem guten Kurs befindet“, lobte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

    Vor fünf Jahren war es für viele undenkbar, dass Pötsch eine weitere Amtszeit gewährt würde. An die Spitze des Aufsichtsrats hatte ihn ausgerechnet die Affäre um manipulierte Abgaswerte von Dieselautos gebracht, die den Konzern bisher mehr als 30 Milliarden Euro gekostet hat und die die gesamte Autobranche im Herbst 2015 erschütterte.

    Dem langjährigen VW-Finanzvorstand Pötsch hatten Staatsanwaltschaft und Investoren damals den Verdacht zugeschrieben, dass er den Anlegern zu lange das Milliardenrisiko „Dieselgate“ verschwiegen haben könnte. Er sei so lange an entscheidender Position im Konzern gewesen, dass er etwas von den Vertuschungen hätte mitbekommen müssen, so der Verdacht. Pötsch gehörte zum erweiterten Kreis der Vertrauten um das langjährige Führungsduo Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch.

    Trotz des Wissens um das Risiko einer Anklage hatten sich die Großaktionäre im Herbst 2015 durchgesetzt und Pötsch zum Aufsichtsratschef berufen. Über den Widerstand von Kleinanlegern setzten sie sich ebenso hinweg wie über den Kodex für eine saubere Unternehmensführung, die Corporate Governance. Sie sieht einen direkten Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat nicht vor, sondern verlangt eine zweijährige Pause, eine Abkühlphase.

    Im Fall Volkswagen habe es damals aber eine schnelle Lösung gebraucht, erläuterte ein Aufsichtsrat. Pötsch genoss nicht nur das Vertrauen der Großaktionäre. Auch der Betriebsrat und das Management gaben Pötsch den nötigen Rückhalt. „Er genießt bei Anteilseignern wie Arbeitnehmern eine hohe Anerkennung“, sagte Jörg Hofmann, Chef der IG Metall und sein Stellvertreter im VW-Aufsichtsrat.

    Pötschs integrative Rolle „war und ist für die Führung des Konzerns im schwierigen Umfeld enorm wichtig“. Pötsch sollte nach dem Bekanntwerden der Abgasaffäre für Stabilität sorgen. Niemand war sich damals sicher, ob der Konzern den Skandal überhaupt überleben würde.

    Inzwischen haben sich die Gemüter in Sachen Dieselgate beruhigt. Auch weil die Staatsanwaltschaft Braunschweig ihre Ermittlungen gegen Pötsch gegen eine Geldauflage im vergangenen Jahr eingestellt hat. 4,5 Millionen Euro aus der VW-Kasse flossen dafür an den Staat, Pötsch musste die Geldauflage nicht selbst zahlen. Es ist ein Freispruch zweiter Klasse, das Risiko einer Anklage war damit aber vom Tisch. Auch dadurch ist der Weg für eine zweite Amtszeit von Pötsch als VW-Aufsichtsratschef frei geworden.

    Mehr: Volkswagens heimlicher Lenker: Hans Dieter Pötsch steht vor zweiter Amtszeit

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