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Venture-Capital Unternehmerin Tijen Onaran plant einen Risikokapital-Fonds für Frauen

Tijen Onaran will mehr Frauen in die Venture-Capital-Szene bringen. Beim Bio-Babynahrungsspezialisten Pumpkin Organics ist sie bereits eingestiegen.
30.11.2020 - 12:23 Uhr Kommentieren
Die Unternehmerin will sich mit ihrem Fonds an von Frauen gegründeten Start-ups beteiligen. Quelle: imago/Mauersberger
Tijen Onaran

Die Unternehmerin will sich mit ihrem Fonds an von Frauen gegründeten Start-ups beteiligen.

(Foto: imago/Mauersberger)

München Die deutsche Start-up-Szene ist noch immer stark männerdominiert. Sowohl unter den Gründern als auch den Finanziers sind Frauen in der Minderheit. Die Diversity- und Vermarktungsspezialistin Tijen Onaran will das ändern.

„Ich will verstärkt in Start-ups investieren und im nächsten Jahr einen Fonds auflegen“, sagt die Unternehmerin dem Handelsblatt. Ein erstes privates Investment hat sie mit dem Einstieg bei dem Bio-Babynahrungshersteller Pumpkin Organics bereits getätigt.

Laut Deutschem Start-up Monitor (DSM) lag der Frauenanteil unter den Gründen zuletzt bei 15,9 Prozent. „Daran müssen wir schleunigst etwas ändern“, sagte Gesa Miczaika, Mitgründerin von Auxxo und geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Start-up-Verbands. Zum Vergleich: Bei den allgemeinen Existenzgründungen in Deutschland sind es deutlich mehr, nämlich 36 Prozent.

Vorbilder müssten besser sichtbar gemacht und die Vereinbarkeit von Familie und Gründung müsste verbessert werden, fordert Miczaika. Und es müssten auch mehr Frauen in den Investmentbereich geholt werden.

Nach Onarans Einschätzung ist es aber auch ein Problem, dass es noch zu wenige Frauennetzwerke in der Investoren-Szene gibt. Sie will sich mit ihrem Fonds an von Frauen gegründeten Start-ups beteiligen. Diese seien oft nachhaltiger orientiert - und deshalb langfristig auch als Investment attraktiver.

Gründerinnen fehlen die Vorbilder

Den Kontakt zu Pumpkin Organics hatte Ann-Kristin Achleitner hergestellt, Professorin am Lehrstuhl für Entrepreneurial Finance an der TU München und sehr aktiv in der Venture-Capital-Szene. Pumpkin Organics schaffte es zudem in die Schlussrunde des Digital Female Leader Awards, den Onarans Global Digital Women GmbH (GDW) seit drei Jahren ausschreibt.

Die Netzwerkorganisation GDW mit inzwischen siebenstelligen Umsätzen verbindet mehr als 30.000 Frauen aus der Digitalbranche, berät Firmen auf dem Weg zu mehr Diversität und versteht sich selbst als „Deutschlands führendes Diversity-Unternehmen“.

Mit ihren Bio-Breis hat es Schnau bereits in Ketten wie dm geschafft, der Umsatz dürfte laut Branchenschätzungen im siebenstelligen Bereich liegen. Quelle:  Pumpkin Organics
Tijen Onaran (l.) und Pumpkin-Gründerin Jaclyn Schnau

Mit ihren Bio-Breis hat es Schnau bereits in Ketten wie dm geschafft, der Umsatz dürfte laut Branchenschätzungen im siebenstelligen Bereich liegen.

(Foto:  Pumpkin Organics)

Als sie sich selbstständig gemacht habe, sagt die türkischstämmige Onaran, seien ihre Eltern erst einmal geschockt gewesen. Weibliche Gründerinnen seien noch immer etwas Ungewöhnliches, es fehlten die Vorbilder und die Netzwerke, die sie auffangen. „Ich musste mir alles selbst erarbeiten.“

Sie wolle nun Gründerinnen Zugänge eröffnen, über den geplanten Fonds Risikokapital geben und in einer Business-Angel-Rolle den Unternehmen vor allem bei der Vermarktung helfen. Schließlich lautet ihr Mantra: „Nur wer sichtbar ist, findet auch statt“, so auch der Titel ihres aktuellen Ratgeberbuchs. Daneben tritt sie unter anderem als Rednerin, Moderatorin und Podcasterin auf.

In der Venture-Capital-Szene sind weibliche Business-Angels noch die Ausnahme. „Wir beobachten auch, dass Frauen unter den Investoren noch klar in der Minderheit sind“, sagt Carsten Rudolph, Geschäftsführer des Investorennetzwerks BayStartup. Dies sei auch ein nachgelagertes Phänomen: Der Anteil der Gründerinnen sei immer noch, gerade im Technologiebereich, gering.

In der Venture-Capital-Szene spielten aber inzwischen Gründer als Business-Angel zunehmend eine wichtige Rolle, die ihr eigenes Unternehmen erfolgreich verkauft haben und nun in junge Start-ups investierten. Je mehr Frauen erfolgreich gründen, desto mehr Investorinnen werde es mit zehn bis 15 Jahren Verzögerung auch geben.

Kalkül: Mit der Diversität steige auch die Nachhaltigkeit der Investments

Saskia Becker, Geschäftsführerin beim Frühphasen-Investor Yabeo, ist überzeugt davon, dass sich schon an den Universitäten etwas ändern muss. „Es sollten viel mehr Abiturientinnen und Studienanfängerinnen für Technologie- und Finanz-Studiengänge begeistert werden.“

Im Investment-Team von Yabeo gebe es genauso viele Frauen wie Männer. Das sei eine Stärke. „Diversität bringt unterschiedliche Perspektiven gerade auch in Diskussionen zu potenziellen Investments und Investmententscheidungen in die Diskussion.“

Vielleicht wird auch Jaclyn Schnau eines Tages in die Rolle eines Business-Angels schlüpfen. Die Kanadierin hat vor vier Jahren mit ihrem Mann Pumpkin Organics gegründet. Was ein Kind in den ersten 1.000 Tagen seines Lebens esse, bestimme sein Verhältnis zum Essen für das ganze Leben, sagt die Unternehmerin. „Der Zuckerkonsum ist angelernt.“ Die meisten Babynahrungsmittel seien zu süß.

Beim Bekanntheitsgrad von Pumpkin Organics soll die neue Gesellschafterin und Vermarktungsspezialistin Onaran helfen. Die Investorin hatte in Heidelberg Politik und Geschichte studiert und unter anderem vier Jahre lang das Büro der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin geleitet. Später gründete sie mit der Journalistin Natascha Zeljko das Online-Magazin „FemaleOneZero“.

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Mit ihren Bio-Breis hat es Schnau bereits in Ketten wie dm geschafft, der Umsatz dürfte laut Branchenschätzungen im siebenstelligen Bereich liegen. Auch beim Marktführer Hipp spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle. Kürzlich hat die Gruppe das Sortiment „Bio für Kinder“ auf den Markt gebracht mit Produkten vom Quetschbeutel mit Obst und Gemüse bis zu Schalenmenüs mit Pasta-Gerichten.

Mit der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit liegt Pumpkin Organics im Trend

Die Hersteller von Babynahrung erzielen in Deutschland laut Statista knapp eine halbe Milliarde Euro Umsatz im Jahr. Der Bio-Anteil liegt laut Branchenschätzungen bei 40 Prozent - und damit deutlich höher als bei anderen Lebensmitteln.

Mit der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit liegt Pumpkin Organics ohnehin im Trend. Laut Start-up Monitor ordnen sich 43 Prozent der jungen Unternehmen der „Green Economy“ zu, ein Anstieg von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.

„Immer mehr Start-ups wollen mit ihrem Business gezielt einen Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz leisten und gesellschaftliche Probleme lösen“, sagte PwC-Experte Florian Nöll. Das habe durchaus auch wirtschaftliche Gründe, die Nachfrage nach grünen Produkten steige stetig.

Pumpkin Organics setzt neben Bio unter anderem auf eine große Zutatenvielfalt. Herkömmliche Babynahrung setze meist nur auf wenige, günstige und einfach verfügbare Grundzutaten. Der Geschmackssinn werde aber schon von Kindesbeinen an trainiert.

Das Start-up hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, so Schnau. „Wir wollen in Deutschland die Nummer zwei nach Hipp werden.“

Dazu bereitet das junge Unternehmen gerade eine Serie-A-Finanzierungsrunde vor. „Wir suchen Impact-Investoren, denen es auch um die gesellschaftliche Wirkung geht“, sagt Schnau. Und da seien Investorinnen besonders willkommen. „Frauen verstehen, wie es ist, eine Gründerin zu sein.“

Mehr: Diese zehn Start-ups sind besonders nachhaltig.

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