Modernisierung: Die deutschen Messen gehen die überfällige Modernisierung an
Moderne Architektur soll Gäste locken.
Foto: Messe BerlinDüsseldorf. Sie ist so groß wie fünf Fußballfelder – die kürzlich eröffnete neue Halle 12 der Frankfurter Messe. Stolze 250 Millionen Euro kostete der moderne Transparentbau, der innerhalb von zwei Jahren planmäßig fertig wurde. Die Automechanika mit 133 .000 Besuchern war die erfolgreiche Bewährungsprobe.
50 Kilometer Kabel für moderne Gebäudetechnik wurden verbaut. Ein riesiges Solardach erzeugt den Strom. Um die anderen Hallen zu erreichen, können Besucher nun die gläserne klimatisierte „Via Mobile“ nutzen. Über drei Kilometer Laufbänder und Rolltreppen gelangen die jährlich rund zwei Millionen Messebesucher nun bequem überall hin.
Die Halle 12 ist nur ein Baustein im Masterplan zur Modernisierung des Frankfurter Messegeländes. „Insgesamt werden wir rund eine Milliarde Euro investiert haben“, sagt Uwe Behm, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Sie ist mit zuletzt rund 670 Millionen Euro Umsatz Deutschlands größte Messegesellschaft.
Das Erfreuliche: Die Messe Frankfurt kommt dabei ohne Subventionen aus. Sie finanziert sämtliche Bau- und Infrastrukturmaßnahmen selbst – aus dem laufenden Geschäft, wie Behm betont.
Frankfurt ist längst nicht die einzige deutsche Messemetropole im Baufieber: Von Köln über München, Düsseldorf bis Berlin rüsten die Gesellschaften baulich und technisch mächtig auf. Das ist auch überfällig. Denn viele Messegelände sind in den 60er- und 70er-Jahren entstanden oder damals zuletzt erweitert worden.
Nun sei eine Grundsanierung fällig, konstatiert Peter Neven, Hauptgeschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft Auma. So gelten bei Wärmedämmung, Energie- und Klimatechnik inzwischen ganz andere Maßstäbe. „Die Investitionen sind zwar enorm, aber sehr sinnvoll“, sagt Neven. „Denn Aussteller erwarten nicht nur qualitativ hochwertige Veranstaltungen, sondern stellen auch hohe Ansprüche an die Infrastruktur.“
Deutschland ist zwar historisch gesehen das Mutterland der Messen und veranstaltet viele wichtige Leitmessen der Industrie. „Um an der Spitze zu bleiben, muss das Messegelände aber stetig verbessert werden“, weiß nicht nur Behm aus Frankfurt. Denn die lange belächelte Messekonkurrenz im Ausland wird immer stärker.
China punktet mit Architektur und Ausstattung
„In vielen Ländern, vor allem in Ostasien, ist in den letzten zwei Jahrzehnten eine Reihe komplett neuer Messegelände mit einheitlich hohem Standard entstanden“, konstatiert Neven vom Auma. Auch die deutschen Messen machen immer mehr Geschäft mit Ablegern ihrer Leitmessen rund um die Welt. Die Messe Frankfurt erzielt bereits fast 40 Prozent ihres Umsatzes im Ausland.
Viele der Messe- und Kongresshallen etwa in China können mit ansprechender Architektur und moderner digitaler Ausstattung punkten. „Ein einfacher Zugang zu Onlinenetzen, schnelle und interaktive Nutzung digitaler Services – das werden in Zukunft erfolgskritische Aspekte des Messebesuchs sein“, sagt Gerald Böse, Chef der Koelnmesse.
„Diese werden die Qualität eines Messegeländes in der Wahrnehmung der Aussteller und Besucher entscheidend bestimmen.“ Köln will deshalb bis 2030 mehr als 600 Millionen Euro in Gebäude und digitale Infrastruktur investieren.
„Die Erfolgsmessen von morgen sind flexibler, effizienter, begeisternder“, so Böse. Die neue Kölner Halle 1plus wird mit ihren 10.000 Quadratmetern als reine Kongresshalle wie auch als Ausstellungshalle zu nutzen sein. Hinzu kommt das Confex, das als Messe-, Kongress- und Eventhalle zugleich neuen Formaten Raum bietet.
Durch beide Neubauten soll zusätzliches Geschäft auch in Slots außerhalb der traditionell starken Messezeiten nach Köln geholt werden.
„Die Anforderungen des Marktes an Veranstaltungshallen haben sich massiv verändert“, konstatiert Christian Göke, Chef der Messe Berlin. Waren früher Messen und Kongresse klar voneinander getrennt, so haben sich die Formate stark angenähert. „Moderne Messehallen müssen heute multifunktional sein“, sagt Göke.
So wie der Berliner City Cube, in dem neben Messen und Großkongressen auch Hauptversammlungen etwa von Daimler oder Volkswagen stattfinden.
Gebaut wird in Berlin aktuell auch am Hub27, ein Hybrid aus Ausstellungshalle und Konferenzzentrum. Den Hub27 wird die Internationale Funkausstellung (IFA) im nächsten Jahr als erste Messe nutzen. Mit attraktiver Architektur lassen sich vielleicht auch wieder mehr Besucher zur IFA locken.