
Wochenend-Newsletter: Wollen Sie für diesen Newsletter wirklich Ihr Digital Detox unterbrechen? Das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin,
lieber Leser,
eigentlich sollten Sie diesen Artikel nicht lesen. Zumindest, wenn Sie sich auf Social Media rumtreiben. Dann sollten Sie sich jetzt im „Digital Detox“ befinden. So interpretiere ich zumindest die zahlreichen Ankündigungen von Menschen auf LinkedIn in den vergangenen Tagen, die mir neben einem großen Selfie von sich mitgeteilt haben, jetzt aber WIRKLICH NICHT erreichbar zu sein bis ins neue Jahr.
Ich habe dann kurz immer Angst, dass diese Menschen im neuen Jahr direkt noch ein Buch rausbringen, was sie in diesem Detox über sich und das Leben generell gelernt haben. Aber das scheint eher ein Trend aus den Zehnerjahren gewesen zu sein.
Sie merken schon, ich finde das kurios. Zum einen natürlich, weil ich einen Großteil dieser Menschen, die jetzt nichts von mir hören wollen, gar nicht wirklich kenne, und das fühlt sich dann auch schon ein bisschen unhöflich von denen an. Zum anderen aber auch, weil ich mich frage, in was für einer Arbeitswelt wir doch immer noch leben, in der sich Menschen offenbar öffentlich dafür rechtfertigen müssen, zwischen den Jahren nicht erreichbar zu sein.
Ich persönlich erwarte das ja von niemandem, außer vielleicht von Bundeskanzler, Rettungsdienst und Polizei, und so oft rufe ich die ehrlicherweise gar nicht an.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Es gab auch bei mir in diesem Jahr Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob das Internet einige Tage abzustellen der Menschheit nicht helfen würde. Wenn ich die Kommentarspalte unter Postings von Politikerinnen öffne. Wenn Menschen sich übers Netz derart radikalisieren, dass sie andere Menschen umbringen. Wenn Hass und Lügen für manche Menschen zur Wahrheit werden, weil sie irgendjemand ins Internet geschrieben hat. Und ich verstehe, dass Menschen davon eine Pause brauchen. Wenn diese einhergeht mit dem Jahreswechsel – meine Erlaubnis haben Sie.
Auf Dauer, befürchte ich allerdings, brauchen wir weniger Digital Detox, sondern bessere digitale Verbindungen. Mehr Zuhören, mehr echte Interaktion, weniger Rauschen. Aber damit werde ich Sie bis ins neue Jahr in Ruhe lassen – Sie sind ja vermutlich nicht der Bundeskanzler.
Sollen Sie doch heimlich aufs Handy schauen, empfehle ich Ihnen diese zehn Texte.
Ihre
Charlotte Haunhorst
Head of Digital

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