Kommentar: Die Rabatte auf E-Autos zeigen, wie sinnlos die Subventionen waren

Erst Volkswagen, dann Renault, dann BYD: Nach dem Aus der staatlichen E-Auto-Förderung senkt ein Hersteller nach dem anderen die Preise für seine Stromer. Zum Teil gehen die Rabatte über die Summen der bisherigen Subvention in Deutschland hinaus.
Erste Experten und Händler gehen von einem Langfristphänomen aus und sehen in Europa gar eine Rabattschlacht aufziehen, ähnlich wie sie die Branche aus China kennt. Für Verbraucher sind das erst einmal gute Nachrichten. Elektroautos werden in Summe bezahlbarer.
Bei den Steuerzahlenden hingegen dürfte sich Ernüchterung breitmachen. Denn ganz offensichtlich hatte der Markt die Subventionen nur bedingt nötig, wenn schon wenige Wochen nach dem Prämien-Aus die Preise fallen. Eins zu eins nachweisen lässt sich das nicht; die Preis- und Margenpolitik der Autobauer sind gut gehütete Geschäftsgeheimnisse.
Die dauerhafte Rabattpolitik birgt Herausforderungen
Dennoch ist zumindest der zeitliche Zusammenhang zwischen Herunterfahren der Prämie und Herauffahren der Rabatte auffällig, um es vorsichtig zu formulieren.
Was weniger offensichtlich ist: Auch die Hersteller dürften sich mit den Rabatten keinen allzu großen Gefallen tun. Nicht nur, weil künftige Verhandlungen zu staatlicher Unterstützung nun argumentativ schwieriger werden. Sondern auch, weil es zwar einfach ist, Rabatte einzuführen, aber schwer, sie wieder wegzunehmen. So wird es mehr als das pfiffige Verkaufsgeschick eines Autohändlers brauchen, in ein paar Monaten die E-Autos wieder für Tausende Euro mehr anzubieten.
Vor allem aber drücken die Nachlässe, je länger sie bestehen, auf die Margen der Autobauer. Gerade für Traditionshersteller wie VW, Opel, Peugeot und Co. ist das ein Problem. Sie haben zum Teil riesige Sparprogramme und Renditeziele vor der Brust. Sie brauchen das Geld, um in die nächste Generation der Elektroautos zu investieren.
Marktanteile schwinden bei etablierten Herstellern
Schon jetzt bröckeln die Marktanteile der einst bekannten Automarken. Dagegen dürfte dem aktuellen deutschen Marktführer VW – derzeitige Pkw-Durchschnittsmarge 3,4 Prozent – in einer Rabattschlacht schneller der Atem ausgehen als einem Tesla oder BYD, die zum Teil auf zweistellige Margen kommen. Dreht die Preisschraube also weiter nach unten, wird es gefährlich für die etablierten Autobauer.
Unternehmenslenker in der Autoindustrie sind in der Regel rationale Entscheider. Die Tatsache, dass einer nach dem anderen an der Elektro-Preisschraube dreht, zeigt, wie groß die Not der Branche ist, den Absatz bei den Stromern nach oben zu bringen oder zumindest stabil zu halten. Um in dem Zukunftssegment nicht unterzugehen, opfert man lieber ein paar Prozentpunkte bei der Marge.
Das Jahr 2024 wird für die Branche eine große Herausforderung. Leichter wird es danach allerdings auch nicht: Ab 2025 verschärfen sich die Grenzwerte für die Klimabilanzen der Hersteller.
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