Schweigegeld-Prozess: Trump attackiert nach Schuldspruch die US-Justiz und Biden
New York. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat nach seiner Verurteilung im Schweigegeldprozess der Justiz des Landes heftige Vorwürfe gemacht. „Wenn sie mir das antun können, können sie das jedem antun“, sagte Trump am Freitag bei einer Pressekonferenz im Trump Tower in New York. Er warf dem Vorsitzenden Richter Juan Merchan einmal mehr vor, voreingenommen gewesen zu sein.
Die Anschuldigungen gegen ihn, er habe durch die Fälschung von Geschäftsunterlagen Schweigegeldzahlungen im Wahlkampf verschleiert, wies er erneut vehement zurück. „Das ist kein Schweigegeld. Es ist eine Verschwiegenheitserklärung. Total legal, total üblich.“
Die Geschworenen in New York hatten den 77-Jährigen am Donnerstag in allen 34 Anklagepunkten für schuldig befunden. Er ist damit der erste ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten, der in einem Strafverfahren verurteilt wurde. Das Strafmaß soll am 11. Juli verkündet werden. Trumps Anwalt kündigte bereits Berufung an.
Als Ort für seine Pressekonferenz wählte er die Lobby des Trump Towers. Begleitet wurde er unter anderem von seinem Sohn Eric und seiner Schwiegertochter Lara Trump, seine Ehefrau Melania hingegen, die sich seit dem Urteil nicht geäußert hatte, fehlte. Die Pressekonferenz fand dort statt, wo Trump vor fast genau neun Jahren per goldener Rolltreppe heruntergekommen war, um seine Bewerbung um das Präsidentenamt zu verkünden.
Trump sagte, dass sein Wahlkampfteam innerhalb weniger Stunden 39 Millionen Dollar eingenommen habe. Auch das Wahlkampfteam von Trumps politischem Gegner, Amtsinhaber Joe Biden, rief seine Anhänger dazu auf, Geld für Bidens Kampagne zu spenden.
Trump beschuldigte Biden, die Anklage gegen ihn im Schweigegeld-Prozess gemeinsam mit dem Justizministerium vorangetrieben zu haben. Beweise dafür legte Trump allerdings nicht vor.
Auch politisch attackierte er Biden. Dem Präsidenten und dem „Haufen Faschisten“, die ihn unterstützten, sei es nicht gelungen, die US-Grenze zu Mexiko zu sichern, sagte Trump.
US-Präsident Biden kritisierte Aussagen seines Amtsvorgängers nach dessen Verurteilung im Schweigegeldprozess. Es sei gefährlich und unverantwortlich zu behaupten, dass das Verfahren manipuliert gewesen sei, nur weil einem „das Urteil nicht gefällt“. „Das Justizsystem sollte respektiert werden, und wir sollten niemandem erlauben, es zu zerstören“, sagte Biden am Freitag vor Reportern im Weißen Haus.
Die New Yorker selbst hat das Urteil und die Pressekonferenz recht gleichgültig gelassen. Nur wenige Hundert Menschen waren an dem sonnigen Vormittag vor den Trump Tower gekommen. Rund ein Viertel davon waren Journalisten aus aller Welt. Der Rest teilte sich etwa gleich in Touristen, Trump-Fans und Trump-Gegner auf. Außerdem fuhren riesige Pickup-Trucks mit der Aufschrift „4 More Years“ und überdimensionalen Maga-Hüten auf der Ladefläche durch die Straßen – ein ungewohntes Bild in Manhattan.
Während die Gegner „Guilty, Guilty!“ – „schuldig, schuldig“ riefen, konterten die Trump-Unterstützer mit: „Brainwashed! Brainwashed“! – „Gehirn gewaschen, Gehirn gewaschen.“
Mit Agenturmaterial.