Morning Briefing: Das zwiespältigste politische Amt der Welt
Das zwiespältigste politische Amt der Welt
Liebe Leserinnen und Leser,
na, wie heißt nochmal der französische Premierminister? Falls Sie den Namen nicht gleich parat haben, grämen Sie sich nicht. Ich kenne zwei leitende Redakteure des Handelsblatts, denen es in den vergangenen Tagen ähnlich erging. Kein Wunder, denn der Job des Regierungschefs in Frankreich ist so zwiespältig wie kaum ein anderer im politischen Gewerbe. Sofern die Partei des Präsidenten auch den Premierminister stellt, ist der wenig mehr als ein Erfüllungsgehilfe des Staatschefs.
Wenn die politische Mehrheit in der Nationalversammlung aber eine andere ist als bei der letzten Präsidentenwahl, kann das Parlament einen Premierminister wählen, der in Opposition zum Präsidenten steht. Aus dem Erfüllungsgehilfen, dessen Namen man sich kaum zu merken braucht, wird dann ein mächtiger Widersacher des Präsidenten. Zuletzt war das in Frankreich zwischen 1997 und 2002 der Fall mit Jacques Chirac als konservativem Staatspräsidenten und dem Sozialisten Lionel Jospin als Premierminister.
Nun könnte es bald wieder so weit sein. Zwar ist es alles andere als sicher, dass der rechte Rassemblement National (RN) in der zweiten Runde der Parlamentsneuwahl auch die absolute Mehrheit holt. Nach dem ersten Durchgang, den die Partei am Sonntag mit 33 Prozent klar gewann, sind die Chancen auf eine Regierungsbeteiligung aber so gut wie nie.
Der Mann der Stunde hieße dann Jordan Bardella, und diesen Namen gilt es sich definitiv zu merken. Bardella ist 28 Jahre jung – und möglicherweise der nächste Premierminister der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Europäischen Union.
Parteigründer Jean-Marie Le Pen war einst das Gesicht der offen fremdenfeindlichen und rechtsextremen Front National. Tochter Marine Le Pen benannte die Partei in Rassemblement National um und rückte sie programmatisch in Richtung Mitte. Bardella steht nun für die nächste Generation.
Zwischen Marine Le Pen und ihrem politischen Ziehsohn besteht eine Arbeitsteilung auf dem Weg zur Macht: Bardella soll es mit einer Parlamentsmehrheit zum Premierminister schaffen, Le Pen hat derweil die nächste Präsidentschaftswahl 2027 im Blick. Dann will sie endlich Nachfolgerin des liberalen Amtsinhabers Emmanuel Macron werden.
Unser Paris-Korrespondent Gregor Waschinski hat zusammengetragen, was man über den möglichen nächsten Premierminister von Frankreich wissen sollte – und einiges, was einfach nur interessant ist. Etwa, dass Bardella als Jugendlicher unter dem Pseudonym „Jordan9320“ Videos auf YouTube hochlud, in denen er seine Partien beim Ballerspiel „Call of Duty“ kommentierte.
Und falls Sie der Name doch interessiert: Der amtierende französische Premierminister heißt seit Januar Gabriel Attal, ist selbst erst 35 Jahre alt und gilt als getreuer Gefolgsmann Macrons. Nach derzeitigem Stand erscheint es unwahrscheinlich, dass er ein Jahr im Amt voll macht.
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Melis Sekmen wechselt in die Unionsfraktion. „Meine Entscheidung ist das Ergebnis eines langen Prozesses“, bestätigte Sekmen einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenportals „Table Media“. Die 30-Jährige mit türkischen Wurzeln erklärte:
„Table Media“ hatte unter Berufung auf Parteikreise geschrieben, aus Enttäuschung über die grüne Wirtschaftspolitik habe Sekmen schon vor Wochen Kontakt zur CDU aufgenommen. Im Bundestag ist die Mannheimerin Obfrau der Grünen im Wirtschaftsausschuss und seit 2022 Vorsitzende des Parlamentskreises „Gründungen & Start-ups“.
Für viele Aktionäre ist die Prognose der wichtigste Teil in der Bilanz eines Unternehmens. Je genauer die Kennzahlen für die künftige Geschäftsentwicklung, desto besser lässt sich beurteilen, ob eine Aktie ins eigene Portfolio passt. Doch die Prognosequalität der Dax-Konzerne schwankt stark. Das zeigt eine Auswertung der Beratungsfirma Kirchhoff Consult gemeinsam mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.
18 der insgesamt 40 Unternehmen im Leitindex Dax legten demnach besonders detaillierte Vorhersagen für den Verlauf des aktuellen Geschäftsjahres vor. Drei Unternehmen allerdings bereiteten ihre Investoren ungenügend auf die eigene Entwicklung vor, nämlich Deutsche Bank, Commerzbank und Merck. 17 weitere Konzerne zeigten immerhin eine „mittlere Transparenz“. Airbus und Qiagen legten gar keinen Prognosebericht vor, was aus Sicht der Aktionäre am wenigsten attraktiv sein dürfte.
Lufthansa schickt seit 2021 die neue Tochter Discover auf die Strecke. Seitdem geht es ab Frankfurt zu vielen Zielen, die auch Condor von dort aus bedient. Künftig kommen Discover-Langstreckenziele ab München dazu. Doch der neue Condor-Chef Peter Gerber – er war vor diesem Job viele Jahre Manager in der Lufthansa-Gruppe – ist überzeugt, eine passende Antwort gefunden zu haben: Wir werden unsere Präsenz verbreitern, neue Märkte erschließen und Partnerschaften schließen.
So können Condor-Kunden demnächst auf das umfangreiche Langstreckennetz von Emirates zugreifen. Über ein sogenanntes Codeshare-Abkommen können sie mit Condor von Frankfurt nach Dubai fliegen und von dort mit Emirates zu Zielen in Asien, Afrika oder dem Nahen und Mittleren Osten weiterreisen. Ab Oktober soll das auch ab Berlin möglich sein. Von dort will Condor die Strecke nach Dubai aufnehmen. Emirates bekommt so indirekt Zugang zu einem weiteren Ziel in Deutschland, was Lufthansa-Managern nicht gefallen wird.
Ein Spiel, in dem es nach 120 Minuten 0:0 steht, klingt nach einem langweiligen Fußballabend. Und doch bot die Partie Slowenien gegen Portugal gestern Abend das ganz große Drama. Allein die bitteren Tränen des Cristiano Ronaldo, der in der 105. Minute einen Foulelfmeter für Portugal verschoss und von seinen Teamkollegen getröstet werden musste! Im Elfmeterschießen traf er dann. Die Slowenen scheiterten mit ihren drei ersten Elfmetern allesamt an Portugals Torwart Diogo Costa. Portugal spielt nun im Viertelfinale gegen Frankreich, das zuvor Belgien mit 1:0 besiegt hatte.
Die Belgier waren für mich dafür eindeutig der modische Sieger des Abends. Ich habe mich ja an dieser Stelle bereits als Freund des pinken deutschen Auswärtstrikots geoutet. Doch Belgien demonstrierte gestern, dass man auch aus unseren gemeinsamen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold etwas richtig Schickes schneidern kann. Ich wünsche Ihnen einen stilsicheren Tag.
Herzliche Grüße.
Ihr
Christian Rickens
PS: Das TV-Duell von Joe Biden gegen Donald Trump entfachte in den USA erneut die Debatte über einen Rückzug Bidens aus dem Präsidentschaftswahlkampf. Aufgrund seines hohen Alters zweifeln viele an seiner Eignung für eine zweite Amtszeit.
Wäre es jetzt die richtige Strategie, ihn als Spitzenkandidat auszutauschen, oder sollten die Demokraten an ihm festhalten? Haben Sie Vorschläge, wer ihn erfolgreich ersetzen könnte? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an forum@handelsblatt.com. Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.