
Wochenende: Wie Superreiche wirklich ticken – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
klaffen bei Ihnen manchmal auch wahrgenommene Wirklichkeit und Wirklichkeit auseinander? Mir ging es in den vergangenen Tagen beim Thema Superreiche so.
Nun ist Superreich-Sein kein Phänomen, das mir in meinem Alltag sehr nah ist. Beruflich allerdings begegnen mir diese Menschen immer mal wieder. Womit wir bei Elon Musk wären.
Der ist sehr reich, weil er in der Vergangenheit viele sehr gute Ideen hatte. Je älter er wird, desto schlechter aber scheinen seine Ideen zu werden. Damit meine ich nicht, dass es bei seinem Vorzeigeunternehmen Tesla zunehmend nicht so läuft wie erwartet. Ich meine damit, dass in Elon Musk nicht nur ein kleiner, sondern eher ein großer politischer Wirrkopf zu schlummern scheint.
Diese Woche etwa bezeichnete er einen „Bürgerkrieg“ in Großbritannien als unvermeidlich. Es folgten dann auch schnell sehr viele Kritikerinnen und Kritiker, die ihn als Beispiel für eine abgehobene Milliardärselite anführten, die ihren Reichtum und ihre Reichweite missbrauchen. Ich glaube, dass an der Stelle Wirklichkeit und wahrgenommene Wirklichkeit vielleicht nicht ganz deckungsgleich sind. Wer hier vom Einzelnen auf alle schließt, übersieht womöglich das eigentliche Problem.
Warum ich das so sehe? Das liegt an einer Begegnung, die nun etwa 20 Jahre her ist. Da lernte ich in Düsseldorf einen Mann kennen, in dessen Alltag Superreiche deutlich präsenter sind als in meinem: den Vermögensforscher Thomas Druyen. Wir haben uns über die Jahre immer mal wieder ausgetauscht. Und mein Bild von Superreichen wandelte sich in diesen Jahren ungefähr so sehr, wie die Welt sich wandelte.
Thomas Druyen – von dem Sie weiter unten dank meinem Kollegen Markus Hinterberger noch mehr lesen – würde nach drei Jahrzehnten Forschung zu diesen Menschen nie bestreiten, dass es sehr verrückte Milliardäre gibt, ja auch gefährliche. Er würde aber auch immer sagen: Diese Menschen sind sehr vielfältig. Und sehr viele erwirtschaften einfach aus ihrem Vermögen noch mehr Vermögen und sind damit dann auch zufrieden. Ich muss da immer an die Familie Klatten-Quandt denken, von der ebenfalls weiter unten die Rede sein wird.
Was uns das alles über Elon Musk sagt? Man kann sicher immer über Vermögensverhältnisse diskutieren, man kann auch über die Konzentration von Geld und Macht reden und über die manchmal befremdlichen Statements von Superreichen. Aber vielleicht sollte man Elon Musk nicht als Prototypen sehen, sondern ihn als das bewerten, was er ist: ein Ausnahmeunternehmer, der im Laufe der Zeit einfach ein bisschen verrückt geworden ist.
Ich hoffe, Ihr Wochenende besteht aus mehr Ausnahmemenschen und weniger Wirrköpfen – vielleicht helfen Ihnen diese zehn Leseempfehlungen.
Herzliche Grüße
Ihr
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende

„Reichtum macht nicht frei – im Gegenteil“
Thomas Druyen also. Der Vermögensforscher hat im Laufe der Zeit qualitativ wie quantitativ so viele Menschen mit großen Vermögen befragt wie kaum jemand. Im Gespräch mit Markus Hinterberger verrät er, was diese antreibt, mit welchen Strategien sie ihre Vermögen sichern – und warum KI das Geld dieser Welt noch einmal deutlich umverteilen könnte.
„Sie wollen nicht als Erben gesehen werden“
Dazu passt, was der Autor Rüdiger Jungbluth über zwei der reichsten Deutschen weiß. Er beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit der Quandt-Dynastie, die unter anderem größte BMW-Aktionäre sind. Nun hat er seine Familienbiografie in dritter Auflage herausgebracht. Ich habe mit ihm darüber gesprochen, warum die Familie so faszinierend ist, welche Rolle die neue Generation spielt – und warum es im Familienzweig von Stefan Quandt und Susanne Klatten Konflikte gibt. Und wenn die Quandts Sie noch mehr interessieren, folgen Sie auch diesem Lesetipp, der eine hochpikante Verstrickung der Familie neu erzählt.

Heiß, fettig – super angesagt
Ich bin eher der Typ Pizza. Wenn es heiß und fettig sein muss, ist das das Essen meiner Wahl. Damit bin ich offenbar ein Auslaufmodell. Wer wirklich Junkfood will, greift zu Pommes. Jedenfalls boomen die frittierten Kartoffelstäbchen seit einiger Zeit. Annika Keilen hat sich den Trend angeschaut – und beschreibt, wer profitiert und was Fritten so einmalig macht.
„Wie am Drogenmarkt“
Vielleicht hat der Pommesboom auch damit zu tun: Abnehmspritzen verbreiten sich immer weiter. Und damit auch einige Herausforderungen. Zum einen sind die Mittel gegen Krankheiten und nicht gegen Lifestyleprobleme entwickelt worden. Zum anderen ist die Nachfrage höher als das Angebot. Damit entsteht wie immer in solchen Fällen ein Schwarzmarkt. Wie der funktioniert und was es mit dort angebotenen Mitteln auf sich hat, hat Clara Thier recherchiert.

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