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Morning BriefingAngst wird zum dominanten Gefühl an den Finanzmärkten

Teresa Stiens 06.08.2024 - 06:06 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Angst an den Märkten: Das neue Gefühl der Anleger

06.08.2024
Abspielen 08:41

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

an den Finanzmärkten geht es weltweit weiter bergab. Die Kolleginnen und Kollegen aus der Printredaktion tauften den gestrigen Tag auf der Titelseite der heutigen Ausgabe „Schwarzer Montag“. Begonnen hatte er mit Horrormeldungen aus Japan, wo der Leitindex Nikkei um 12,5 Prozent einbrach und den größten Tagesverlust seit 1987 einfuhr. Der Deutsche Aktienindex Dax fiel auf bis zu 17.024 Punkte und damit mehr als 600 Zähler zurück. Das ist der tiefste Stand seit Mitte Februar.

Gestern Abend dann meldete auch die Wall Street Verluste. Der breite Leitindex S&P 500 verlor 2,3 Prozent, der Dow Jones, der die Standardwerte abbildet, rutschte zwei Prozent ins Minus.

Hier finden Sie eine Reihe von Analysen, die in diesen Tagen wichtig sind, um in der aktuellen Situation den Überblick zu behalten:

  • Wenn Sie eine Zusammenfassung der Entwicklung wichtiger Indizes suchen, empfehle ich Ihnen die Grafikanalyse meiner Kollegen Andreas Neuhaus und Sonja Schlacht. Sie zeigt, dass nicht nur die Aktien-, sondern auch die Anleihenkurse von dem Abwärtstrend betroffen sind.
  • Wenn Sie sich speziell für die amerikanischen Märkte interessieren und verstehen möchten, wieso dort derzeit die Angst das dominierende Gefühl ist, empfehle ich Ihnen den Marktbericht von Leonidas Exuzidis und Astrid Dörner.
  • Besonders stark sind die sogenannten „glorreichen Sieben“, die erfolgreichen Technologiewerte, von der Bereinigung betroffen. Wer dabei die größten Verlierer sind und welche Aktien sich noch vergleichsweise robust zeigen, lesen Sie hier.
  • Wer im aktuellen Ausverkauf eine Einstiegsmöglichkeit mit Schnäppchenpotenzial sieht, sei gewarnt. Die Profis zeigen sich derzeit deutlich skeptischer als Kleinanleger. Für einen Einstieg könnte es in der aktuellen Lage noch zu früh sein.

Die große Frage lautet jetzt, wie es in den nächsten Tagen weitergehen wird. Joachim Schallmeyer, Chef-Kapitalmarktstratege der Sparkassen-Fondstochter Deka, schätzt, dass die Kursbereinigung eine „schwer zu prognostizierende Eigendynamik“ entwickeln könnte. Denn zusätzlich verunsichere die drohende Eskalation der politischen Lage im Nahen Osten die Investoren. Anleger sollten die Konjunkturentwicklung in den USA genau verfolgen.

Wächst die Angst vor einer Wirtschaftskrise, wäre das ein Warnsignal. Im Falle einer Rezession brechen Aktienmärkte der Erfahrung nach noch stärker ein: Ein Drittel Wertverlust wäre dann nicht unüblich.

Auch an der Wall Street sind die Kurse am Montag kräftig eingebrochen. Foto: AP

„Der Einbruch an den Weltbörsen nimmt inzwischen eine Dimension an, die mit dem Begriff Korrektur nicht mehr zu fassen ist“, kommentiert Handelsblatt-Meinungschef Jens Münchrath den Abwärtstrend. Es handle sich um einen veritablen Crash. Er sieht in den aktuellen Entwicklungen eine Art Aufwachen der Börsen, die endlich die „Liste der Unsicherheitsfaktoren“ einpreisen.

„Die globalen Finanzmärkte zeichneten sich seit der Überwindung der Pandemie durch eine Resilienz aus, die die altbekannten Crashpropheten zur Verzweiflung gebracht haben muss“, schreibt mein Kollege. Doch es gelte, was immer gilt: Je länger die Party und der Exzess andauert, desto größer der Kater. Eine Bereinigung sei deshalb unausweichlich.

Wohin also mit dem Geld? Eine wichtige Frage in diesen pessimistischen Zeiten an der Börse. Zum Glück gibt es einige sichere „Geldparkplätze“, die Handelsblatt-Anlageexperte Markus Hinterberger für Sie identifiziert hat. Es einfach auf dem Girokonto liegenzulassen, ist keine gute Lösung. Denn dort wird das Geld wegen der geringen Zinsen von der Inflation aufgefressen. Eine lukrative und gleichzeitig flexible Alternative bieten deshalb Tagesgeldkonten.

Um herauszufinden, welches Konto bei welcher Bank die beste Entscheidung ist, sollten Sparer nicht nur auf den Zinssatz schauen. Wichtig ist auch die Frage, wie lange dieser Zinssatz garantiert ist. Denn Banken können die Zinsen ihrer täglich verfügbaren Sparkonten in der Regel immer wieder anpassen. Im Zweifel lohnt sich also auch ein Tagesgeldkonto mit einem etwas niedrigeren Zinssatz, wenn dieser allerdings über einen längeren Zeitraum garantiert ist.

Nach so viel Geldanlage noch zu einem sehr wichtigen, aber auch sehr hässlichen Thema. In England zeigt sich derzeit, welche gefährliche Energie gezielt gestreute Falschmeldungen auslösen können. In mehreren britischen Städten randalieren seit mehreren Tagen Rechtsradikale, attackieren die Polizei und greifen Unterkünfte von Asylbewerbern an. Im Internet waren zuvor Falschnachrichten verbreitet worden, wonach der mutmaßliche Mörder von drei Kindern ein Asylbewerber mit muslimischem Namen gewesen sein soll.

Nach Bluttat in Southport: Polizisten wurden mit Stühlen beworfen. Foto: dpa

Auch in Deutschland verbreiten sich immer wieder Falschnachrichten und Diffamierungen mit manipulativer Absicht. Eine als Nachrichtenseite getarnte Website etwa dichtete Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) an, regelmäßige Kundin eines nigerianischen Prostituierten zu sein. Lucina Di Meco, Gründerin der Nichtregierungsorganisation ShePersisted, sagt:

Wir haben erlebt, dass viele mächtige Frauen mit ähnlichen Geschichten angegriffen wurden.

Überall drehten sich die wichtigsten Angriffslinien um sexuelle Erniedrigung, sagt Di Meco: „Die Angreifer wollen die Frauen als verschlagen und außer Kontrolle darstellen.“

Auch die amerikanische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris und die ehemalige finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin wurden Ziele frauenfeindlicher Attacken. Außenministerin Baerbock, aber auch andere Politikerinnen und Journalistinnen, die unter Beschuss stehen, machen diese Angriffe inzwischen bewusst öffentlich oder ziehen vor Gericht.

Zwischen August 2022 bis März 2024 erstattete Baerbock nach Informationen des Handelsblatts aus dem Auswärtigen Amt im Schnitt 20 Anzeigen pro Monat wegen Morddrohungen, Gewaltandrohungen und groben Beleidigungen. FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann stellt klar: „Die Leute müssen, auch auf die harte Tour, lernen, dass man mit geistigem Dünnpfiff und drastischen Beleidigungen oder Drohungen nicht ungeschoren davonkommt.“

Nachdem wir zu Beginn des Briefings viel auf Negativnachrichten an der Börse geschaut haben, zum Abschluss noch ein Blick auf einen Positivrekord der Olympischen Spiele. Stellen Sie sich vor, Sie laufen mit einem 5,20 Meter langen Stab in der Hand so schnell Sie können auf ein kleines Loch zu, setzen den Stab dort an und springen über einen ausgewachsenen Giraffenbullen.

Das hat der Schwede Armand „Mondo“ Duplantis gestern Abend in Paris geleistet und den eigenen Weltrekord mit 6,25 Meter eingestellt. Zugegeben, es war kein echter Giraffenbulle anwesend, aber uns Nicht-Stabhochspringern hilft dieser Vergleich vielleicht dabei, sich die wahnsinnigen Höhen vorzustellen, in denen sich der Schwede bewegt.

Duplantis erfüllte sich damit einen Traum, den er nach eigenen Angaben schon als Vierjähriger hatte, als er mit einem Stab bei seinen Eltern von Sofa zu Sofa sprang. Vielleicht hätte auch ich als Vierjährige von einer Goldmedaille bei Olympia träumen sollen. Dann wäre ich jetzt womöglich in Paris und nicht auf dem heimischen Sofa.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem sich Ihre Träume erfüllen.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre

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Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

PS: Die Energiepreise in Deutschland sind hoch – so hoch, dass 45 Prozent der Industrieunternehmen mit hohem Stromverbrauch planen, die Produktion im Inland einzuschränken oder auszulagern. Das ergab das Energiewende-Barometer der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Angekündigte Entlastungen, wie etwa die Senkung des Netzentgelts, nahm die Bundesregierung im Zuge der Haushaltskrise zuletzt wieder zurück.

Wie könnte die Bundesregierung gegen die hohen Strompreise und Abwanderung der Unternehmen vorgehen? Lässt sich das mit der geplanten grünen Stromreform von Wirtschaftsminister Habeck vereinen? Wenn ja, wie? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an forum@handelsblatt.com. Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.

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