US-Wahl: Sieben Dinge, die Sie zur Wahl am 5. November wissen müssen
New York. Kurz vor den Wahlen ist eines völlig unklar: Wer wird künftig an der Spitze der USA stehen? Auf der einen Seite kandidiert Kamala Harris, die Demokratin und Nachzüglerin im Rennen ums Weiße Haus. Auf der anderen Seite tritt Ex-Präsident Donald Trump für die Republikaner an.
In Umfragen liegen die beiden Kopf an Kopf. Doch Demoskopen sagen: Selbst wenn sich noch in der Endphase eine klarere Tendenz zeigen sollte, wäre eine Überraschung beim Wahlergebnis nicht ausgeschlossen. Auch die Zeit nach der Wahl ist unberechenbar – besonders weil für Trump demokratische Prozesse nur dann legitim sind, wenn er davon profitiert.
Ein Übersicht über die wichtigsten Fragen vor der Präsidentschaftswahl.
Wer darf an der US-Wahl teilnehmen und wie wird in den USA gewählt?
Wahlberechtigt sind grundsätzlich alle Bürgerinnen und Bürger der USA, die mindestens 18 Jahre alt sind. Ausnahmen gibt es unter anderem für Inhaftierte, für zuvor verurteilte Menschen und für einige Personen mit einer geistigen Behinderung.
Bis auf North Dakota müssen sich die Berechtigten in jedem Staat registrieren, um wählen zu können. Theoretisch könnten rund 240 Millionen Menschen an den Wahlen teilnehmen. Die Beteiligung an der vergangenen Präsidentschaftswahl war mit 66,8 Prozent die höchste in diesem Jahrhundert.
In mehreren Staaten können die Menschen schon vor dem eigentlichen Wahltag ihre Stimme abgeben. Auch US-Bürgerinnen und Bürger im Ausland dürfen früher wählen. Am Tag der Entscheidung schließen die meisten Wahllokale zwischen 18 und 20 Uhr Ortszeit.
Wie kommt das Ergebnis der US-Wahl zustande?
Die absolute Mehrheit aller Stimmen ist für den Sieg nicht entscheidend. Stattdessen kommt es darauf an, die Mehrheit des Wahl-Kollegiums (Englisch: Electoral College) zu holen. Derzeit gibt es 538 Wahlleute, verteilt auf die einzelnen Bundesstaaten. Nötig sind also mindestens 270 Stimmen.
Es gilt mit Ausnahme von Maine und Nebraska das Winner-takes-it-all-Prinzip, sprich: Selbst mit einer sehr knappen Mehrheit gehen die Wahlleute eines Bundesstaats an den jeweiligen Sieger.
So gewann Joe Biden 2020 den Bundesstaat Georgia, obwohl er dort nur rund 13.000 Stimmen mehr als Donald Trump holte. Trump hatte aufgrund des engen Rennens eine Neuauszählung der Stimmen in dem Staat beantragt. Danach war klar: Eine Wahlfälschung gab es anders als von Trump behauptet nicht.
Welche Bundestaaten sind bei dieser Wahl besonders wichtig?
Die meisten der 50 US-Staaten wählen klar republikanisch oder demokratisch. Entscheidend sind daher die Swing States, die mal in die eine, mal in die andere Richtung kippen:
- Pennsylvania (19 Wahlleute)
- Georgia (16 Wahlleute)
- North Carolina (16 Wahlleute)
- Michigan (15 Wahlleute)
- Arizona (11 Wahlleute)
- Wisconsin (10 Wahlleute)
- Nevada (6 Wahlleute)
In Umfragen liegt Harris in den Swing States aktuell nur in Michigan und Wisconsin vorn. Und ihr Vorsprung ist marginal. Am Sonntag sorgte dafür eine neue Erhebung aus Iowa für Aufsehen. Demnach soll die Demokratin in dem traditionell konservativen Bundesstaat überraschend vor Donald Trump liegen – was diesen wüten ließ.
Innerhalb der Swing States wird es besonders in einzelnen Wahlbezirken spannend, etwa im bevölkerungsreichen Clark County in Nevada mit der Großstadt Las Vegas. Die Demokraten hoffen auf Gewinne in den Städten und in jenen Vorstädten, in denen viele Menschen mit Hochschulabschluss leben. Trump hingegen wird wohl besonders in ländlichen Gegenden punkten.
Selbst wenn also die Stimmen auf dem Land schon ausgezählt sind und es nach einem Sieg der Republikaner aussieht, könnte sich das nach Auszählung der Stimmen in den Städten noch ändern.
Wann gibt es ein Ergebnis der US-Wahl?
Sollte entgegen der Erwartungen früh klar sein, dass Trump oder Harris wichtige Swing States gewonnen haben, würde sich bereits nach Mitternacht deutscher Zeit eine Tendenz abzeichnen. Am frühen Mittwochmorgen ließe sich dann ein belastbares Resultat erkennen.
Bei der vergangenen Präsidentschaftswahl stand das Ergebnis allerdings erst am Samstag nach dem Urnengang fest. Je enger das Rennen ist, umso länger dauert es, bis der Sieger oder die Siegerin feststeht. Zudem wird die vorzeitige Stimmabgabe immer beliebter. In Georgia wurde dieses Jahr ein Rekord erreicht, ebenso in anderen Staaten.
Interessant dabei: Die Republikaner haben mehrfach zur vorzeitigen Stimmabgabe aufgerufen, obwohl Trump immer wieder behauptete, diese Art der Wahl sei nicht sicher.
Alle Briefe aus der vorzeitigen Stimmabgabe müssen geöffnet, verifiziert und ausgezählt werden. Nur eine Handvoll Bundesstaaten erlaubt es, damit vor dem eigentlichen Wahltag zu beginnen. Die schiere Menge könnte das Ergebnis also verzögern.
Hier kommen wieder zwei Swing States ins Spiel: In Pennsylvania und Wisconsin beginnt die Auszählung erst am 5. November. Dass demokratische Wählerinnen und Wähler ihre Stimme tendenziell eher vor dem Wahltag abgeben, kann also noch zu späten Überraschungen in diesen Staaten führen.
Was passiert nach der Wahl in den USA?
Die Bundesstaaten haben bis zum 14. Dezember Zeit, ihre Endergebnisse festzustellen. An diesem Tag machen die Wahlleute ihre Stimmabgabe offiziell.
Die Stimmzettel der Wahlleute werden versiegelt und nach Washington geschickt. Am 6. Januar 2025 konstituiert sich der neue Kongress. Am 20. Januar um 12.00 Uhr mittags beginnt dann die Amtszeit des neuen Präsidenten oder der neuen Präsidentin.
Warum gibt es bei der US-Wahl so viele Unsicherheiten?
Hinter den USA liegt ein turbulenter Wahlkampf: Erst trat Joe Biden für die Demokraten an, dann zog er sich zurück. Harris wurde seine Nachfolgerin und schaffte es zunächst, in Umfragen an Trump vorbeizuziehen. Der wiederum überlebte im Juli ein Attentat, später wurde ein zweites gegen ihn vereitelt.
Und es ist ein Wahlkampf, der geprägt ist von Lügen und Hass. Trump bezeichnete seine Konkurrentin unter anderem als „geistig beeinträchtigt“, auch das politische System der USA ist Ziel seiner Angriffe.
Auch wenn die letzte Wahl nicht wie von ihm behauptet „gestohlen“ wurde, sorgt sich einer Umfrage zufolge mehr als die Hälfte der Bevölkerung vor Wahlbetrug. Es besteht eine reale Gefahr, dass sich die Gewalt nach der Wahl 2020 wiederholt. Damals drangen mehrere Hundert Trump-Anhänger am 6. Januar 2021 ins Kapitol ein, in dem gerade der Kongress tagte.
Die sozialen Medien sind kurz vor der Wahl voll mit angeblichen Berichten von Wahlbetrug. Meist Trump nahestehende Gruppen und Einzelpersonen verbreiten Hunderte unbestätigte Vorfälle, bei denen es zu Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe gekommen sein soll. Oft dabei: Aufrufe, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen und das „wahre“ Ergebnis wenn nötig mit Gewalt durchzusetzen.
Außerdem sind Umfragen immer mit Unsicherheit behaftet. 2016 verlor Hillary Clinton gegen Trump, obwohl ihr in Umfragen der Sieg sicher schien. 2020 gewann Biden deutlich knapper als prognostiziert.
Eine Herausforderung für die Meinungsforschungsinstitute ist, dass bestimmte Wählergruppen weniger geneigt sind, an Umfragen teilzunehmen. In der Vergangenheit waren das offenbar vor allem Trump-Anhängerinnen und Anhänger, besonders solche ohne Universitätsabschluss.
Die Demokraten müssen nun darauf hoffen, dass die Umfragen auch in einigen ihrer Zielgruppen falsch liegen. Das könnte etwa bei Schwarzen der Fall sein.
Was wird noch gewählt?
Am 5. November werden auch alle Abgeordnetensitze im Repräsentantenhaus sowie 34 der 100 Sitze im Senat neu vergeben. Den Demokraten droht der Verlust der Kontrolle über den Senat, da sie Umfragen zufolge tendenziell ein Mandat einbüßen dürften.
Knapp wird es in Arizona, Michigan, Montana, Nebraska, Nevada, Pennsylvania und Wisconsin, besonders eng in Ohio. Dort tritt der demokratische Amtsinhaber Sherrod Brown gegen den Republikaner Bernie Moreno an. In Umfragen trennt die beiden im Schnitt nur ein Prozentpunkt.
Im Abgeordnetenhaus haben Trumps Republikaner die Mehrheit, Prognosen zeigen aber ein knappes Rennen. Entscheidend sind hier einige wenige Kongresswahlbezirke: Laut den Wahlanalysten des Cook Political Report haben Republikaner und Demokraten in nur 25 von 435 Bezirken eine ähnlich hohe Gewinnchance.
Vom Kräfteverhältnis im Kongress mit Repräsentantenhaus und Senat hängt ab, ob und wie der Präsident seine Regierungspolitik durchsetzen kann. Hat die andere Partei auch nur in einer der beiden Parlamentskammern die Mehrheit, wird es mit der aktuellen Polarisierung der US-Politik schwierig, Gesetzesvorhaben erfolgreich umzusetzen.