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Ein Festival der Mutigen

Bei all den politischen Chaos-Meldungen geht beim Blick in die Zukunft leicht die Zuversicht verloren. Drei ausgezeichnete Start-ups zeigen aber, das sich die Hoffnung auf bessere Zeiten lohnt.Sebastian Matthes 16.11.2024 - 08:15 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes. Foto: Handelsblatt

Liebe Leserinnen und Leser

herzlich willkommen zurück zu unserem Blick auf die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Woche in einem Land, das nach einem etwas wunderlichen Prozess nun endlich einen Termin für die nächste Bundestagswahl hat. Dazu aber später mehr.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Zug auf dem Rückweg von Berlin. 244 Kilometer pro Stunde meldet das System, alles pünktlich so weit. Gestern Abend haben wir auf einer feierlichen Gala die Siegerinnen und Sieger unseres Start-up-Preises The Spark gefeiert, den wir jedes Jahr zusammen mit McKinsey ausrichten. Und es war eine wunderbare Gala der Zuversicht in einer schwierigen Zeit.

„Die Sieger und Finalisten des deutschen Digitalpreises The Spark“ Foto: Marc-Steffen Unger

Beim Blick auf die Konjunkturdaten gibt es unendlich viele Gründe, pessimistisch zu sein, denken Sie vielleicht. Die Wirtschaftsweisen haben das in ihrem Jahresgutachten diese Woche erst wieder bestätigt. Und auch viele Start-ups verlieren Mut und Mittel.

Doch schaut man sich die jungen Firmen an, die es trotz allem versuchen, gibt es gute Gründe für Optimismus: Wir haben bei The Spark dieses Jahr Start-ups ausgezeichnet, die KI-Lösungen für Unternehmen entwickeln. Und auf die sollten wir in den nächsten Jahren ganz besonders achten.

Das Spiel bei den großen Sprachmodellen wird möglicherweise anderswo gewonnen, irgendwo im großen Wettstreit zwischen Google, OpenAI und Microsoft.

Doch mit der Digitalisierung von Geschäftsprozessen, Produktion und Entwicklung beginnt ein neues Kapitel in der KI-Revolution, und hier haben deutsche Firmen beste Chancen. Das war die wahrscheinlich wichtigste Botschaft des Abends: In einer schwierigen Zeit gibt es ein leuchtendes Signal des Aufbruchs.

Die Spread-Gründer Philipp Noll (l.) und Robert Göbel gewinnen bei „The Spark". Foto: Marc-Steffen Unger

Der Sieger steht dafür ganz besonders: Das Berliner Start-up Spread.ai revolutioniert die Produktentwicklung in der Industrie, indem es mit KI den Prozess der Produktentwicklung wesentlich beschleunigt und verbessert. Wir hatten vor einigen Monaten über das Start-up berichtet, das schon viele große Autohersteller zu seinen Kunden zählt.

Auf Platz zwei hat die Jury Aedifion aus Köln gewählt. Mit seiner KI-gestützten Cloud-Plattform sorgt das Start-up für ein nachhaltiges Upgrade der Gebäudetechnik, das Energieverbrauch, CO2-Emissionen und Betriebskosten drastisch senkt.

Platz drei geht an Aignostics. Die Berliner haben eine Software entwickelt, die medizinische Diagnosen wesentlich verbessern kann.

Die Finalisten des Diversity Accelerator Awards Foto: Marc-Steffen Unger

Der Diversity Accelerator Award ging an Backbone Ventures. Der Risikokapitalgeber gibt Gründern aus unterrepräsentierten Gruppen eine Starthilfe.

Es war ein wunderbarer Abend, der Mut macht.

Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

1. Womit wir bei der Politik wären. Der Wahltermin steht nun. Doch die Diskussion um die Frage, ob Olaf Scholz noch der richtige Spitzenkandidat für die SPD ist, reißt nicht ab. 66 Prozent der Deutschen halten Boris Pistorius mittlerweile für den besseren Kanzlerkandidaten der SPD.

2. Über all das habe ich diese Woche mit dem SPD-Co-Parteivorsitzenden Lars Klingbeil in meinem Podcast gesprochen Klingbeil erklärt, wie die SPD nun in den Wahlkampf gehen will, welche Zukunft er sich für Deutschland wünscht – und macht sogar Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz ein Angebot. Es war ein spannendes und durchaus kontroverses Gespräch, in dem man spürt, dass wir es bei Klingbeil mit einem Politiker zu tun haben, der für seine Partei noch viel vorhat. Nur über eins will er nicht so richtig sprechen: seine eigene politische Zukunft.

SPD-Co-Chef Lars Klingbeil Foto: Kay Nietfeld/dpa

3. Den Deutschen steht ein Wahlkampf um zwei völlig unterschiedliche Wirtschaftskonzepte bevor: SPD und Grüne wollen den Staat stärken und schuldenfinanzierte Milliardensubventionen verteilen. Union und FDP sehen die Lösung eher in marktwirtschaftlichen Instrumenten. Nirgends lässt sich das besser ablesen als an den zwei Wirtschaftspapieren von Scholz und Lindner. Julian Olk und Jan Hildebrand haben sie analysiert – und Ökonomen um ihre Einschätzung gebeten.

Claudia Kemfert vom DIW spricht sich für mehr Subventionen in Sachen Klimapolitik aus. Foto: dpa

4. Was bedeutet die zweite Präsidentschaft Donald Trumps für die USA? Der US-Wirtschaftshistoriker Jonathan Levy hat da eine klare Meinung: Im Interview mit dem Handelsblatt beschreibt er, wie Trump die USA in ein autoritäres System verwandeln könnte. Zum Schaden der Wirtschaft? Wohl kaum – sie könnte sogar profitieren.

5. Der deutschen Leitindustrie droht ebenfalls ein Trump-Schock. VW, BMW und Mercedes stehen ohnehin unter Druck. Nun kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu: Trump droht mit Extra-Abgaben von bis zu 200 Prozent. Diese könnten den Betriebsgewinn der deutschen Autobauer bis 2025 um bis zu 4,5 Milliarden Euro schmälern. Analysten warnen vor einem „toxischen Mix“ aus US-Protektionismus, strengeren EU-Vorgaben und einem schwierigen Chinageschäft. Hier die komplette Analyse.

6. Der Bitcoin ist diese Woche erstmals über die Marke von 90.000 Dollar gesprungen. Damit ist der Kurs der wichtigsten Kryptowährung seit Anfang Oktober um mehr als 40 Prozent gestiegen – allein in den vergangenen fünf Wochen sind 20.000 Bitcoin-Besitzer zu Millionären geworden. Diese Eruption am Kryptomarkt hat vor allem einen Grund, analysieren Jakob Blume, Astrid Dörner und Andreas Neuhaus.

Foto: Bloomberg/ Hendrik Wünsche

7. Diese Debatte will in Deutschland kaum jemand führen: Die Debatte über eine nukleare Abschreckung. Airbus-Aufsichtsratschef René Obermann beschäftigt sich intensiv mit dem Thema – und warnt: Europa müsse Russlands Aggression begegnen können. „Das schließt die nukleare Abschreckung mit ein.“ Wie die genau aussehen könnte, erklärt er im Handelsblatt-Interview.

8. Der Welt läuft die Zeit davon. Wir erleben womöglich das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Konventionelle Ansätze wie Wind- und Solarenergie reichen offenbar nicht mehr aus, um die Erderwärmung rechtzeitig zu stoppen. Müssen wir neue, radikalere und bislang undenkbare Vorschläge diskutieren? Eine neue Generation von Atomkraftwerken? Geo-Engineering? CO2-Speicherung in großem Stil? Mit diesen Fragen befasst sich unsere große Analyse zum Wochenende.

Foto: Mona Eing & Michael Meissner

9. Starinvestor Warren Buffett sortiert das Portfolio seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway neu. Sein Ziel: breitere Diversifikation und geringeres Risiko. Welche zwei Aktien neu im Depot sind und bei welchen Toppositionen er deutlich gekürzt hat, lesen Sie hier.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzlich

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Sebastian Matthes

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