Morning Briefing: Elon Musk – Die seltsame Verwandlung eines Unternehmergenies
Musk-Portrait: Die seltsame Verwandlung eines Unternehmergenies
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
zunächst ein kurzer Einschub mit einer guten Nachricht, die es nicht mehr in die Audioversion geschafft hat: Am frühen Morgen hat Israels Premier Benjamin Netanjahu bestätigt, dass die Waffenruhe mit der Hamas kurz bevorsteht. Falls die Regierung in Jerusalem zustimmt, könnte es am Sonntag oder Montag zu einem vorläufigen Ende der Kämpfe kommen. Nach den Zweifeln an der Einigung, die gestern noch gestreut wurden, könnte der Deal nun halten. Mehr dazu lesen Sie hier.
Ein guter Freund von mir hatte zeitlebens ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater und sagte mir einmal: Zu seinen großen Ängsten gehöre, dass er mit den Jahren seinem alten Herren immer ähnlicher werde.
Wir wissen nicht, ob sich Elon Musk diese Sorgen auch macht. Grund dazu hätte er. Der Vater des wohl größten Unternehmergenies unserer Zeit war laut Musk und seiner Familie „das personifizierte Böse“. Als Musk in der Schule krankenhausreif geschlagen wird, kanzelt ihn sein Vater ab, weil er sich nicht gewehrt hatte. Auf Facebook schimpft Musk senior bis heute gegen Impfungen, „linke Gangster“ und alle Gegner von Donald Trump.
Und was macht sein Sohn Elon? Erklärt am 22. Juli 2024 öffentlich, er betrachte sein transsexuelles Kind als „tot“. Kurz darauf äußert sich Musks 20-jährige Tochter Vivian, die als Junge geboren wurde: Elon Musk habe sie „wegen meiner Weiblichkeit und meiner Andersartigkeit unerbittlich schikaniert“.
Musk ist nicht nur der reichste Mann auf dem Planeten, er ist auch einer der Mächtigsten. Und er hat einen beeindruckenden Wandel hingelegt: Vom linksliberalen Obama-Fan und Klimaaktivisten zum Trump-Vertrauten, Wokeness-Hasser und rechten Online-Wüterich. Ohne Tauchfahrt in die Tiefenpsychologie lässt sich das schwer erklären. Vielleicht ist Musk ja ein besonders drastisches Beispiel dafür, dass wir dazu verdammt sind, mit den Jahren unseren Eltern immer ähnlicher zu werden?
Silicon-Valley-Korrespondent Felix Holtermann und Tech-Reporter Thomas Jahn haben mit vielen Weggefährten des Unternehmers gesprochen, inklusive dessen Mutter. Herausgekommen ist das große Portrait eines Mannes, der trotz aller Macht ein Getriebener ist – getrieben von der traumatischen Beziehung zu seinem Vater, einer psychischen Störung und einer ungewöhnlichen politischen Ideologie namens „Longtermism“, die maßgeblich hinter Musks Mars-Obsession steckt.
Wenn am Montag Donald Trump zum zweiten Mal das Amt als US-Präsident antritt, wird auch Musk dabei sein – als Leiter einer Effizienzkommission, die den US-Haushalt nach Einsparmöglichkeiten durchsuchen soll. Aber wie nah wird er wirklich an Trump dran sein? Das Machtgefüge im Weißen Haus dürfte ab der kommenden Woche komplex sein – mit nur einer Konstanten: Stärker noch als in seiner ersten Amtszeit setzt Trump auf bedingungslose Loyalität. Was das für die Politik der USA bedeuten wird, und wie die Europäer sich am besten darauf einstellen können: Das schildert unser Wochenendtitel „Wer hat die Macht im Weißen Haus“.
Trump erwägt einem Medienbericht zufolge, dem umstrittenen sozialen Netzwerk Tiktok zunächst den weiteren Betrieb zu erlauben. Der Republikaner prüfe einen Erlass, der ein drohendes Verbot aussetzen würde, bis ein neuer Besitzer für die Plattform gefunden sei. Das berichtete die „New York Times“ am Donnerstag unter Berufung auf Insider.
Zuvor hatte Trumps designierter Nationaler Sicherheitsberater Mike Waltz dem Sender Fox News gesagt, man werde eine Abschaltung von Tiktok in den USA verhindern, solange über einen Deal verhandelt werde. Er wies auf eine Passage in dem entsprechenden Gesetz hin, wonach es einen 90-tägigen Aufschub geben könne.
Ein vom scheidenden Präsidenten Joe Biden unterzeichnetes Gesetz sieht vor, dass Tiktok ab Sonntag in den USA nicht mehr in den App-Stores von Apple oder Google heruntergeladen werden kann, wenn der chinesische Mutterkonzern Bytedance die App nicht verkauft.
In Europa will der Technologiekonzern ein ähnliches Schicksal mit dem „Project Clover“ abwenden. In dessen Rahmen verspricht Tiktok Datensicherheit für die Nutzer in Europa. Experten zeigen sich jedoch skeptisch.
Die Bergbaukonzerne Rio Tinto und Glencore erwägen einem Medienbericht zufolge eine Zusammenlegung ihrer Geschäfte. Das meldet die Agentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Gespräche befänden sich erst in einem frühen Stadium.
Der potenzielle Zusammenschluss zwischen den beiden Schwergewichten des Eisenerzbergbaus wäre der bisher größte der Branche und würde ein kombiniertes Unternehmen mit einem Marktwert von rund 158 Milliarden Dollar schaffen. Damit würde es den des Bergbauunternehmens BHP mit 126 Milliarden Dollar Marktwert überholen. Sowohl Rio Tinto als auch Glencore lehnten eine Stellungnahme ab.
Deutsche Anleger wirkten bislang eher zurückhaltend bei Kryptoinvestments. Doch neue Zahlen zeigen, wie weit verbreitet Bitcoin und andere Cyberwährungen mittlerweile in Deutschland sind. Dem Handelsblatt liegen Daten zum Anlageverhalten von mehr als 330.000 Menschen in Deutschland vor, die in ihren Depots insgesamt sechs Milliarden Euro verwalten. Die Daten stammen von der Finanzplattform Getquin.
Für die Auswertung wurden die Depots nach ihrer Größe in vier Gruppen unterteilt. Dabei zeigte sich: Der Krypto-Anteil ist in den kleineren Depots am größten. Bei Anlegern, die über höchstens 3000 Euro verfügen, lag er zum Stichtag am 6. Januar 2025 bei elf Prozent. Bei den größten Depots mit über 100.000 Euro Depotvolumen sind es nur zwei Prozent. Repräsentativ sind die Daten nicht, aber für Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, zeigen sie,
Gerne würde ich dieses Morning Briefing mit einigen einfühlsamen Zeilen darüber beschließen, wie die Filme des Regisseurs David Lynch, der im Alter von 78 Jahren gestorben ist, meine Jugend geprägt haben. Wie wäre es hiermit:
Ob „Blue Velvet“, „Twin Peaks“ oder „Wild at Heart“ – Lynchs hypnotische Werke gehören ohne Zweifel zum kulturellen Inventar der Generation X.
Klingt ganz gut, oder?
Beurteilen kann ich es leider nicht, denn das einzige, woran ich mich bei „Twin Peaks“ und anderen Lynch-Werken erinnern kann, ist das Aufwachen beim Abspann. Das Hypnotische seiner Filme wirkte auf mich vor allem narkotisch.
Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Wochenausklang.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
PS – die Leserfrage für heute:
Würde Hans-Jürgen Jakobs noch einmal für einen Gastbeitrag im Morning Briefing zur Verfügung stehen? Ich mochte die Art der eingeflossenen Zitate und Analogien.
Zuletzt habe ich Hans-Jürgen im Herbst auf einer Geburtstagsfeier in Blankenese getroffen. Da wirkte er ganz froh, dass er nicht mehr zum abendlichen Morning-Briefing-Dienst antreten muss. Aber vielleicht bewirken diese Zeilen ja ein Umdenken und Hans-Jürgen kommt wie Oasis für ein paar letzte Konzerte zurück auf die Bühne? Ich halte Sie auf dem Laufenden.
Und mit dieser Antwort endet auch unsere kleine Serie mit Antworten auf Ihre Fragen. Ich hoffe, Sie haben sich darin wiedergefunden!