Schulden: Wie es zum großen Kompromiss zwischen Union, SPD und Grünen kam
Berlin. Als die fünf Verhandlerinnen und Verhandler am Freitagmorgen ins Bett gehen, geht draußen schon die Sonne auf. Die ganze Nacht haben Friedrich Merz (CDU), Alexander Dobrindt (CSU), Lars Klingbeil (SPD), Katharina Dröge und Britta Haßelmann (beide Grüne) durchverhandelt. Jetzt, vor der Schlussabstimmung des Finanzpakets, wollen sie zumindest ein klein wenig Schlaf finden.
Kurz nach 21 Uhr am Donnerstagabend hatten sie sich in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft getroffen, dem Abgeordnetenklub neben dem Bundestag. Bis etwa fünf Uhr morgens diskutierten die fünf Fraktionsspitzen. Es ging um alles: um bis zu 1,7 Billionen Euro neue Schulden, um die Verteidigungsfähigkeit des Landes – und um Merz’ Kanzlerschaft.
Am Ende stand die Grundeinigung. Bis 12.30 Uhr am Freitagmittag waren auch die letzten Details geklärt.
Ausgerechnet CDU-Chef Merz, der im Wahlkampf so vehement gegen höhere Schulden war, bringt nun das größte Schuldenprogramm der Nachkriegsgeschichte auf den Weg.
Dass es überhaupt zu einer Einigung kommen würde, danach sah es noch wenige Tage, ja wenige Stunden zuvor nicht aus. Das Handelsblatt hat mit Politikern, ihren Mitarbeitern und Beobachtern gesprochen und rekonstruiert, wie es hinter den Kulissen zur großen finanzpolitischen Wende kam.