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Morning Briefing PlusDeutschlands neue Nähe zu China

Beim Handelsblatt-Korrespondentenabend diskutierten Leser mit Journalisten über die globalpolitischen Herausforderungen – vom russischen Krieg über Trump bis zu einer heiklen Annäherung.Martin Knobbe 10.05.2025 - 08:03 Uhr Artikel anhören
Foto: Handelsblatt

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zurück zu unserem Blick auf die Themen, die uns diese Woche am meisten bewegt haben.

Die geopolitische Dynamik der jüngeren Vergangenheit ist enorm. Der nicht enden wollende Angriffskrieg Russlands, die dadurch verursachte Verschiebung in Lieferketten und Rohstoffversorgung, das erratische Entscheidungsmanagement des US-Präsidenten, das Deutschland und Europa zwingt, sich neue Partner zu suchen, für außenpolitische Initiativen, vor allem aber für den Handel.

Man neigt schnell zu Superlativen, aber vielleicht war es für Redaktionen wie das Handelsblatt noch nie so wichtig, auf globalpolitische Kompetenz zurückgreifen zu können, auf Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt also, die diese Dynamik mit ihrer wirtschaftlichen und politischen Expertise beschreiben, analysieren, kommentieren.

Einmal im Jahr kommen alle Korrespondenten des Handelsblatts aus dem In- und Ausland in der Düsseldorfer Zentrale mit den anderen Kolleginnen und Kollegen zusammen. Wir tauschen uns aus, überlegen, wie die Zukunft des Journalismus aussehen wird, wir planen zusammen neue Projekte und Themen. Gestern sind fast 200 Redakteure des Handelsblatts zu diesem Treffen gekommen.

Am Abend vorher laden wir traditionell Abonnentinnen und Abonnenten in Präsenz und per Livestream zum Korrespondentenabend ein. Und so fand am Donnerstag in der Toulouser Allee 27 eine kleine Weltreise statt.

Alexander Busch, seit Jahrzehnten Südamerikakorrespondent fürs Handelsblatt, erzählte von den zwei Gesichtern, die er beim argentinischen Präsidenten Javier Milei entdeckt hat. Unsere China-Korrespondenten Sabine Gusbeth und Martin Benninghoff berichteten, wie sich angesichts Trumps Zollwut das deutsch-chinesische Verhältnis verändert hat – und auch, welche Gefahren in der neuen Annäherung liegen.

Moderatorin Bastian, Korrespondenten Müller, Hanke, Kirst: Europa-Diskussion beim Korrespondentenabend des Handelsblatts Foto: Constantin Ranke fürs Handelsblatt

Mareike Müller, die über Osteuropa, Russland und vor allem die Ukraine berichtet, gab ihre Einschätzung ab, ob ein zeitnaher Frieden realistisch ist. Zwei unserer US-Korrespondenten, Annett Meiritz und Felix Holtermann, resümierten aus Ost- und Westküsten-Sicht die ersten Monate der Trump-Regierung. Und Asienkorrespondent Mathias Peer diskutierte mit Inga Rogg, Korrespondentin für den Mittleren Osten, und Moderatorin Nicole Bastian über die aktuellen Konflikte zwischen Indien und Pakistan – und im Gazastreifen.

Selbstverständlich durfte die europäische Perspektive nicht fehlen: Jakob Hanke, unser Büroleiter in Brüssel, sprach mit Mareike Müller über die Wettbewerbsfähigkeit von Europa. Unsere Rom-Korrespondentin Virginia Kirst stieß mit Sekundenverspätung dazu, sie musste zuvor nur noch eben einen Text über den neuen Papst fertigstellen, dessen Wahl während der Veranstaltung bekannt wurde – und gab auch gleich ihre Einschätzung über Leo XIV. ab.

Mehr als 250 Zuhörer beim Korrespondentenabend in Düsseldorf Foto: Constantin Ranke fürs Handelsblatt

Unsere Gäste beim Handelsblatt erlebten also Journalismus in Echtzeit. Und mir wurde einmal mehr klar, wie wertvoll es ist, so viele fachkundige Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt zu haben.

Einen Link zur Aufzeichnung des Abends bekommen alle Abonnenten am Montag zugeschickt.

Was uns diese Woche noch beschäftigt hat:

1. Am Dienstag war selbst die neue Opposition im Bundestag besorgt. „Mir ist angst und bange“, sagte Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen, meinen Kollegen aus der Hauptstadtredaktion. Friedrich Merz war im ersten Wahlgang zum Kanzler durchgefallen, mindestens 18 Abgeordnete aus Union und SPD hatten gegen ihn gestimmt. „Früher hätte eine Opposition gejubelt. Heute aber profitieren nicht mehr die einen Demokraten, wenn die anderen straucheln“, schreiben die Kollegen in ihrer detaillierten Rekonstruktion dieses historischen Wahlkrimis, in dem es aus Merz’ Sicht schließlich doch ein Happy End gab.

2. Merz regiert nun eine Republik, die im dritten Jahr ohne Wachstum steckt. Und wenn die Wirtschaft scheitert, dann oft auch die Demokratie – dieser Zusammenhang ist von Ökonomen gut belegt. Gleichwohl: Man sollte die Lage nicht dramatisieren – aber auch nicht verharmlosen. Denn die selbsternannte Alternative steht bereit. Markus Söder spricht von der „letzten Patrone“ der politischen Mitte. Meine Kolleginnen und Kollegen beschreiben drei ökonomische Hebel, die Merz und der Demokratie helfen könnten: Fachkräfte, Kapital, Produktivität. Genau daran fehlt es dem Land. Doch das Potenzial ist da. Wie die Wirtschaftswende Zukunft gelingen kann – und was wir aus der Personalpolitik von McDonald’s lernen sollten – das lesen Sie in unserem Freitagstitel.

Unser Freitagstitel: So kommt Deutschland aus der Stagnation Foto: Mona Eing / Michael Meissner

3. Dass es bis zum Gelingen noch ein weiter Weg ist, belegen andere Geschichten aus dieser Woche. Stichwort Kapital: Gerade für Zukunftsinnovationen in Deutschland und Europa fallen US-Investoren zunehmend aus, berichtet meine Kollegin Nadine Schimroszik am Beispiel der Deeptech-Szene. So sei der Anteil von US-Investoren an dem in Deutschland im ersten Quartal investierten Risikokapital laut einer KfW-Erhebung auf nur noch 13 Prozent gesunken. Und die Folge? Es muss in Deutschland und Europa mehrere auf Deeptech konzentrierte Wachstumsfonds geben.

4. Auch für eine andere Hoffnungsbranche gab es in dieser Woche eine Hiobsbotschaft. Bislang weitgehend unbekannte Konkurrenten aus China, schreiben meine Kollegen Theresa Rauffmann und Martin Benninghoff, würden immer häufiger an den Hoffnungsträgern der deutschen Biotech- und Pharmaindustrie vorbeiziehen – bei lukrativen Deals für Lizenzen, bei der Zahl klinischer Studien, selbst bei der Entwicklung innovativer Medikamente. Es ist ein heftiger Warnschuss für die Branche: Verlagert sich immer mehr Forschung und Entwicklung nach Asien, kann das zu einem Talent- und Kapitalabfluss in Deutschland führen.

5. Scharfe Warnung auch an einen CEO: Auf der Hauptversammlung von Mercedes Benz ging es heiß her. Chef Ola Källenius musste einstecken: „China läuft nicht, ‚Electric only‘ läuft nicht, USA läuft nicht“, sagte ein Fondsmanager. Den Investoren zufolge habe Mercedes anders als BMW „zentrale Branchentrends“ verschlafen, wie unser Reporter Franz Hubik berichtete. Dabei war auch bei BMW der Gewinn zuletzt um mehr als ein Viertel eingebrochen. Warum der Münchener Autobauer dennoch Grund zu Optimismus hat und wie Oliver Zipse einen Zolldeal mit Donald Trump einfädeln könnte, hat Markus Fasse für Sie aufgeschrieben.

6. „Ich bin nicht Ludwig Erhard“, sagte Katherina Reiche, als sie am Mittwoch ihr Amt offiziell antrat. Am selben Tag kündigte die neue Wirtschaftsministerin eine Politik „im Geiste Erhards“ an. Was nun? Verglichen mit ihrem Vorgänger Robert Habeck steht Reiche jedenfalls eher für Ordnungspolitik als für Subventionen. Und der Erhard-Vergleich? Mein Kollege Julian Olk hat vor Ort den Überblick behalten. Und für Sie außerdem aufgeschrieben, wer neben Reiche im Ministerium wohl das Sagen haben wird.

Robert Habeck, Katherina Reiche: Wechsel im Wirtschaftsministerium Foto: REUTERS

7. Es war auch die Woche großer Abschiede: Warren Buffett kündigte an, die Leitung der von ihm gegründeten Holding Berkshire Hathaway an Greg Abel abzugeben. Der 94-jährige Buffett will immerhin Verwaltungsratschef bleiben. Astrid Dörner und Frank Wiebe haben analysiert, welche Perspektiven die Aktie nun hat. Bill Gates will seine Foundation – die weltweit größte Privatstiftung – immerhin noch bis 2045 weiterführen, dann aber final schließen. Bis dahin sollen noch 200 Milliarden Dollar vergeben werden. Im Interview mit Thomas Jahn teilte Gates auch kräftig gegen Elon Musk aus, den er für die Kürzungen bei der US-Entwicklungshilfe verantwortlich macht. „Es kommt nicht oft vor, dass Entscheidungen getroffen werden, die den Tod von Millionen von Kindern zur Folge haben“, sagte Gates. „Aber genau das ist hier der Fall.“

Philanthrop Gates: 200 Milliarden Dollar zu verschenken Foto: AP

8. Ob bei Lähmungen, Sprachverlust oder Parkinson: Gehirnchips haben das Potenzial, schwere Krankheiten zu heilen. Firmen wie „Neuralink“, die Elon Musk gegründet hat, treiben die Technologie voran. Patienten sollen plötzlich wieder gehen, sprechen oder Gitarre spielen können. Doch der Hype birgt ethische Dilemmata: Wer kontrolliert die Gedanken? Felix Holtermann, Theresa Rauffmann und Maike Telgheder liefern Einblicke in eine Branche zwischen Heilung und Hightech.

9. Satte Renditen bei Immobilienkäufen sind schon lange kein Selbstläufer mehr. Wer trotzdem von Wertsteigerung profitieren will, muss den Taschenrechner rausholen. Oder einfach unseren Handelsblatt-Wohnatlas lesen, der auf exklusiven Berechnungen beruht. In welchen Städten sich der Kauf lohnt und warum in ländlichen Regionen Ostdeutschlands reale Preisverluste drohen, lesen Sie hier.

Hamburg-Blankenese: Die Hansestadt gehört zu den teuersten Städten Deutschlands. Foto: Westend61/Getty Images

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende.

Bleiben Sie zuversichtlich!

Herzlich

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Martin Knobbe

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