Militär: Frankreich will freiwilligen Wehrdienst einführen
Paris. Auch Frankreich plant einen freiwilligen Wehrdienst. Das kündigte Präsident Emmanuel Macron bei einem Termin in den französischen Alpen bei Grenoble vor der Gebirgsbrigade an. Er begründete das Programm, das für junge Menschen im Alter von 18 und 19 Jahren vorgesehen ist, mit der „wachsenden Bedrohung“ und dem Krieg vor den Türen Europas. Die Jugend habe keine Angst, sich für die Nation zu engagieren, sagte Macron.
„Wir wollen weiterhin die wirksamste Armee Europas bleiben“, führte er weiter aus. „Zahlreiche Nachbarn in Europa sind dabei, einen nationalen Dienst wieder einzuführen.“
Frankreich hatte den verpflichtenden Wehrdienst 1997 unter Präsident Jacques Chirac abgeschafft. Eine Wiedereinführung einer Wehrpflicht ist demnach nicht vorgesehen.
Der neue Wehrdienst soll 2026 beginnen und die Armee für den Notfall in einer Zeit stärken, in der an diversen Orten neue Konflikte entstehen. Der Wehrdienst sei ein Zeichen der „Abschreckung“, sagte Macron.
Zugleich betonte der Präsident, dass es aber nicht darum gehe, „unsere jungen Leute in die Ukraine“ zu schicken. Die jungen Freiwilligen würden ausschließlich in Frankreich selbst und in den französischen Außengebieten dienen und nicht Teil von Militäreinsätzen des Landes im Ausland sein.
Ab 2035 sollen 50.000 Freiwillige im Jahr ausgebildet werden
Der neue Militärdienst wird in einer Zeit eingeführt, in der Frankreich stark verschuldet ist. Die Soldaten müssen untergebracht, ausgestattet und ausgebildet werden. Der Aufbau soll deshalb in Etappen ab Sommer 2026 geschehen.
Im ersten Jahr sollen 3000 Personen ausgebildet werden, 2030 dann 10.000. Ziel ist es, ab 2035 jährlich 50.000 junge Franzosen zu schulen. Experten halten diese Zahl allerdings für schwer erreichbar.
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Der Wehrdienst soll zehn Monate dauern und besteht aus einem Monat Militärausbildung sowie neun Monaten Einsatz in einer Einheit. Die Bezahlung wird noch festgelegt, in französischen Medien wird über 900 bis 1000 Euro im Monat spekuliert.
Konkret soll der neue Dienst dazu beitragen, eine Personalreserve für Krisenzeiten zu schaffen: Die Zahl der aktiven Soldaten der französischen Armee soll bis 2030 um 10.000 auf 210.000 steigen, die der Reservesoldaten von 45.000 auf 80.000.
Dafür wird das Verteidigungsbudget bis 2027 auf 64 Milliarden Euro erhöht. Das entspricht einer Verdopplung gegenüber Macrons Amtsantritt 2017.
Franzosen stimmen freiwilliger Wehrpflicht zu
Sowohl in den verschiedenen politischen Lagern als auch in der Bevölkerung wird die Initiative positiv aufgenommen. „Die Vorstellung, dass sich eine ganze Nation in den Dienst ihrer Verteidigung stellt, ist ein Element der Abschreckung und somit ein wichtiges Element in einer Zeit, in der wir wissen, dass die Abschreckung wiederhergestellt werden muss, um künftige Konfrontationen zu verhindern“, sagte etwa Sozialistenchef Olivier Faure.
Unter den Franzosen wünschen 83 Prozent einen freiwilligen Wehrdienst, wie eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsunternehmens CSA ergibt. Nach einer Umfrage des Instituts Ipsos aus dem Frühjahr votierten sogar 53 Prozent für einen verpflichtenden Dienst, bei den unter 35-Jährigen stimmten 41 Prozent dafür.
Frankreich stimmt sich dabei laut Regierungsquellen auch mit anderen europäischen Ländern wie Deutschland ab, das ebenfalls dabei ist, einen freiwilligen Wehrdienst einzuführen, und möglicherweise ein Losverfahren einsetzt, sollten sich nicht genügend Freiwillige finden. Im Gegensatz zu Deutschland gebe es in Frankreich kein Problem mit der Rekrutierung, jedes Jahr fänden sich genug Menschen, die sich zu Soldaten ausbilden lassen wollten, heißt es in Paris.
Deutschland will die Truppenstärke der Bundeswehr von derzeit 182.000 auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten erhöhen. Außerdem sollen künftig 200.000 Reservekräfte bereitstehen.
Das Image der Armee in Frankreich ist traditionell positiver als das der Bundeswehr in Deutschland. So gibt es kaum Widerstand dagegen, dass Soldaten seit den Attentaten in Paris 2015 öffentliche Plätze bewachen. Auch die traditionelle Militärparade zum 14. Juli auf den Champs-Elysées wird kaum infrage gestellt.
Zur Verankerung des Militärs in der Gesellschaft trägt bei, dass die Gendarmerie mit ihren rund 100.000 Mitarbeitern dem Verteidigungsministerium unterstellt ist. Außerdem kommen alle Schüler mindestens einen Tag lang mit dem Militär in Kontakt: Ohne eine Teilnahme beim Journée Défense et Citoyenneté kann man kein Abitur ablegen.