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NorthvoltSiemens steigt bei Europas erster Gigafactory für E-Auto-Batterien ein

Bislang kommen Batterien für E-Autos größtenteils aus Asien. Ein schwedisches Start-up will das jetzt ändern – und bekommt prominente Unterstützung.Kathrin Witsch 25.05.2018 - 15:52 Uhr Artikel anhören

Siemens beteiligt sich am Aufbau der ersten großen Batteriezellen-Fabrik in Europa.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der erste Spatenstich für die Testanlage der Gigafactory des schwedischen Tech-Konzerns Northvolt ist schon getan. Noch in diesem Jahr soll in dem beschaulichen Västeras die Produktion von Europas größter Fabrik für Lithium-Ionen-Zellen und Elektroauto-Batterien starten. Nun hat Siemens eine weitläufige Kooperation mit Northvolt verkündet, plus ein Startkapital von zehn Millionen Euro.

Die eigentliche Fabrik soll, wenn alles nach Plan läuft, dann in Skelleftea, 800 Kilometer nördlich von Stockholm stehen und wäre die erste ihrer Art. Grund dafür ist unter anderem der neu entdeckte E-Auto-Enthusiasmus europäischer Autobauer.

Bis 2025 will Volkswagen 50 Elektroauto-Modelle und 30 Plugin-Hybridautos anbieten. Daimler bastelt an einer eigenen Elektroauto-Marke, BMW will sein Angebot ebenfalls ausweiten, Tesla drängt mit seinem Einstiegsfahrzeug Model 3 nach Europa - und auch japanische Hersteller wittern ihre Chance.

Bisher stammen die dafür benötigten Zellen von japanischen und koreanischen Herstellern wie LG Chem und Samsung in Korea, Panasonic in Japan oder Lishen in China. Doch Batteriezellen sind schwer und aufwändig zu transportieren.

Immer mehr Manager und Politiker, auch auf EU-Ebene, fordern deswegen eigene Produktionsstätten in Europa. Es stehen immerhin Tausende potenzielle Arbeitsplätze und Wertschöpfung auf dem Spiel. Für viele Autokonzerne ist außerdem wichtig, dass sie nicht auf Produzenten angewiesen sind, die tausende Kilometer entfernt sind.

Aber in kaum einem Bereich gibt sich die deutsche Zulieferer-Industrie so zurückhaltend wie bei der Produktion von Akkus für Elektromobile oder Stromspeichern. Während LG Chem und Samsung schon Fabriken in Polen und Ungarn bauen, ist Northvolt das erste europäische Unternehmen, dass sich an das Projekt Gigafactory wagt.

Die beiden Gründer Peter Carlsson und Paolo Cerruti sind zwei ehemalige Tesla-Topmanager. Schon 2019 wollen sie mit einer Kapazität von acht Gigawattstunden (GWh) ins Rennen um die Pole-Position auf dem hart umkämpften Zukunftsmarkt gehen.

Zunächst startet der Testbetrieb mit einer Auslastung von 125 Megawattstunden. 2023 soll dann die finale Kapazität von 32 GWh erreicht werden. Das entspricht etwa 640.000 Autos mit einer mittelgroßen Batterie. Dafür müssen die Investoren tief in die Taschen greifen: Bis zu 1,5 Milliarden Euro braucht Northvolt allein für den ersten Ausbauschritt für die Massenproduktion. Schwedische Medien berichten allerdings immer wieder über die Finanzierungsschwierigkeiten des Startups.

Zu den bisherigen Geldgebern zählen Vattenfall, die VW-Tochter Scania und auch der Schweizer Industrieriese ABB. Die benötigten 100 Millionen Euro für die erste Testproduktion haben die Schweden damit zusammen. Siemens ist als jüngster Investor dazugekommen. Aber nicht nur das.

Das Münchner Unternehmen will seine gesamte Automatisierungspalette nach Skelleftea liefern. Wenn die Fabrik in die Massenherstellung gehe, werde Siemens Northvolt zu einem bevorzugten Batterie-Lieferanten machen. „Das ist für uns ein unglaublich wichtiges Thema“, sagte Jan Mrosik, CEO der Siemens-Division Digital Factory dem Handelsblatt.

Ein solches Start-up brauche einen Anschub, damit Europa endlich auch eine eigene Batteriefabrik habe. „Wir haben heute schon Engpässe, weil die Kapazitäten der bestehenden Produzenten bei der großen Nachfrage nicht hinterherkommen.“ Hier sehe man zukünftig einen hohen Bedarf in Europa, sagt Mrosik.

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Außerdem sei die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern aktuell zu hoch. Insbesondere in China wächst die Produktion zwar rasant, aber der Bedarf ebenso. Deutschland sollte nicht auf eigene Produktionsstätten verzichten, sagt der Digital Factory-CEO.

Auch Northvolt-Chef Peter Carlsson geht von einem Unterangebot in den nächsten Jahren aus. „Europa ist neben China der wichtigste Treiber beim Übergang zur E-Mobilität“, erklärt Carlsson. Man gehe davon aus, dass die Fabrik in Skelleftea nicht die einzige bleiben wird.

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Die Erwartungen sind riesig: Allein in den nächsten sieben Jahren könnte der Markt für Batterien auf 90 Milliarden US-Dollar anwachsen. Das prognostiziert das Beratungshaus Arthur D. Little in einer aktuellen Studie. „Die Batterietechnologie erlebt die größte Disruption in ihrer 150-jährigen Geschichte“, heißt es darin. Arthur D. Little rechnet damit, dass die steigende Nachfrage der neuen Generation Lithium-Ionen-Batterien einen relativ schnellen industriellen Durchbruch verschaffen wird.

Eine deutsche Gigafactory ist bislang allerdings noch nicht in Planung. Daimler hatte eine eigene Fertigung in Kamenz vor drei Jahren eingestellt. Zuletzt hat auch die Europäische Kommission ihre Aktivitäten erhöht und hofft, dass sich europäische Firmen in einem Batterie-Konsortium zusammentun.

Einige kleinere deutsche Unternehmen haben sich bereits verbündet, TerraE beim Aufbau einer deutschen Batterieproduktion zu unterstützen. Das Frankfurter Start-up ging im Mai 2017 an den Start und will bereits im Jahr 2019 Batterien für Elektrofahrzeuge produzieren. Wo genau, ist bislang unklar.

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