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Vordenkerin Verena Pausder„Mit digitaler Bildung erreichen wir mehr soziale Teilhabe und Gerechtigkeit“

Verena Pausder ist Teil des Vordenker-Jahrgangs 2020. Die einflussreiche Unternehmerin erklärt, wie sie das deutsche Bildungssystem reformieren möchte.Carina Kontio 24.08.2020 - 09:43 Uhr Artikel anhören

Die Mehrfachgründerin gilt als eine der einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft.
Credit: privat)

Foto: Handelsblatt

Bonn. Unsere Arbeit und unsere Umwelt werden sich durch die Digitalisierung immer weiter verändern. Eine dabei wichtige Frage: Wann und wie führt man Kinder an den Umgang mit digitaler Technologie heran? Kinder mit der Digitalisierung vertraut zu machen, ist das Herzensanliegen und Spezialgebiet von Mehrfachgründerin Verena Pausder (Fox & Sheep, Haba Digitalwerkstätten).

2017 gründete die 41-jährige Unternehmerin, die selbst Kinder im Grundschulalter hat, den Verein Digitale Bildung für Alle. „ Den Verein habe ich gegründet, damit digitale Bildung wirklich alle Kinder erreicht und wir das Versprechen einlösen, dass wir mit digitaler Bildung mehr soziale Teilhabe und Gerechtigkeit erreichen als ohne“, erklärt Pausder im Gespräch.

Die Vordenker-Jury ist überzeugt: „Als Vorständin der Digitale Bildung für Alle ist Verena Pausder maßgeblich für den schulischen Erfolg vieler Schülerinnen und Schüler verantwortlich, denn sie stellt die Weichen, damit diese Kinder auch in schwierigen Zeiten den Zugang zu Bildung nicht verlieren.“

Gleichzeitig setzt sich die Unternehmerin, die als eine der einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft gilt, mit der Initiative „Stayonboard“ für die rechtliche Möglichkeit ein, dass Vorstände und Vorständinnen auch Elternzeit und weitere Auszeiten nehmen können. Außerdem ist die gebürtige Ostwestfälin Mit-Initiatorin von Startup Teens, einer Initiative, die 14- bis 19-jährige Schüler fürs Unternehmertum begeistern möchte.

Gerade wurde Verena Pausder als Mitglied in die Vordenker-Community aufgenommen, eine Initiative des Handelsblatts und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG). Im Interview spricht sie über Deutschlands digitales Bildungsproblem, über Eigenschaften, die eine Gründerin braucht, und ihre Vorstellung von gelungenem Leadership.

Lesen Sie hier das komplette Interview

Frau Pausder, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Ganz bescheiden: Olympiasiegerin – je nach Tagesform in einer anderen Disziplin.

Sie haben 2017 den Verein Digitale Bildung für Alle gegründet: Um was handelt es sich dabei und wofür ist es nützlich?
Den Verein habe ich gegründet, damit digitale Bildung wirklich alle Kinder erreicht und wir das Versprechen einlösen, dass wir mit digitaler Bildung mehr soziale Teilhabe und Gerechtigkeit erreichen als ohne. Bisher ist die Realität eher die, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten nächtelang Fortnite spielen, während Kinder aus dem Bildungsbürgertum zum Programmierkurs gefahren werden. Mit dem Verein bilden wir Lehrer*innen fort, führen Kurse an Brennpunktschulen durch, ermöglichen Kindern die kostenlose Teilnahme an digitalen Bildungsinhalten und mischen uns politisch ein, um die Rahmenbedingungen für digitale Infrastruktur an den Schulen zu verbessern.

Gleichzeitig setzen Sie sich mit der Initiative „Stayonboard“ für die rechtliche Möglichkeit ein, dass Vorstände und Vorständinnen auch Elternzeit und weitere Auszeiten nehmen können. Welche Erfolge konnten Sie schon verzeichnen?
Politiker fast aller Parteien haben uns öffentliche Unterstützung zugesagt und bereits Anträge in den Bundestag oder beim Parteitag eingereicht. Hinzu kommt der überwältigende Zuspruch aus der Wirtschaft, Gesellschaft und den Medien, der uns zeigt, dass die Zeit für diese Gesetzesänderung reif ist.

Wie definieren Sie ein erfolgreiches Unternehmen? Ist es nur finanzieller Erfolg oder gibt es auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen?
Ein Unternehmen ist für mich dann erfolgreich, wenn es eine positive „triple bottom line“ hat, das heißt ökonomisch, gesellschaftlich und ökologisch gut aufgestellt ist. Unternehmenserfolg bemisst sich dann nicht allein am Umsatz und Gewinn, sondern Themen wie Mitarbeiterbeteiligungsprogramme, die Reduktion von CO2-Emissionen oder die Umsetzung der UN Global Goals spielen eine ebenso wichtige Rolle.

Gibt es Charakterzüge, die für eine Führungsposition unabdingbar sind?
Für mich zeichnet sich eine sehr gute Führungskraft durch ein hohes Maß an Empathie aus. Die Fähigkeit sich in seine Mitarbeiter, Kunden und sonstigen Stakeholder hineinzuversetzen, sie wirklich verstehen zu wollen und mit ihnen gemeinsam an Problemlösungen und Produkten zu arbeiten ist für mich ein wesentlicher Charakterzug, besonders in sich stark verändernden Märkten und Industrien.

Und gibt es solche Eigenschaften auch in Bezug auf die Gründung des eigenen Start-ups?
Als erstes fällt mir da Resilienz ein. Als Startup-Gründer*in musst du dich gegen so viele Widerstände durchsetzen. Meistens verändert sich noch zig mal das Geschäftsmodell, bevor es richtig funktioniert und hinzu kommt, dass man gerade am Anfang als Verlust machendes Unternehmen immer mit dem Rücken zur Wand oder vor der nächsten Finanzierungsrunde steht. Sich also immer wieder hochkämpfen, nicht aufgeben, Rückschläge sportlich nehmen und nie die Motivation verlieren, den Durchbruch zu schaffen, sind Kerneigenschaften von Gründer*innen.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
„Das traue ich meinen Mitarbeitern nicht zu.“

Bitte ergänzen Sie den Satz: In Konfliktsituationen bin ich…?
…sehr ruhig und konzentriert.

Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-)Ergebnisse der vergangenen drei Jahre?
Die Gründung des Digitale Bildung für Alle, der Launch der Bildungs-Website www.homeschooling-corona.com Anfang März und die Mitinitiierung des größten Bildungshackathons des Landes #wirfürschule.

In den kommenden drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
Auf meiner ewigen To-Do-Liste steht „Programmieren lernen“, das ist also überfällig. Nur irgendwie hat der Tag immer zu wenig Stunden oder wir zu viele Kinder.

Was ist Ihr langfristiges Ziel beziehungsweise Vision?
Das Bildungssystem in Deutschland zu reformieren und dafür zu sorgen, dass digitale Infrastruktur an jeder Schule des Landes umgesetzt wird.

Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
Habe ich gerade gemacht. Es heißt „Das Neue Land“, erscheint am 8. September 2020 und ist ein Appell, die Zukunft mitzugestalten und nicht darauf zu warten, dass sich andere darum kümmern.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Schulleiterin oder Fußballerin. Auch wenn ich für letzteres eigentlich zu alt bin.

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Möchten Sie sonst noch etwas teilen?
Ich habe dieses Interview gegeben, während meine kleine Tochter in Dauerschleife „Du da im Radio“ von Rolf Zuckowski gehört hat. Ich bitte Sie, dies bei meinen Antworten zu berücksichtigen (lacht).

Frau Pausder, vielen Dank für das Interview.

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