Vorbilder des Jahres: Die Geimpften: Ein Lob auf die Freiheit
Die Jury hat die Geimpften zu den Vorbildern des Jahres ernannt.
Foto: HandelsblattEin Vorbild für alle. Es sind diejenigen, die sich ohne jeden Zweifel und ohne jede Frage sofort haben impfen lassen. Es sind die Skeptischen, die sich nicht sicher sind, ob eine Impfung wirklich hilft, ob es nicht unerwünschte Nebenwirkungen gibt oder gar Langzeitschäden.
Fragen zu stellen und sich Sorgen zu machen ist angesichts der aktuellen globalen Krise absolut berechtigt und nur allzu menschlich. Gerade deshalb sind Menschen, die sich trotz ihrer Fragen und Bedenken haben impfen lassen, Vorbild.
Denn meist haben sich diese Menschen informiert. Sie haben versucht, sich in dem Wirrwarr von Meinungen und Nachrichten zurechtzufinden.
Sie sind nicht den Verschwörungstheoretikern auf den Leim gegangen, haben wirre Theorien und unwissenschaftliche Behauptungen und die noch problematischeren pseudowissenschaftlichen Thesen kritisch hinterfragt und stets versucht, wissenschaftliche Antworten auf ihre absolut gerechtfertigten Fragen zu finden. Haben Fachleute um Rat gefragt, recherchiert und selbst nachgedacht und sich bewusst für das Impfen entschieden.
Philipp Rösler hat als ehemaliger Bundesgesundheitsminister (2009 -2011) die Coronapandemie besonders im Blick. Im April 2020 half der 48-Jährige bei Aufbau und Koordination einer Covid-19-Behelfs- klinik der Medizinischen Hochschule Hannover, an der er selbst zum Arzt ausgebildet wurde. Von 2011 bis 2013 war Rösler Bundeswirtschaftsminister, Vizekanzler und FDP-Bundesvorsitzender. Danach wechselte er in die Wirtschaft. Er ist CEO der Concessor AG und hält mehrere Aufsichtsratsmandate.
(Foto: Consessor AG, Zug, Schweiz)
Foto: HandelsblattDie ganzen praktischen Herausforderungen für die Vorbilder 2021 dürfen dabei ebenso wenig vergessen werden. Gerade in der Anfangsphase der Impfkampagne gab es zahlreiche Herausforderungen: Das Beantragen eines Impftermins auf langsamen oder gar abstürzenden Homepages, das Warten auf den Aufruf der passenden Altersgruppe, das Anstehen bei Wind und Wetter in einem der Impfzentren, das Warten auf den QR-Code nach erfolgreicher Impfung, gegebenenfalls auch das Aushalten von unerwünschten Nebenwirkungen.
All das haben die Geimpften auf sich genommen. Sie haben sich bei ihrer Entscheidung für das Impfen nicht verunsichern und von den praktischen Herausforderungen nicht abschrecken lassen.
Ganz besonders vorbildlich sind diejenigen, die tatsächlich unerwünschte Nebenwirkungen durchmachen mussten und sich dennoch auch ein zweites Mal haben impfen lassen. Mehr noch, auch die dritte Impfung ist bereits fest eingeplant oder sie haben den Impfbooster sogar bereits erfolgreich erhalten. Für den eigenen Schutz und auch den Schutz anderer vor Covid-19 und seinen Varianten.
Ebenso vorbildlich ist es, die unzähligen Fragen anderer geduldig zu beantworten, warum man sich hat impfen lassen, wie die Impfreaktionen waren und ob man sich wieder impfen lassen wird.
Trotz aller Herausforderungen tragen Geimpfte entscheidend mit dazu bei, dass sie selbst geschützt sind, unser Gesundheitssystem – und alle die dort arbeiten – nicht überlastet werden und dass andere, Schwächere, ebenso besser geschützt werden. Sie setzen ein Zeichen für die Vernunft, für auf Wissenschaft basierte Entscheidungen.
Nicht in Sorgen verlieren
Geimpfte tragen dazu bei, dass in unserer Gesellschaft schnellstmöglich wieder ein einigermaßen normales Leben möglich wird. Ein Leben in Freiheit, denn alle Maßnahmen der vergangenen beiden Jahre, Lockdown, Lockdown light, Besuchseinschränkungen, Einschränkungen der Reisefreiheit, ja sogar verfassungsrechtlich fragliche Ausgangssperren, all diese Maßnahmen waren nur Notlösungen, um Ansteckungen zu reduzieren und eine weitere Verbreitung von Covid-19 zu verhindern.
Am Ende aber wird nur eine hohe Impfquote in der Lage sein, uns allen ein Leben ohne diese freiheitseinschränkenden Maßnahmen wieder zu ermöglichen. Denn letztlich gibt es nur zwei Möglichkeiten das Virus zu bekämpfen: Entweder die Menschen absolut zu isolieren, um so jede Übertragung zu verhindern, oder eine Impfquote jenseits der 85 Prozent.
Die erste Möglichkeit würde eine Gesellschaft mit gesundheitlicher Sicherheit vor Infektionen, aber mit massiver Einschränkung der gesellschaftlichen Freiheit bedeuten. Die zweite Möglichkeit ermöglicht beides: gesundheitliche Sicherheit und gesellschaftliche Freiheit.
Mehr noch, impfen bedeutet auch Solidarität im besten Sinne. Die Starken, in diesem Fall die Geimpften, helfen den Schwachen, den Ältesten, den Jüngsten und den Immungeschwächten. Ohne jede Frage ist deshalb Impfen Gesundheits- und Freiheitsschutz gleichermaßen. Mit Fug und Recht kann man deshalb sagen, dass Geimpfte beides sind, Vorbilder und Freiheitskämpfer.
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Heute, in Covid-Zeiten, aber auch in künftigen Krisen gilt: Sich nicht in Sorgen und Ängsten zu verlieren, sondern auf Fakten, Wissen und Wissenschaft zu besinnen, ideologische Theorien und fragwürdige Behauptungen kritisch zu beleuchten, sich stets die Mühe zu machen, selbst zu denken und für sich und andere Verantwortung zu übernehmen, all dies wird auch weiterhin der beste Weg sein, um ein Leben in Freiheit zu erhalten.
Für die eigene Familie, für sich selbst, für andere – eben für eine freie Gesellschaft. Geimpfte sind Vorbilder für Gesundheitsschutz, Solidarität und für eine zivilisierte und freie Gesellschaft, die auf Gemeinwohl, Vernunft, Verstand und Wissen aufgebaut ist.
Es bleibt der Jury deshalb nur, den Vorbildern des Jahres 2021 – den Geimpften – zu danken. Doch unabhängig davon, viel wichtiger ist, dass die bisher noch nicht geimpften Menschen, sich die Geimpften als Vorbild nehmen.
Zu Beginn der Covidkrise kursierte der Hinweis, dass es noch nie so leicht war, Leben zu retten und ein Held oder eine Heldin zu sein – einfach durch das simple zu Hause bleiben. Jetzt gilt, dass jeder und jede von uns Leben retten und gleichzeitig Vorbild sein kann – durch die Impfung.
Die Milliardärin hilft dabei, München zur Stadt der Zukunft zu machen.
Foto: dpaSusanne Klatten
Der Bundeswehr-Hauptmann setzt sich für ehemalige Ortskräfte in Afghanistan ein.
Foto: imago images/Jürgen HeinrichWenn es darum geht, aus München die Stadt der Zukunft zu machen, dann ist Susanne Klatten nicht weit. Gleich zwei neue Institutionen hob die Großaktionärin des BMW-Konzerns 2021 aus der Taufe. „Familienunternehmertum“ heißt die neueste Gründung. Es ist eine Start-up-Initiative, die Klatten mit der TU München betreibt. Hier sollen Mittelständler in die Digitalisierung geboostert werden.
Im „Munich Urban Colab“ sollen sich Verwaltung und Start-ups zusammenschließen und die Stadt der Zukunft planen. Das Ziel: München soll Europas Innovations-Hotspot werden. Innovativer soll auch BMW werden, das nach wie vor wichtigste Asset im Klatten-Portfolio. Hier übt die Milliardärin über ihren Aufsichtsratsposten Druck aus.
BMW ist jüngst bei der Elektromobilität hinter Tesla zurückgefallen. Nun will Konzernchef Oliver Zipse mit den neuen Modellen „i4“ und „iX“ wieder aufschließen. Vorerst verdient der Konzern sein Geld aber noch mit Verbrennungsmotoren in SUV-Modellen wie dem X7. Das soll sich ändern: Die grünsten Elektroautos sollen künftig von BMW kommen, verspricht Zipse. Markus Fasse
Marcus Grotian
Der Chef des Schweizer Unternehmens Meyer Burger will die Solarindustrie in Deutschland zurückholen.
Foto: Meyer BurgerNach dem Ende der Mission der Deutschen in Afghanistan im Juli und als die Taliban das Land wieder einnahmen, wurden Einsatzkräfte schnell wieder nach Deutschland geholt. Nur viele Ortskräfte, die die Bundeswehr als Dolmetscher oder Köche unterstützt hatten, blieben zurück. Marcus Grotian, Hauptmann bei der Bundeswehr, setzte sich für sie ein.
Er war selbst 2011 als Panzergrenadier in Afghanistan. Mit seinem Verein „Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte“ sammelt Grotian Spenden, um sichere Unterkünfte für Ortskräfte in Kabul zu mieten. Tausende sollen sich noch in Afghanistan befinden, denen durch die Taliban Vergeltung droht.
Außerdem unterstützt sein Verein Afghanen in Deutschland bei Integration und Behördenwegen. Bis jetzt konnte er außerdem 184 Personen nach Deutschland bringen. Nicht genug, sagt er: „Wir würden uns wünschen, dass man uns als Mitstreiter bei der Rettung der Ortskräfte aktiv einbindet, wie es in den USA durch die Regierung durchgeführt wird.“ Melanie Raidl
Gunter Erfurt
Die 53-Jährige macht als Chief Product & Marketing Officer bei Lego vieles richtig.
Foto: LegoDer ehemalige Manager des Photovoltaik-Pioniers Solarworld hat sich nichts Geringeres zum Ziel gesetzt, als die tot geglaubte Solarindustrie in ihrem Geburtsland Deutschland wieder zum Leben zu erwecken. Gunter Erfurt ist Chef des Schweizer Unternehmens Meyer Burger.
Mittlerweile hat sich der ehemalige Maschinenbauer auf die Produktion von Solarzellen verlegt und ist damit recht erfolgreich. In den einstigen Produktionsstätten von Solarworld und Sovello im sächsischen Freiberg und in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt laufen die Bänder wieder und produzieren seit diesem Jahr 400 Megawatt an Solarzellen.
Bis 2022 sollen die Kapazitäten auf 1,4 Gigawatt ausgeweitet werden. Erfurts Beispiel sind Unternehmen wie Rec in Norwegen oder die Greenland Factory in Spanien gefolgt. Auch wenn 90 Prozent der weltweiten Produktion immer noch aus Asien kommen – die europäische Solarindustrie lebt. Kathrin Witsch
Julia Goldin
Es war ein Schritt, der weltweit für Schlagzeilen sorgte: Am 11. Oktober kündigte Julia Goldin an, dass Lego künftig keine Produkte mehr speziell für Jungs oder Mädchen kennzeichnen werde. Das Datum war kein Zufall, denn es handelte sich um den Internationalen Mädchentag.
Die 53-Jährige ist als Chief Product & Marketing Officer die mächtigste Frau beim weltgrößten Spielwarenhersteller. Mit ihr steht und fällt das dänische Familienunternehmen. Denn Produktentwicklung und Werbung sind die zwei Kernbereiche des Klötzchenproduzenten. Schon im vergangenen Frühjahr hatte sie für Aufsehen gesorgt – mit einem Spielfigurenset in Regenbogenfarben.
Die Betriebswirtin steht seit 2014 in Diensten der Skandinavier – und hat seither viel richtig gemacht. Die Packungen mit den bunten Plastiksteinen sind weltweit gefragter denn je. Im ersten Halbjahr schoss der Umsatz um fast die Hälfte auf 3,1 Milliarden Euro in die Höhe. In Deutschland sitzt die Managerin, die in London wohnt, im Aufsichtsrat von Ceconomy, dem Eigentümer der Elektronikketten Media-Markt und Saturn. Joachim Hofer