Spielzeug: Auftragsflut überfordert Puzzlehersteller Ravensburger
Die Puzzles von Ravensburger sind so begehrt, dass das Familienunternehmen mit der Produktion nicht hinterherkommt.
Foto: dpaMünchen. Ravensburger trifft mit seinen Puzzles, Brettspielen und Kinderbüchern den Nerv der Zeit. Doch die Auftragsflut hat den schwäbischen Spieleverlag vergangenes Jahr überfordert. „Wir sind an Kapazitätsgrenzen unserer Werke gestoßen“, sagte Finanzvorstand Hanspeter Mürle am Dienstag.
Damit nicht genug: Anlaufschwierigkeiten in einem neuen Logistikzentrum in den USA sorgten dafür, dass der Umsatz auf dem wichtigen amerikanischen Markt um fast ein Fünftel einbrach. Weil Container fehlten, konnte Ravensburger zudem nicht genügend Ware aus den europäischen Werken über den Atlantik transportieren.
So kommt es, dass der Umsatz des Familienunternehmens aus Oberschwaben vergangenes Jahr um lediglich ein Prozent auf 636 Millionen Euro gestiegen ist. Für die erfolgsverwöhnte, 139 Jahre alte Firma ist das enttäuschend. Schließlich sind die Erlöse im Jahr zuvor noch um 20 Prozent in die Höhe geschossen.
Dieses kräftige Plus sei indes der Grund für die schwachen Zahlen 2021, führte Clemens Maier aus, Vorstandschef und Gesellschafter von Ravensburger. Die Firma mit ihren 2400 Mitarbeitern sei das gesamte Jahr über voll ausgelastet gewesen. Mit Dreischichtbetrieb, Wochenendarbeit und Überstunden hätte die Belegschaft alles gegeben, so der Unternehmer.
Die Konkurrenz steht derweil deutlich besser da. So ist der Umsatz des größten deutschen Spielwarenherstellers, der Simba-Dickie-Gruppe, vergangenes Jahr um gut fünf Prozent auf 754 Millionen Euro geklettert. Zu dem Familienunternehmen aus Fürth gehören 20 Marken, darunter der Bobbycar-Produzent Big, die Spiele von Noris, das Holzspielzeug von Eichhorn sowie die Miniaturautos von Schuco und Majorette.
Lego steigert Umsatz in Deutschland
Marktführer Lego teilte an diesem Dienstag mit, die Umsätze mit den bunten Klötzchen im deutschen Handel seien vergangenes Jahr um gut sieben Prozent gestiegen. Knapp ein Fünftel vom Umsatz erzielen die Spielwarenläden hierzulande mit dem dänischen Familienunternehmen.
Die meisten Spielwarenmarken haben die Pandemie bisher trotz vieler Herausforderungen ordentlich gemeistert. Die Konsumenten in Deutschland gaben vergangenes Jahr gut 3,8 Milliarden Euro für Spielzeug aus, so der Verband der Spielwarenindustrie. Das sind vier Prozent mehr als im Vorjahr.
„Auch wenn Spielwaren als sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit Nutznießer der Pandemie sind“, sagte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Brobeil, „ist die gute Entwicklung der Branche nicht allein nur auf Corona zurückzuführen.“ Der Stellenwert von Spielwaren und Spielen habe schon lange zugenommen – und die Anbieter würden den Geschmack der Kunden treffen.
Ravensburger-Chef Maier rechnet unterdessen 2022 wieder mit deutlich besseren Zahlen. Maier: „Wir haben ambitionierte Pläne für dieses Jahr.“ Eine genaue Prognose wollte der Volkswirt allerdings nicht abgeben.
Nach einem eher schwachen Jahr 2021 will Deutschlands größter Spieleverlag jetzt wieder kräftig wachsen.
Foto: dpaMaier investiert kräftig, um die Kunden künftig zuverlässiger zu beliefern. 100 Millionen Euro seien für den Zeitraum von Anfang 2020 bis Ende dieses Jahres eingeplant, um die Werke aufzurüsten und neue Büros zu errichten. Das Unternehmen produziert am Stammsitz in Ravensburg sowie in Tschechien.
Darüber hinaus kündigte der Unternehmer an, über mehrere Jahre hinweg einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand zu nehmen, um sich an Start-ups zu beteiligen. „Wir wollen jungen Kreativen ein attraktives Angebot machen“, erläuterte Maier. Die kleinen Firmen könne Ravensburger zum Beispiel im Vertrieb oder der Produktion unterstützen. Eine erste Beteiligung stünde unmittelbar bevor.
Ravensburger erhöht die Preise
Die Kunden müssen unterdessen schon bald tiefer in die Tasche greifen für die Spiele der Schwaben. Holz, Pappe, Papier und Granulat seien zum Teil um ein Fünftel im Preis gestiegen, erläuterte Finanzchef Mürle. Zudem sei die Logistik erheblich teurer geworden. Der Manager will die Preise daher um rund fünf Prozent erhöhen.
Das ist noch wenig im Vergleich zu Simba-Dickie. Je nach Artikel müssten die Konsumenten zwischen fünf und 20 Prozent mehr berappen, kündigte der Chef und Gesellschafter Florian Sieber vergangene Woche an. Der 36-Jährige fürchtet, dass nicht alle Käufer die Preissteigerung mitmachen: „Es ist völlig offen, was das für die Nachfrage bedeutet.“
>> Lesen Sie hier, was Florian Sieber vergangene Woche im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt hat: „Bis zu 20 Prozent mehr“: Simba-Dickie-Chef warnt vor teurem Spielzeug
Die Chefetage von Ravensburger ist optimistischer. Vorstandschef Maier: „Die Nachfrage ist enorm stark, und sie wächst weiter.“