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SpitzenpersonalieInfineon-Chef Ploss wird Chefaufseher bei Knorr-Bremse

Der Noch-Vorstandsvorsitzende des Dax-Konzerns wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats des Zulieferers. Dort soll er vor allem eins herbeiführen: Ruhe.Joachim Hofer, Martin-W. Buchenau 11.02.2022 - 19:56 Uhr Artikel anhören

Wenige Wochen nach seinem Abschied von Infineon soll der 66-Jährige zum Chefaufseher von Knorr-Bremse gewählt werden.

Foto: dpa

München, Stuttgart. Knorr-Bremse beruft Infineon-Chef Reinhard Ploss als Nachfolger für den 78-jährigen Klaus Mangold zum Aufsichtsratsvorsitzenden. „Der Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats ist langfristig geplant“, sagte Mangold. „Herr Ploss ist mit seiner jahrzehntelangen Expertise in der Führung eines internationalen Hightech-Unternehmens hervorragend geeignet, diese verantwortungsvolle Aufgabe für die Knorr-Bremse AG wahrzunehmen.“

Mangold wird sein Mandat zur Hauptversammlung am 24. Mai niederlegen. Ploss gönnt sich damit nicht einmal zwei Monate Pause: Bei Infineon hört der 66-Jährige zum 31. März auf. Der Elektroingenieur verfolgte in den vergangenen zehn Jahren als Chef von Infineon stets große Ambitionen, führte den Münchener Dax-Konzern aber völlig unaufgeregt.

Sein Naturell wird er bei Knorr-Bremse dringend brauchen. Denn beim Bremsenhersteller mit mehr als sechs Milliarden Euro Umsatz gab es in der Vergangenheit viele Führungswechsel. Mangolds Ära an der Spitze des Aufsichtsrates war keine leichte Aufgabe. Er führt das Gremium seit 2018.

Ursprünglich wollte er schon ein Jahr früher aufhören. Nach dem überraschenden Tod von Firmenpatriarch Heinz Hermann Thiele vor rund einem Jahr entsprach Mangold der Bitte des Aufsichtsrats sowie der Familie Thiele nach Kontinuität im Aufsichtsratsvorsitz. Er habe das Wohl des Unternehmens dabei über seine eigene, ganz persönliche Lebensplanung gestellt, lobte sein Stellvertreter im Aufsichtsrat Theodor Weimer.

Allerdings musste Mangold gerade bei der Besetzung der Chefposten von Knorr-Bremse Rückschläge hinnehmen. Erst verlor der Münchener Konzern 2019 Klaus Deller wegen „unterschiedlicher Auffassungen von Führung und Zusammenarbeit“. Auch sein Nachfolger Bernd Eulitz blieb nur bis zum Herbst 2020.

Mangold hatte den Ex-Linde-Manager selbst ausgesucht. Dann der Tod des Firmenpatriarchen im Februar 2021. Und unter dem jetzigen, von Siemens gekommenen Vorstandschef Jan Mrosik gab es Turbulenzen. Der Chef der wichtigen Nutzfahrzeugsparte Peter Laier verließ auf eigenen Wunsch im vergangenen Oktober den Konzern.

Viel Arbeit für den ruhigen Ploss

Ebenfalls zur diesjährigen Hauptversammlung legt Aufsichtsratsmitglied Thomas Enders, 63, sein Mandat nieder. Der ehemalige EADS-Chef nennt als Grund „anderweitige wichtige Verpflichtungen“. Enders sitzt im Aufsichtsrat der Lufthansa und gilt dort als potenzieller Kandidat für den Chefaufseherposten. Auch ist Enders Beirat im Flugtaxiunternehmen Lilium. Einen Nachfolger hat Knorr-Bremse noch nicht benannt.

Viel Arbeit liegt also vor Ploss. Aber unruhige Zeiten ist der Manager gewohnt. Auch wenn Analysten und Investoren verblüfft waren, als Infineons damaliger Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber 2012 Ploss, den Altgedienten, als neuen Chef präsentierte. Mayrhuber hatte das richtige Gespür: „In unserem dynamischen und zyklischen Geschäft ist Stabilität ein wesentlicher Erfolgsfaktor.“

1986 hatte Ploss als Prozessingenieur angefangen, damals war die Firma Teil von Siemens. Im Jahr 2000 übernahm er die Leitung der Autosparte, 2007 zog er in den Vorstand ein. Gemeinsam mit dem damaligen Konzernchef Peter Bauer bewahrte er Infineon vor der Pleite. Sie trafen die Entscheidung, Sparten abzustoßen und konzentrierten sich auf wenige Wachstumsfelder – der Grundstein des Aufschwungs.

Ploss' Erfolgsquote spricht für sich. In dem am 30. September beendeten Geschäftsjahr ist Infineons Umsatz um 29 Prozent auf gut elf Milliarden Euro gestiegen. Der Gewinn hat sich auf knapp 1,2 Milliarden Euro verdreifacht.

Und während manche Konzernchefs sich Rennpferde und Sportwagen leisten, lässt Modellhubschrauber Reinhard Ploss in die Lüfte steigen. So präzise er im Umgang mit der Fernbedienung ist, so genau will er auch sein Unternehmen steuern. „Was wir versprechen, das halten wir“, ist einer jener Sprüche, die er gern hervorkramt, wenn mal wieder Zweifel an seiner Strategie auftauchen.

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So wie er Infineon all die Jahre führte, so gelingt ihm in diesen Tage auch der Wechsel an der Spitze des Dax-Konzerns: ohne Hektik und große Töne. Ploss übergibt nahezu geräuschlos an einen langjährigen Weggefährten, den Produktionsvorstand Jochen Hanebeck. Es sind Dinge, die sich auch bei Knorr-Bremse viele im Konzern von der Personalie erhoffen werden.

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