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ElektromobilitätVolkswagen und BP wollen 8000 Ladesäulen aufstellen

Die Lücken im Ladenetz für Elektroautos sind immer noch groß. Volkswagen und der BP-Konzern wollen gemeinsam dafür sorgen, dass das Netz dichter wird.Stefan Menzel 28.04.2022 - 18:18 Uhr Artikel anhören

BP-Chef Bernard Looney (links) und der VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess haben in Düsseldorf eine erste „Flexpole“-Ladestation in Betrieb genommen.

Foto: Volkswagen Group

Düsseldorf. Volkswagen und der britische Mineralölkonzern BP kooperieren beim Aufbau eines Ladenetzes für Elektroautos. Der Wolfsburger Automobilkonzern liefert BP dafür Tausende von Schnellladesäulen, die vor allem in Großbritannien und Deutschland zum Einsatz kommen sollen. In der Bundesrepublik stattet der britische Konzern die Tankstellen seiner deutschen Tochter Aral mit den neuen Ladesäulen aus. Am Donnerstag hat BP die erste dieser Ladestationen in Düsseldorf in Betrieb genommen.

Der VW-Konzern und BP wollen im Rahmen der Kooperation während der nächsten zwei Jahre zunächst 4000 neue Ladepunkte schaffen. Bis Ende 2024 sollen in einem zweiten Schritt weitere europäische Länder hinzukommen und die Zahl auf bis zu 8000 Ladepunkte steigen.

Die „Flexpole“-Ladesäulen erlauben schnelles Aufladen mit einer Ladeleistung von bis zu 150 Kilowatt. Sie werden auf BP- und Aral-Tankstellen aufgestellt. Der Mineralölkonzern will damit besonders Fahrer von Elektroautos ansprechen, die keine Wallbox haben und nicht zu Hause laden können.

BP-Konzernchef Bernard Looney sprach in Düsseldorf von einer „perfekten Partnerschaft“ zweier Unternehmen, die bislang in unterschiedlichen Geschäftsfeldern unterwegs gewesen seien. Der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess äußerte sich ähnlich. Vor zehn Jahren habe sich niemand vorstellen können, dass die Chefs eines Mineralölkonzerns und eines Autoherstellers gemeinsam den Start einer Ladenetzkooperation verkünden würden.

Looney lobte ausdrücklich den Elektrokurs von Volkswagen. Der Wolfsburger Autokonzern leiste „Außerordentliches“ beim Wandel hin zur Elektromobilität. „Wenn Volkswagen elektrisch wird, dann wird auch die Welt elektrisch“, sagte der BP-Chef. Als einer der weltgrößten Autohersteller könne der VW-Konzern den dafür nötigen Bewusstseinswandel auslösen.

BP erwartet größere Umsätze mit Ladestrom

Der BP-Chef sprach davon, dass der Ölkonzern schon in Kürze größere Umsätze mit dem Verkauf von Ladestrom erreichen werde. „Das kommt schneller, als wir alle denken“, sagte er. Er legte sich allerdings auf kein konkretes Jahr fest, in dem BP mit dem Ladestrom einen größeren Umsatz als mit klassischem Benzin- und Dieselverkauf erreichen wird.

Aus dem Geschäft mit dem Ladestrom erwachse keine Bedrohung für die Tankstellen, so Looney. Vielmehr böten sich Möglichkeiten für komplett neue Geschäftsfelder.

VW-Konzernchef Herbert Diess bezeichnete die Inbetriebnahme der ersten Aral-Ladestation als „Wendepunkt“. Mineralölunternehmen wie BP könnten einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass sich die Elektromobilität in Deutschland und in Europa schnell durchsetzt. Mit einer weiteren Beschleunigung sei zu rechnen, wenn sich der Elektroantrieb auch bei Lastwagen durchsetze.

Volkswagen und BP setzen auf die vergleichsweise hohe Flexibilität der neuen „Flexpole“-Ladesäule. Ohne größere Bauarbeiten kann sie einfach auf den Freiflächen einer Tankstelle aufgestellt werden. Die von VW entwickelte Säule braucht zudem keinen Starkstromanschluss, es reichen die haushaltsüblichen 220 Volt.

Tankstellen können bei Bedarf einfach weitere Ladesäulen aufstellen

Im Inneren der Ladesäule sind Speicherbatterien montiert. Die Autos werden dann über diese Speicher geladen; die Speicherbatterien wiederum beziehen ihre Energie aus dem gewöhnlichen Stromnetz. An dem neuen Gerät können zwei E-Autos gleichzeitig mit bis zu 150 Kilowatt geladen werden.

Je nach Modell reiche das dafür aus, ein E-Auto in zehn Minuten für eine Reichweite von bis zu 160 Kilometern mit Strom zu versorgen, so Volkswagen. Die Kapazität der Speicherbatterien liegt bei 200 Kilowattstunden. Eine einzelne Säule soll rund 150.000 Euro kosten.

BP-Chef Looney sprach von großen Vorteilen durch die Ladetechnik von Volkswagen. Für BP entstünden keine langen Genehmigungszeiten, weil die Ladesäulen keinen besonderen Stromanschluss bräuchten, sondern an das bestehende Netz angeschlossen werden könnten. „Das hilft sehr“, sagte Looney. Außerdem könnten auf den Tankstellen einfach weitere Ladesäulen aufgestellt werden, wenn der Bedarf entsprechend wachse.

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Auch in anderen europäischen Ländern ist der VW-Konzern Kooperationen in Sachen Ladeinfrastruktur eingegangen. In Spanien sollen in Zusammenarbeit mit dem Stromkonzern Iberdrola vor allem die Hauptverkehrsachsen erschlossen werden. Konzernchef Diess kündigte an, dass Details in Kürze bekannt gegeben würden. In Italien will Volkswagen mit dem Stromriesen Enel kooperieren, um das Schnellladenetz sowohl an Autobahnen als auch im städtischen Raum auszubauen.

Für das Gesamtprogramm will Volkswagen bis 2025 europaweit etwa 400 Millionen Euro aufwenden. Dann will der VW-Konzern im Verbund mit seinen verschiedenen Partnern rund 18.000 öffentliche Schnellladepunkte in Europa betreiben. Das entspricht etwa einem Drittel des für 2025 prognostizierten Gesamtbedarfs auf dem europäischen Kontinent.

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