SPD-Chef Lars Klingbeil: Er sieht Deutschland als militärische Führungsmacht in der Welt – und stürzt seine Partei damit in ein Dilemma
Klingbeil versucht, die SPD bei der „Zeitenwende“ zu einen.
Foto: dpaBerlin. Lars Klingbeil steht zwischen zwei großen Feuerwehrautos in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Stadthagen. Während draußen der Herbstwind die ersten Blätter über die Einfahrt tänzeln lässt, spricht Klingbeil drinnen über Zivil- und Katastrophenschutz. Ein bis zum 24. Februar „viel zu wenig beachtetes Thema“, wie Klingbeil findet.
Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine führt das Land plötzlich wieder Debatten über Katastrophenschutz, Cyberattacken oder nicht vorhandene Bunker. Klingbeil verspricht Stadthagens Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote, die SPD werde in einer „Blaulicht-Konferenz“ über weitere Mittel für den Katastrophenschutz beraten.
Der 24. Februar hat für die SPD vieles verändert, im Kleinen, wie hier auf dem Feuerwehrplatz in Stadthagen deutlich wird, und im Großen. Ein sozialdemokratischer Bundeskanzler rüstet mit 100 Milliarden Euro die Bundeswehr auf, eine sozialdemokratische Verteidigungsministerin will die Rüstungsexportregeln lockern. Doch kein anderer Sozialdemokrat hat sich in der Zeitenwende so weit vorgewagt wie Klingbeil.
Im Juni forderte der SPD-Chef in einer Grundsatzrede: „Deutschland muss den Anspruch einer Führungsmacht haben.“ Klingbeil hat mit seiner Rede unter anderem versucht, seine Genossen in die Realität der Zeitenwende zu holen. Das war mutig, aber auch nicht ohne Risiko.