Gasspeicher in Deutschland: Speicher zum Winterende gut gefüllt
Der Gasspeicher-Füllstand in Deutschland ist in der Energiekrise zum wichtigen Faktor geworden.
Foto: dpaDüsseldorf. Ein stabiler Füllstand der deutschen Gasspeicher soll helfen, Deutschland auch bei geringen Gaslieferungen aus dem Ausland ausreichend mit Gas zu versorgen. Deshalb hat die Bundesregierung das Ziel, den Füllstand der Speicher möglichst lange hoch zu halten. Das ist die aktuelle Situation:
Wie hoch ist der Gasspeicher-Füllstand aktuell?
Der Füllstand der deutschen Gasspeicher liegt aktuell bei um die 70 Prozent (Stand: 27. Februar 2024). Die Gasversorgung gilt derzeit als stabil. Das gesetzliche Füllstandsziel von mindestens 95 Prozent zum 1. November wurde übererfüllt und auch das Ziel von 40 Prozent zum 1. Februar weit überschritten.
Der Bundesnetzagentur zufolge ist die Situation im Winter 2023/ 2024 deutlich besser als vor einem Jahr, jedoch verbleiben Restrisiken. Ein sparsamer Gasverbrauch bleibe wichtig, so die Agentur. Bei einem Stopp der verbleibenden russischen Gaslieferungen nach Südosteuropa müssten diese Staaten in einer Mangellage über Deutschland mitversorgt werden.
Derzeit erfüllt Deutschland die Sparsamkeitsvorgabe gut. Laut Lagebericht der Bundesnetzagentur (Stand: 27.02.2024) lag der Gasverbrauch im Januar rund 6,4 Prozent unter dem durchschnittlichen Verbrauch der Jahre 2018 bis 2021.
Deutschland hat in diesem Jahr alle gesetzlich vorgegebenen Einspeicher-Ziele erreicht. Die Betreiber von Gasspeichern müssen folgende Füllstande einhalten:
- 75 Prozent zum 1. September,
- 85 Prozent zum 1. Oktober,
- 95 Prozent zum 1. November,
- 40 Prozent zum 1. Februar.
Wie schätzt die Bundesnetzagentur die Gasversorgung ein?
Vonseiten der Bundesnetzagentur heißt es seit Monaten, die Sicherheit der Gasversorgung in Deutschland sei gewährleistet, so auch aktuell (Stand: 27.02.2024).
Wie viel Gas verbraucht Deutschland im Monat?
Im Januar 2024 hat Deutschland durchschnittlich 1914 Gigawattstunden Gas verbraucht. Und damit deutlich mehr als im Januar 2023. Der Gasverbrauch liegt aber trotzdem noch unter dem Schnitt der Jahre 2018 bis 2021.
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Woher stammt das Gas für die Gasspeicher aktuell?
Seitdem Russland kein Gas mehr nach Deutschland liefert, importiert Deutschland Gas vor allem aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Anfang Januar 2024 betrugen die Importe aus Norwegen 1236, die aus den Niederlanden 701 und die aus Belgien 505 Gigawattstunden pro Tag. Außerdem importiert Deutschland mittlerweile selbst Flüssigerdgas, sogenanntes LNG, über eigene Terminals an den Küsten.
Dabei ist zu beachten, dass die Niederlande und Belgien wiederum selbst LNG importieren und es an Deutschland weiterleiten. Um zu verstehen, woher das Erdgas stammt, das Deutschland verbraucht, muss man daher auf die Importe Europas schauen. Hier kam zwischen Januar und August 2023 das meiste Gas aus Norwegen, gefolgt von den USA und eigener Produktion. Auch Russland ist weiterhin ein großer Gaslieferant: teils über eine Pipeline durch die Ukraine, teils über Schiffe mit Flüssigerdgas.
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Wie viel Gas verbrauchen Industrie, Haushalte und Gewerbe?
Bei dem oben genannten deutschen Gasverbrauch entfällt in der Regel ein Großteil auf die deutsche Industrie. Je kälter das Wetter, desto größer ist allerdings der Anteil der Privathaushalte, weil sie dann mehr Gas zum Heizen benötigen. Im Januar verbrauchte Deutschland durchschnittlich 3876 Gigawattstunden Gas pro Woche. Davon entfielen 1962 auf Haushalte und Gewerbe sowie 1914 auf die Industrie.
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Was beeinflusst den Gasverbrauch in Deutschland?
Für den Gasverbrauch in Deutschland spielt das Wetter eine maßgebliche Rolle. Das liegt zum einen daran, dass deutsche Haushalte bei milden Temperaturen weniger heizen müssen. Sie verbrauchen also weniger Gas, wenn sie eine Gasheizung haben. Wenn sie mit einer elektrisch betriebenen Wärmepumpe heizen, nutzen sie dann auch weniger Strom. Dadurch verbrauchen wiederum auch Gaskraftwerke, die den Strom erzeugen, weniger Gas. Ähnlich sieht es in anderen Ländern Europas und der Welt aus. Sind die Temperaturen vielerorts hoch, gibt es folglich auch mehr Gas auf dem Weltmarkt.
Was schützt private Haushalte bei einer Gasmangellage?
Das Energiewirtschaftsgesetz, die Gasnetzzugangsverordnung und die sogenannte SoS-Verordnung definieren „geschützte Kunden“. Ihre Belieferung mit Gas soll auch bei einer Teilunterbrechung der Gasversorgung oder im Falle außergewöhnlich hoher Gasnachfrage vorrangig gewährleistet sein. Als geschützte Kunden gelten neben privaten Haushalten beispielsweise Kleingewerbe, Supermärkte, Kindergärten und Altenheime.
Wie viel Erdgas passt in Deutschlands Gasspeicher?
Laut INES passen 228,2 Terawattstunden oder auch rund 23 Milliarden Kubikmeter Gas in die deutschen Erdgasspeicher. Damit liegt Deutschland laut dem Verband auf Rang vier der weltweiten Speicherkapazitäten. Nur in den USA, der Ukraine und Russland gibt es noch größere Kapazitäten.
INES-Geschäftsführer Bleschke sagt: „An sehr kalten Wintertagen kann der Gasverbrauch in Deutschland auf über 6000 Gigawattstunden pro Tag ansteigen.“ An solchen Tagen sinkt der Füllstand sehr schnell. Würde Deutschland jeden Tag 6000 Gigawattstunden Gas aus seinen Gasspeichern entnehmen, wären diese rein rechnerisch binnen 38 Tagen leer.
Dies gilt allerdings als unrealistisches Szenario, da es so lange am Stück nicht so kalt bleiben dürfte und es ja auch noch andere Gasquellen gibt.
Wie funktioniert ein Gasspeicher eigentlich?
Es gibt zwei verschiedene Arten von Gasspeichern: oberirdische und unterirdische. Oberirdische Gasspeicher sind vergleichsweise klein und tragen eher lokal zum Bedarfsausgleich bei. Wirklich relevant für den Winter sind die unterirdischen Speicher. Hier gibt es zum einen künstliche Hohlräume in Salzstöcken, sogenannte Kavernenspeicher, und zum anderen natürlich vorkommende Porenräume wie wasserführende Aquifere oder ehemalige Gas- und Öllagerstätten. Einige deutsche Gasspeicher sind laut INES-Geschäftsführer Bleschke so groß, dass sie ein- bis anderthalbmal den Eiffelturm beinhalten könnten.
Erstpublikation: 21.11.2022, 14:24 Uhr (zuletzt aktualisiert: 28.02.2024, 07:00 Uhr).