Novo Nordisk: Diätmittel steigert den Gewinn deutlich
Abnehmhelfer wie das Diabetesmittel Ozempic sind weltweit gefragt.
Foto: ReutersDüsseldorf. Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk baut seine Dominanz im Diabetesgeschäft aus. Mittlerweile beherrscht das Unternehmen nach eigenen Angaben ein Drittel des weltweiten Marktes. Bei den lukrativen neuartigen Mitteln mit GLP1, die auch in den gehypten Diätspritzen eingesetzt werden, kommen die Dänen auf einen Anteil von 54,3 Prozent.
Der Hype um die Abnehmhilfen lässt sich an den Zahlen ablesen: Allein im dritten Quartal ist der Umsatz von Novo Nordisk wechselkursbereinigt um 29 Prozent auf 58,7 Milliarden dänische Kronen (7,9 Milliarden Euro) gestiegen, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.
Der operative Gewinn legte im gleichen Zeitraum ein Drittel gegenüber dem Vorjahresquartal auf 26,9 Milliarden dänische Kronen (3,6 Milliarden Euro) zu, ein neuer Rekord.
Novo-Nordisk-Chef Lars Fruergaard Jörgensen zeigt sich „sehr zufrieden“ mit dem Umsatzwachstum. Das zeige, „dass mehr Menschen denn je von unseren innovativen Diabetes- und Adipositastherapien profitieren“. An seiner zuletzt angehobenen Prognose hielt der Konzern fest. Die Aktie legte nach der Verkündung der Zahlen am Vormittag leicht zu.
Der wertvollste Pharmahersteller Europas treibt seine Bewertung durch die neuen Diätmittel in immer neue Höhen. In den vergangenen fünf Jahren ist die Marktkapitalisierung von Novo Nordisk um fast 400 Prozent auf umgerechnet rund 415 Milliarden Euro angewachsen. Das dänische Unternehmen hatte zwischenzeitlich den Luxusgüterhersteller LVMH als wertvollsten Konzern Europas abgelöst.
Getrieben wird das Wachstum vor allem durch Medikamente gegen Diabetes und Übergewicht. Jahrelang hatte der Konzern hauptsächlich Produkte mit Insulin verkauft, doch aktuell sind es vor allem die neuartigen sogenannten GLP1-Mittel, die das Wachstum des Konzerns treiben.
Novo Nordisk ist Marktführer bei GLP1-Medikamenten
Diese Mittel wirken wie ein Hormon, das im Darm gebildet wird: Wird Nahrung aufgenommen, setzt der Körper damit mehr Insulin frei. Der Blutzuckerspiegel sinkt. Parallel wird an das Gehirn ein Sättigungsgefühl gesendet und der Magen entleert sich langsamer. Wer die Mittel einnimmt, verspürt weniger Hunger.
Mit dem neuen GLP1-Wirkstoff Semaglutid, das im Diabetesmittel Ozempic und der Adipositasspritze Wegovy enthalten ist, verlieren Patienten bis zu 17 Prozent ihres Körpergewichts.
Prominente wie Tesla-Chef Elon Musk haben die Mittel populär gemacht. Die Nachfrage ist weltweit riesig. Allein der Umsatz mit GLP1-Mitteln gegen Diabetes von Novo Nordisk ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 49 Prozent gestiegen, der Umsatz mit Medikamenten gegen Übergewicht (Wegovy und Saxenda) sogar um 174 Prozent. Wegovy konnte im Jahresvergleich beim Umsatz um fast 500 Prozent zulegen.
Der Hype rund um die Abnehmspritze, wie sie in sozialen Medien bezeichnet wird, sorgt auch für eine wachsende Nachfrage nach Saxenda, dem Vorgänger des Mittels. Dabei verspricht der darin enthaltene Wirkstoff Liraglutid weniger Abnehmerfolge als Semaglutid. Teilnehmer einer jüngst veröffentlichten Studie nahmen im Schnitt um 6,4 Prozent ab, wenn sie Liraglutid einnahmen, bei der Vergleichsgruppe mit Semaglutid waren es 15,8 Prozent Gewichtsverlust.
Novo Nordisk: Nachfrage wächst schneller als die Produktion
Novo Nordisk profitiert auch von der jahrelangen Erfahrung in der Branche: Seit der Firmengründung vor rund 100 Jahren konzentriert sich der Konzern auf Medikamente gegen Diabetes. Anfangs setzte das Unternehmen vor allem auf Insuline, im Jahr 2009 brachte das Unternehmen sein erstes GLP1-Mittel auf den Markt.
Milliardär Elon Musk hatte mithilfe der Diätmittel massiv an Gewicht verloren.
Foto: via REUTERSDoch das Wachstum des lukrativen Geschäfts dürfte für Novo Nordisk nicht ungebremst weitergehen. Aktuell haben die Dänen massive Probleme, die Produktion schnell genug hochzufahren, um der Nachfrage gerecht zu werden. Die Abnehmspritze Wegovy etwa ist deshalb bisher nur in Dänemark, Norwegen, Deutschland, Großbritannien und Island auf dem Markt.
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Auch das Diabetesmittel Ozempic mit demselben Wirkstoff ist immer wieder knapp, weil es von einigen Patienten zum Abnehmen genutzt wird. Obwohl Novo Nordisk innerhalb von zwei Jahren in Summe mehr als 4,6 Milliarden Euro unter anderem in neue Produktionsstätten investiert hat, kommt es immer wieder zu Lieferschwierigkeiten.
Konkurrenz holt auf
Lilly hat in den ersten drei Quartalen dieses Jahr Jahres mit Mounjaro bereits knapp drei Milliarden Dollar Umsatz erzielt, wie das Unternehmen am Donnerstagmittag mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen mitteilte. Mounjaro war erst im vergangenen Jahr auf den Markt gekommen, seither hat sich der Umsatz vervielfacht.
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Konkurrenzprodukt Ozempic von Novo Nordisk kommt im Zeitraum von Januar bis September auf einen Umsatz von umgerechnet rund 9,3 Milliarden Dollar und damit rund das Dreifache von Mounjaro.
Novo-Nordisk-Chef Jörgensen gibt sich gelassen gegenüber dem Wettbewerber: Man konkurriere schon seit hundert Jahren mit Eli Lilly, zwei Pharmaunternehmen, die auf Innovationen setzen, würden für einen wachsenden Markt sorgen.
Erstpublikation: 02.11.2023, 12:58 Uhr.