Elektroauto: Die Autoindustrie zittert um die Förderung
Die Stimmung unter Deutschlands Elektroauto-Herstellern trübt sich ein.
Foto: Paul-Langrock.deDüsseldorf, Berlin, München. Autoindustrie und Politik fürchten um den Hochlauf der Elektromobilität. Nach kräftigen Zuwächsen in diesem Jahr drohen der Branche Experten zufolge 2024 Überproduktion und Preiskämpfe. Zudem könnten in der Haushaltskrise die Mittel für die Förderung von Elektroautos gekürzt zu werden, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Um über die angespannte Lage zu sprechen, trifft Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Montagabend die Spitzen der Autoindustrie in Berlin.
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, 15 Millionen Elektroautos bis 2030 auf deutsche Straßen zu bringen. Die Autoindustrie kalkuliert nur noch mit maximal neun Millionen, wie mehrere Automanager gegenüber dem Handelsblatt bekräftigen. Sie fordern einen weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur und verlangen die Verlängerung der Steuervergünstigungen für elektrische Dienstwagen. 60 Prozent der in Deutschland verkauften Elektroautos werden dienstlich oder gewerblich genutzt.
„Insgesamt befindet sich die Elektromobilität in Deutschland angesichts steigender Zinsen und rückläufiger Förderungen in einer kritischen Marktphase“, urteilt Autoexperte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). So wurden in Deutschland seit Jahresbeginn 37,8 Prozent mehr Elektroautos zugelassen als im Vorjahr. Seit Oktober brechen die Verkaufszahlen aber rapide ein, nachdem die Bundesregierung die Förderung massiv gekürzt hat. Man erwarte am Montag vom Kanzler „klare Ansagen, wie es mit der Förderung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts weitergeht“, sagte ein Automanager im Vorfeld.