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KoalitionsdisziplinFDP stimmt beim Thema Homo-Ehe nicht mit Opposition

Trotz des Streits mit der CDU wird die FDP nicht mit der Opposition für eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe stimmen. Das bekräftige Rainer Brüderle, der sich nun FDP-Spitzenkandidat nennen darf. 10.03.2013 - 16:02 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Volle Kraft voraus: Rainer Brüderle bei seiner Rede auf dem Parteitag.

Foto: dpa

Berlin. Die FDP hat ihren Fraktionschef Rainer Brüderle jetzt auch offiziell zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl am 22. September gekürt. Beim Parteitag in Berlin erhoben sich die mehr als 600 Delegierten am Sonntag zum minutenlangen Applaus. Eine Wahl gab es nicht.

Brüderle rief die Partei in einer mehr als einstündigen Rede auf, geschlossen für eine Neuauflage der schwarz-gelben Koalition zu kämpfen. „Ab sofort ziehen wir den blau-gelben Kampfanzug an und gehen in die Auseinandersetzung für unsere Überzeugungen, für unsere Ideen." Auch durch Beschimpfungen werde sich die FDP nicht verbiegen lassen.

Die besten Zitate vom FDP-Parteitag
„Ja, es gab manchmal schwierige Zeiten. Manchmal auch eigene Fehler. Und ich hoffe, dass ich daraus gelernt habe. Und es gab manchmal doofe Abende, wenn man sich auch grundsätzliche Fragen gestellt hat.“
„Die Schulden in Deutschland haben zwei Farben: rot und grün.“ „Die Grünen sind längst zum Sinnbild des Obrigkeitsstaats geworden. Früher kam der Obrigkeitsstaat mit Pickelmütze, jetzt kommt er auf Birkenstock-Sandalen angeschlichen.“
„Nennt das Spitzenmann oder Spitzenkandidat. Der Titel ist mir egal. Hauptsache, das Ergebnis ist spitze.“
„Wir überlassen nicht diesen Fuzzis, diesen fehlprogrammierten Typen unser Land.“
„Viele schwule, viele lesbische Paare nehmen wie heterosexuelle Paare eine besondere Verantwortung wahr. Sie sind bürgerliche Paare im besten Sinne des Wortes“
„Die politischen Strukturen in Brüssel erinnern mich mehr an Babylon und Byzanz als an ein modernes Staatswesen.“
„Ich stehe und gehe erhobenen Hauptes. Damit ist das lustige Ministerversenken beendet.“
„Politik und Rugby haben eines gemeinsam: Beides ist Raufen nach Regeln.“
„Ich nehm's sportlich.“
„Das war ein reinigendes Gewitter.“
„Was hat die arme Sau aus seinem Leben gemacht – er ist jetzt Kanzlerkandidat der SPD.“

Brüderle zeigte sich überzeugt, die Menschen wollten eine starke Stimme der Freiheit. „Die Chance für uns ist da, wir sollten und wollen sie nutzen.“ Mit Blick auf das neue Führungsteam versprach er: „Wir werden alle gemeinsam einen Wahlkampf hinlegen, da brennt der Baum.“

Brüderle musste in sein Amt aber nicht gewählt werden. Parteichef Philipp Rösler überreichte ihm nach dessen Rede symbolisch einen Fußball, damit er für Land, Partei und Freiheit viele Tore schießen könne. „Wir werden gemeinsam in einem Team kämpfen“, sagte Rösler.

Inhaltlich äußerte sich Brüderle zur Vermögenssteuer, der Homo-Ehen-Debatte und dem Flughafen-Desaster in Berlin. So plädierte für einen Stopp der Milliardenzahlungen des Bundes für den krisengeplagten Berliner Hauptstadtflughafen BER. „Der Bund finanziert das Chaos mit. Damit muss irgendwann Schluss sein“, sagte Brüderle.

„Ich persönlich bin daher mittlerweile für einen Finanzierungsstopp“, fügte der Spitzenmann der Liberalen hinzu. Den beiden Ministerpräsidenten Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (SPD) müsse man den Saft abdrehen. „Sonst versickert noch mehr Geld in den märkischen Sand hinein.“

Die FDP unter Parteichef Rösler
Rösler, bisher Bundesgesundheitsminister, löst Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister ab und steigt zum Vizekanzler auf.
Auf dem Parteitag in Rostock wird Rösler mit 95,1 Prozent als jüngster FDP-Vorsitzender und Nachfolger von Guido Westerwelle gewählt. Rösler verspricht: „Ab heute wird die FDP liefern.“
Die FDP fliegt mit 2,4 Prozent in Bremen aus der Bürgerschaft.
Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kassiert die FDP mit 2,8 Prozent die nächste Niederlage.
Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin landen die Liberalen bei 1,8 Prozent.
Generalsekretär Christian Lindner tritt überraschend zurück.
Die Parteispitze setzt sich bei einem Mitgliederentscheid knapp mit ihrem Kurs bei der Euro-Rettung durch.
Nachdem das Jamaika-Bündnis mit CDU und Grünen im Saarland geplatzt ist, stürzt die FDP bei der folgenden Landtagswahl auf 1,2 Prozent ab.
Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird die schwarz-gelbe Koalition abgewählt. Mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki erringen die Liberalen aber 8,2 Prozent.
Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewinnt Rot-Grün, mit Lindner an der Spitze kommen die Liberalen jedoch auf 8,6 Prozent. Im Bund bleiben die Umfrage in den folgenden Monaten desaströs.
Entwicklungsminister Dirk Niebel verlangt beim Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart offen ein neues Führungsteam. Er fordert, den für Mai geplanten Parteitag vorzuziehen.
Zwei Tage vor der Niedersachsen-Wahl plädieren auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und Lindner für ein Vorziehen des Parteitages.
Die FDP erreicht bei der Landtagswahl in Niedersachsen sensationelle 9,9 Prozent, viele Stimmen kommen von CDU-Wählern.
Die FDP-Führung einigt sich darauf, dass Rösler Parteivorsitzender bleibt. Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl soll Brüderle werden. Der Parteitag wird von Mai auf März vorgezogen.

Der tiefe Fall der FDP
Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Guido Westerwelle erzielt bei der Bundestagswahl mit 14,6 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis auf Bundesebene.
Die FDP setzt kurz nach Regierungsantritt die Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen durch. Den Liberalen wird fortan Klientelpolitik vorgeworfen.
In Umfragen sackt die FDP deutlich ab. Westerwelle löst mit folgender Äußerung in der Hartz-IV-Debatte heftige Kritik aus: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein."
Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen verliert die schwarz-gelbe Landesregierung ihre Mehrheit. Einen Tag nach der Wahlschlappe rückt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von Steuersenkungsplänen ab, einem zentralen Wahlversprechen der FDP.
Eine Serie von Landtagswahlen wird zum Fiasko: Weder in Sachsen-Anhalt noch in Rheinland-Pfalz schafft es die FDP ins Parlament. In Baden-Württemberg erreicht sie magere 5,3 Prozent.
Angesichts wachsender parteiinterner Kritik kündigt Westerwelle den Rückzug vom Parteivorsitz an, will aber Außenminister bleiben. Kurz darauf einigen sich die FDP-Gremien auf Gesundheitsminister Philipp Rösler als neuen FDP-Chef.
Rösler wechselt vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium, der bisherige Ressortchef Rainer Brüderle wird Fraktionschef. Rösler gelingt es bei seiner Wahl auf dem Parteitag in Rostock, Aufbruchstimmung zu erzeugen.
Die Schwäche der FDP hält an: Bei der Wahl in Berlin stürzt sie auf 1,8 Prozent ab.
Eine Gruppe um den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler sammelt mehr als 3500 Unterschriften von Parteimitgliedern und erzwingt damit einen Mitgliederentscheid zur Europapolitik. Schäffler will die FDP in dem Entscheid gegen den Willen der Parteiführung auf ein Nein zum geplanten Euro-Rettungsfonds ESM festlegen.
Der Euro-Entscheid stiftet Unruhe in der Partei. Die Initiatoren werfen der Parteispitze Behinderung vor. Am Tag nach Einsendeschluss für die Stimmunterlagen erklärt Generalsekretär Christian Lindner seinen Rücktritt. Der bisherige Bundesschatzmeister Patrick Döring wird sein Nachfolger.
Lindner kehrt nach dreimonatiger Auszeit als FDP-Spitzenkandidat für Nordrhein-Westfalen auf die politische Bühne zurück.
In Schleswig-Holstein kommt die FDP mit Landeschef Wolfgang Kubicki trotz Einbußen mit 8,2 Prozent sicher in den Landtag. Bei den vorgezogenen Landtagswahlen in NRW verbessern sich die Liberalen um fast zwei Punkte auf 8,6 Prozent. Lindner hatte zuvor noch den FDP-Landesvorsitz übernommen.
Kubicki drängt auf die Ablösung Röslers und wirbt für Lindner als neuen FDP-Bundesvorsitzenden. Eine offene Personaldebatte tritt er damit aber nicht los. Bis zur Landtagswahl in Röslers Heimatland Niedersachsen im Januar 2013, so die Hoffnung vieler Spitzenliberaler, soll die Partei still halten.
Die FDP setzt in der Koalition ihre Forderung nach Abschaffung der Praxisgebühr durch - ein Erfolg auch für Rösler. Allerdings muss sie dafür dem ungeliebten Betreuungsgeld zustimmen.
Entwicklungsminister Dirk Niebel regt an, Parteivorsitz und Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl zu trennen. Seine Ideen sorgen für Unruhe. Die parteiinterne Kritik an Rösler wird lauter.
Die FDP geht nervös ins entscheidende Wahljahr. Rösler lässt offen, ob er im Frühjahr erneut für den Parteivorsitz kandidiert. Die Partei diskutiert offen über seine Führungsqualitäten. Röslers politisches Überleben, so die allgemeine Einschätzung, ist eng mit dem Abschneiden der FDP bei der Niedersachsen-Wahl am 20. Januar verknüpft.Doch dann gewinnt die FDP in Niedersachsen knapp zehn Prozent - und Rösler fordert eine Entscheidung. Er sei bereit auf den Vorsitz zu verzichten, wenn Rainer Brüderle übernimmt. Doch der zuckt zurück - und am Ende steht eine Zwitterlösung: Die FDP will mit dem Parteivorsitzenden Rösler und dem "Spitzenmann" Brüderle als Tandem in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Den Koalitionspartner CDU/CSU forderte Brüderle in seiner Rede auf, die volle Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften mit der Ehe nicht länger zu blockieren. „Viele schwule, viele lesbische Paare nehmen wie heterosexuelle Paare eine besondere Verantwortung wahr. Sie sind bürgerliche Paare im besten Sinne des Wortes“, sagte er.

Deshalb müssten diese Paare auch das Recht bekommen, zu heiraten, ein Kind zu adoptieren und eine gemeinsame Steuererklärung abzugeben. „Die FDP will für gleiche Pflichten auch die gleichen Rechte. Das muss auch für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gelten“, sagte Brüderle. Zugleich hielt er Teilen der Union vor, die bisherigen Urteile des Bundesverfassungsgericht zur Homo-Ehe nicht zu akzeptieren. „Eins ist vollkommen verkehrt: Das Bundesverfassungsgericht beschimpft man nicht. Das ist schlechter Stil bei Demokraten.“

Trotz des Streits mit der Union wird die FDP nach Aussage von Bundestags-Fraktionschef Rainer Brüderle nicht mit der Opposition für eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe stimmen. „Wir haben eine Koalitionsvereinbarung, wir stimmen nicht mit wechselnden Mehrheiten“, sagte er Brüderle am Sonntag dem ARD-Hauptstadtstudio. Zuvor hatte FDP-Generalsekretär Patrick Döring die Koalitionsdisziplin im Bundestag in diesem Punkt infrage gestellt. Brüderle sagte, die Liberalen wollten vielmehr beim nächsten Treffen der schwarz-gelben Koalitionsspitzen darauf dringen, dass sich CDU und CSU etwa beim Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare bewegten.

Mit scharfen Angriffen gegen die Opposition stimmte Brüderle seine Partei schon mal auf den Wahlkampf ein. SPD und Grüne hätten in den vergangenen Jahren nichts dazugelernt, „sie holen sie wieder raus, die Wohlstandsvernichtungswaffen“, sagte Brüderle mit Blick auf Pläne zur Einführung einer Vermögenssteuer oder Vermögensabgabe. Dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück sprach Brüderle die Fähigkeit ab, das Amt auszufüllen. „Die SPD hat keinen Kanzlerkandidaten aufgestellt, sondern eine Fettnapfsuchmaschine“, sagte er. Die von Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin unterstützte Vermögensabgabe kritisierte Brüderle als „Mao-Zuschlag des Möchtegern-Finanzministers“.

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Brüderle verwies auf die Erfolge seiner Partei in mehr als drei Jahren schwarz-gelber Koalition: Deutschland erlebe derzeit ein Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Exportwunder. „Mit dieser Bilanz können wir aufrecht und selbstbewusst bei den Deutschen um einen neuen Wahlauftrag werben.“ Die FDP habe auch der Union, die in den Jahren der großen Koalition „ein wenig viel sozialdemokratischen Speck angesetzt“ habe, ein marktwirtschaftliches und bürgerrechtliches „Fitnessprogramm“ verordnet. „Jetzt wirkt der Kurs, den wir gemeinsam fahren“, sagte Brüderle.

dpa, afp
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