Ausstellung zum Jubiläum: Galerie Beck & Eggeling: Überraschendes aus der Hand Pablo Picassos
Düsseldorf. Pablo Picasso hat immer Konjunktur. Erst im November wurde in New York bei Sotheby’s das Porträt seiner Geliebten Marie-Thérèse Walter für über 139 Millionen Dollarversteigert. „Femme à la montre“ stammte aus der Sammlung von Emily Fisher Landau.
Dass die Faszination des Spaniers in seiner ungebrochenen Vitalität liegt, kann man wunderbar in der Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling studieren. Sie gönnt sich im 30. Jahr am Düsseldorfer Standort die museale Ausstellung „Picasso total“. Etwa 90 Werke werden präsentiert.
„Es ist ein Phänomen, dass Picasso wirklich weltweit gesammelt wird. Ganz anders als etwa die Expressionisten“, weiß Kunsthändler Michael Beck. Die aktuelle Galerie-Ausstellung in der Bilker Straße könne man genau so in Hongkong, Peking, Toronto oder Paris zeigen; „Picassos Sprache wird überall verstanden.“
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Die erste Picasso-Schau präsentierte die Galerie noch am Leipziger Standort, unter dem Titel „Picasso et les femmes“, eine aus heutiger Sicht visionäre Perspektive, ist doch Picassos ausbeuterischer Umgang mit Ehefrauen, Musen und Geliebten zuletzt immer stärker in den Fokus gerückt.
Die Galerieräume in der Carlstadt bieten Platz für eine luftige Präsentation. Nur 50 Prozent der Objekte sind allerdings verkäuflich. 50 Prozent sind Leihgaben der internationalen Sammler-Kundschaft der Galerie, die sogar aus New York oder Boston nach Düsseldorf kam. Bei der Auswahl der Werke folgten die Macher zwei Leitgedanken: Es sind sowohl alle Schaffensphasen wie auch alle künstlerischen Medien des Großkünstlers abgedeckt.
Da reihen sich ikonische Motive und bekannte, typische Bildsprachen an echte Überraschungen. Wie etwa ein ganz frühes Werk: „Picasso vor Picasso“, wie Beck es bezeichnet, ein mit Kohle und Farbstift gezeichnetes Blatt aus seiner akademischen Phase. Der Fünfzehnjährige schuf ein altmeisterlich wirkendes Frauenporträt mit geschlossenen Augen und einer lichten Aureole. 900.000 Dollar (plus MwSt.) schlagen für dieses handwerklich bereits perfekt gelungene Blatt des Teenagers zu Buche. Er sollte der Jahrhundertkünstler werden.
Eine Rarität ist auch das raue Materialbild „Collages III (Matières)“ mit sandig-collagierten Tüchern auf Leinwand von 1965, ein abstraktes Bild, das man Picasso kaum zuordnen würde. Erst aus gewisser Entfernung schält sich die Ahnung eines menschlichen Kopfes heraus. Dafür lassen sich 850.000 Euro notieren.
Besonders aufschlussreich sind Einblicke in Picassos Werkstatt: Drei nebeneinander hängende Versionen der Radierung „Maison close: Le Chocolat II“ veranschaulichen, wie der Künstler an der Platte immer weitergearbeitet hat (jeweils 16.000 Euro). Er vertiefte, verfeinerte oder setzte ganz neue Akzente.
Aus der „blauen Periode“ ist Picassos erste Radierung überhaupt zu sehen, ein Paar in einer Kaschemme, „Le Repas frugal (Suite des Saltimbanques)“von 1913. Damals konnte der Künstler sich noch keine Kupferplatte leisten, sondern schliff die Zinkplatte eines Kollegen ab, um sie zu nutzen. Für das Blatt werden 450.000 Dollar erwartet (plus MwSt.).
Minimalistische Tuschezeichnungen, die wie hingeworfen scheinen, beeindrucken mit ihrer Treffsicherheit. Gleiches gilt für expressive Linolschnitte, eine Technik, in der Picasso es schnell zur Meisterschaft brachte. Überhaupt wird in der Düsseldorfer Schau deutlich, mit welcher Leichtigkeit Picasso sich selbst spröde, kunsthandwerkliche Techniken souverän aneignete. Das unterstreicht auch die Auswahl an grandiosen Keramikarbeiten, eine Technik, die in seinem Œuvre immer noch unterschätzt scheint.
Das kostspieligste Werk der Ausstellung ist die Farbkreide-Arbeit „Combat de centaures“, ein düster koloriertes, ungestümes Bild von 1959, das für 3,4 Millionen Franken (plus MwSt.) zu haben ist. Es geht aber auch wesentlich günstiger: Bereits für 2000 Euro sind Einzelblätter aus einer Auflage von 300 zu haben.
„Picasso total“ ist bereits die vierte Picasso-Ausstellung in der Geschichte der Galerie Beck & Eggeling. Aus Überzeugung, so Michael Beck: „Man kann sich gar nicht satt sehen an seiner Kunst, und er überrascht ständig. Er ist ja nicht ein, sondern mehrere Künstler, vielleicht sieben, die in diesem Chamäleon der Kunst stecken.“
Es gab wohl keine ästhetische und intellektuelle Zeitströmung, die Picasso nicht reflektiert hätte. Die präsentierten 70 Jahre seines Schaffens sind auch ein Parforceritt durch die Kunst- und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. Was kann darauf noch folgen? „Der Handwerker Picasso wäre das nächste Thema“, sagt Michael Beck.
Galerie Beck & Eggeling, Düsseldorf, „Picasso total“, bis 27. Januar 2024, Eintritt frei. Geschlossen bis 8. Januar 2024