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Brafa Art FairBelgische Lebensart macht den Messebesuch zum Genuss

Die Brafa in Brüssel verwöhnt ihr Publikum mit optischen und leiblichen Genüssen. Ihr Markenzeichen ist das unerschrockene Nebeneinander von unterschiedlichsten Kunstrichtungen.Regine Müller 27.01.2024 - 08:03 Uhr
Die Brafa feiert den Surrealismus auch mit ihrem opulenten Hallendekor. Foto: Brafa Art Fair; Olivier Pirard

Brüssel. Zur Eröffnung der Preview stapelt Brafa-Board-Member Christian Vrouyr betont tief, als er an die Gründung der Messe erinnert: 1956 habe es wichtigere Ereignisse gegeben, die Märchenhochzeit von Monaco etwa, und „eine gewisse Norma Jeane Baker legte sich den Künstlernamen Marilyn Monroe zu.“ Vrouyrs augenzwinkernde Gelassenheit ist keine Laune, sondern steht für die Grundstimmung dieser Messe, die gerne als kleine Schwester der Tefaf in Maastricht bezeichnet wird, und doch so ganz anders ist.

Denn mit 132 ausstellenden Galerien in den Hallen 3 und 4 des Brüsseler Expo-Geländes im Schatten des Atomiums ist diese Messe alles andere als klein. Und sie ist zwar ähnlich opulent präsentiert wie die Tefaf, aber sehr viel nahbarer.

Dabei schwelgt die Brafa ganz ungeniert im luxuriösen Genuss. Am Preview-Tag sind in den Gängen lange Tische aufgebaut, an denen am Abend die Galerien ihre Kunden bewirten. Nicht weniger als 1800 Gäste werden dann mit einem mehrgängigen Menü feinster belgischer Küche bedient. Schon bei der Vorbesichtigung promenieren Dutzende Helferinnen und Helfer mit Tabletts umher, bieten den Flanierenden Snacks und Getränke an, alsbald fließt auch der Champagner in Strömen.

Dennoch wirkt die Inszenierung nicht snobistisch oder gar protzig. Es ist vielmehr die gewachsene, selbstbewusste belgische Kultur, die sich hier feiert; und die viele der teilnehmenden 132 Galerien auch mit ihrer Lebensart als Dauergäste anzieht wie etwa die Galerie Mathivet aus Paris, der die Brafa „sehr wichtig“ ist. Am delikat und luftig präsentierten Stand offerieren die Pariser ein gelbes Textilbild von Josef Albers (250.000 Euro). Dazu gibt es einen außergewöhnlichen Hocker mit einem Sitz aus Pergament mit mehrfarbigem Libellen-Dekor von Carlo Bugatti für 55.000 Euro.

Auch „Die Galerie“ aus Frankfurt ist bereits zum zwölften Mal dabei. Galerist Peter Femfert, seit 45 Jahren im Geschäft, schwärmt: „Die Brafa ist meine Lieblingsmesse. Sie bietet hohe Qualität in einer wunderbaren Stadt und das Management ist sehr zuvorkommend; das findet man nicht überall.“

Femfert geht auch stets zur Tefaf, wo das Publikum internationaler sei, dafür habe man in Brüssel das wohlhabende Umfeld in Belgien, begründet er seine stete Teilnahme. Femfert offeriert an seinem Stand unter anderem eine gewaltige Trias von Bronzeskulpturen: die „Corps enseignant pour une école de tueurs“ von Max Ernst. Kostenpunkt: 2,7 Millionen Euro. Trotz anhaltender weltpolitischer und ökonomischer Krisen ist Femfert zuversichtlich: „Die wohlhabenden Leute bleiben wohlhabend“, sagt er. Deutschland allerdings sei derzeit sehr zurückhaltend im Kunstkauf.

Schon bei der Preview sind aber auch deutsche Sammler unterwegs, wie etwa der Sammler und Textilunternehmer Gerhard Wöhrl aus München, der Kauflaune signalisiert und sich beeindruckt zeigt von der Großzügigkeit der Präsentation: „Das ist eine ganz andere Nummer als die Münchener „Highlights“, staunt er.

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Neben den Stammgästen sind in diesem Jahr mehr als die Hälfte der 20 neuen Aussteller Spezialisten für Alte Meister, darunter Romigioli Antichità aus Mailand, der einen echten Hingucker anbietet: ein Paar mächtige Putten aus schimmerndem Carrara-Marmor von Giovanni Baratta. Das sinnliche Duo ist das Fragment eines verlorenen Altars aus der Kirche Santa Trinita in Florenz in der Via Tornabuoni und kostet 350.000 Euro.

Eine weitere Rarität aus sakralem Kontext ist beim Brüsseler Galeristen Klaas Muller zu erwerben, eine lebensgroße Holzskulptur, die auf Prozessionen getragen wurde: „San Pasquale Baylon“ von Giacomo Colombo und Werkstatt. Sie ist mit 80.000 Euro bewertet. Insgesamt sind an die 15.000 Objekte zu besichtigen und zu erwerben.

Romigioli Antichità aus Mailand hat diese Putte aus schimmerndem Carrara-Marmor im Angebot. Geschaffen hat sie der Bildhauer Giovanni Baratta. Foto: Romigioli Antichità

Eine Spezialität der Brafa ist ihre eklektische Vielfalt und das Prinzip eines konsequenten Kontrastprogramms in der Dramaturgie der Präsentation. Denn in Brüssel gibt es nicht den abgezirkelten Bereich für die Anbieter von Schmuck oder Papierarbeiten; keine eigene Zone für die zeitgenössische Kunst, Moderne, Design und Möbel, sondern das unerschrockene Nebeneinander aller Genres: Kojen mit Popart neben barocken Skulpturen, Comic-Kunst neben Jugendstilmobiliar, flämische Altmeister neben Zero-Kunst, Tapisserien des Barocks neben japanischer Malerei der Gegenwart.

Das wirkt trotz der musealen Qualität der Objekte in dieser lockeren Präsentation aber eben nicht museal und atmet auch nicht die Kühle der White-Cube-Ästhetik, sondern inspiriert zur kreativen Kombination in privatem Umfeld: Wie würde sich dieser Teppich über dem Jugendstil-Sofa machen, und gegenüber vielleicht eine „Chromatische Konstellation“ von Heinz Mack? Oder doch besser das ungewöhnlich wilde „Abstrakte Bild“ (1984) von Gerhard Richter, das als Highlight des Angebots bei der Zürcher Galerie von Vertes mit 2,8 Millionen Euro zu Buche schlägt?

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Auch von Vertes ist seit zehn Jahren dabei und „immer zufrieden“ mit der Brüsseler Messe. Bei aller erfrischenden Vielfalt scheint insgesamt das Angebot der Alten Meister die Nase leicht vorne zu haben. Besonders stark vertreten sind dabei nicht nur belgische und niederländische Galerien mit Heimvorteil; auch internationale Galerien bedienen das Segment mit herausragender Qualität und bestechender Präsentation.

Dazu gehört etwa die Genfer Galerie De Jonckheere, die an einer Wand um ein kleines „St. Martins Fire“ von Abel Grimmer sechs runde Kleinformate von Pieter Brueghel dem Jüngeren gruppiert. Sie zeigen Genreszenen und Porträts, darunter das eines herzhaft gähnenden Mannes, zu Preisen zwischen 250.000 und 350.000 Euro. De Jonckheere hat aber auch ein delikates Bild des belgischen Surrealisten Paul Delvaux im Angebot: „The Storm“ für 2 Millionen Euro.

Auf Delvaux liegt ein besonderer Akzent der Messe, denn die Paul Delvaux Stiftung ist in diesem Jahr Ehrengast der Brafa und würdigt den 30. Todestag des belgischen Malers mit einer kleinen Sonderausstellung. Zudem bieten gleich mehrere Aussteller neben De Jonckheere rund 30 seiner Werke an.

Surrealistisch inspiriert im Sinne Delvaux‘ ist auch das Hallendekor, das surrealistische Motive wie schwebende Wolken, riesenhafte Augen und ins Unendliche ansteigende Leitern aufnimmt. Schon bei der Preview sind erste rote Punkte zu entdecken, etwa für Maurice Utrillos frisch-farbiges, wie von einer Morgenbrise gestreiftes Ölbild „Le Parc de M. et Mme Utrillo au Vésinet“ (1940) in der Londoner Galerie Willow: Unter dem Punkt schimmert gut sichtbar der Preis von 295.000 Euro durch.

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Neben dem besonders gefeierten Künstler Paul Delvaux gibt es einen Künstler, dessen Werke bei der Brafa in zahlreichen Galerien auftauchen: Serge Poliakoff. Zu erwerben ist etwa seine „Abstract composition“ von 1960 für 88.000 Euro bei Galeries des Moderns, Paris. Offenbar treffen die abstrakten, bunten Farbflächen des russischen Malers den Nerv der Zeit.

Brafa Art Fair, Brüssels Expo, Heysel, Hallen 3 & 4, Place de Belgique 1, Brüssel, 28. Januar bis 4. Februar, Fr., 26.1. bis 22 Uhr, Sa., 27.1. von 11 bis 19 Uhr (für geladene Gäste), Publikumstage von So. 28.1. bis So. 4.2. von 11 bis 19 Uhr, Do. 1.2. bis 22 Uhr

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