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KunstmesseEine Messe macht einfach mehr Spaß in Florenz

Die Altmeistermesse BIAF in Florenz setzt auf ihren traditionsreichen Markenkern und den Charme des Austragungsorts. Schauplatz ist der prachtvolle Palazzo Corsini.Stefan Kobel 26.09.2024 - 15:12 Uhr Artikel anhören
Sieht aus wie ein Altmeister, entstand jedoch 1948: Pietro Annigonis "Müder Philosoph". Zu besichtigen auf dem Stand von Agnews in Florenz. Foto: Agnews

Florenz. Alte Meister scheinen auf dem Kunstmarkt seit einiger Zeit nicht gerade hoch im Kurs zu stehen. Das ließ sich dieses Frühjahr wieder auf den Auktionen in London und New York beobachten. Auch die auf das exklusive Marktsegment spezialisierten Messen machen nicht immer die beste Figur oder wurden gar eingestellt (Masterpiece London von der Art-Basel-Mutter MCH).

Die allmächtig wirkende Biennale des Antiquaires französischer Händler firmiert nach einem Machtwechsel jetzt als Fine Art Paris Ende November im Grand Palais und versucht eine Neupositionierung mit frischerem Image. Die Tefaf Fall in New York beschränkt sich auf das 20. und 21. Jahrhundert; Alte Meister gibt es nur noch in Maastricht im März.

Nur eine Woche vor der Frieze Masters in London präsentiert sich jedoch die Biennale Internazionale dell’Antiquariato di Firenze vom 28. September bis 6. Oktober (Vernissage 26.9.) als Fels in der Brandung. Mit ihrer 33. Ausgabe wirft die BIAF alles in die Waagschale, was den anderen Wettbewerbern in unterschiedlichem Ausmaß fehlt: Tradition (Gründung 1959), Destination (Florenz), einen existierenden Heimatmarkt und Grandeur (Palazzo Corsini).

Generalsekretär und internationales Gesicht der BIAF ist der renommierte Londoner Kunsthändler Fabrizio Moretti, der in den letzten Jahren eher diskret agiert und kaum noch an Messen teilnimmt oder Ausstellungen mit Alter Kunst organisiert. Sein Engagement in Florenz erklärt er so: „Messen sind wichtig, weil sich hier die Menschen treffen.

Es sind soziale Events, und hier kommen auch junge Leute zusammen, die vielleicht zu Sammlern werden. Alte Meister waren immer etwas für reifere Sammler, die erst mit 40 oder 50 anfangen.“

Italien gilt wegen strenger Exportbeschränkungen als schwieriger Markt. Zu Unrecht, findet Moretti: „Die meisten Aussteller kommen von außerhalb und führen die Kunstwerke zeitweise ein. Die anderen Händler haben viel im Vorfeld gearbeitet und in der Regel Ausfuhrlizenzen oder nicht exportierbare Objekte für den einheimischen Markt.“

Daher kann Dickinson aus London hier eine der vermutlich frühesten Zeichnungen Michelangelos anbieten, eine auf 1490 datierte Studie des Jupiter, die sich seit über 30 Jahren in Privatbesitz befindet und um zwei Millionen Euro kosten soll.

Der Kreis potenzieller Kunden für derartige Objekte ist überschaubar, das weiß Moretti: „Es war immer ein Nischenmarkt, und es wird ihn immer geben, auch dank der Museen. Er war auch immer schwierig, aber großartig.“

Auktionen bei Kornfeld

Impulse für einen erschlafften Kunstmarkt

Anthony Crichton-Stuart, Christie’s-Veteran und seit 2016 Direktor bei der traditionsreichen Londoner Kunsthandlung Agnews, sieht die Herausforderungen, aber auch die Chancen eines sich wandelnden Geschmacks: „Das enzyklopädische Sammeln ist nicht mehr en vogue. Die Käufer von heute sind eher bildgetrieben, das heißt, sie sammeln oft Dinge, die historisch nicht zusammengehören, aber zusammen gut aussehen und über die Epochen hinweg kommunizieren.“

Die Aufmerksamkeitsspannen seien heute viel kürzer. „Wir müssen schneller auf den Punkt kommen und die Leute für die Dinge interessieren. Heute kommt das Interesse eher vom Objekt, der Kontext kommt danach.“

Crossover oder eklektisches Sammeln gilt daher seit bald zwei Jahrzehnten als Mittel der Wahl gegen die Vergreisung des Altmeistermarkts. Richard Saltoun (London und Rom) widmet seinen ersten Stand auf der BIAF drei italienischen Künstlerinnen der Nachkriegsavantgarde: Bice Lazzari (1900–1981), Franca Maranò (1920–2015) und Antonietta Raphaël (1895–1975).

Dabei sind die Preise durchaus erschwinglich, eben etwas für Experimentierfreudige: Die Keramiken Maranòs sind schon ab 3000 Euro zu haben, Papierarbeiten Raphaëls ab 3500 Euro (jeweils netto). Moretti ist überzeugt: „Eine Messe macht einfach mehr Spaß in Florenz. Das Publikum ist überall das gleiche, weil dieses Segment sehr klein ist. Aber Florenz hat das Potenzial, neue Sammler anzusprechen.“

Biennale Internazionale dell’Antiquariato di Firenze, BIAF in Florenz, 28. September bis 6. Oktober, Infos: biaf.it/en

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