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Tipps für EinsteigerGut orientiert über die Art Cologne

Deutschlands wichtigste Kunstmesse in Köln gibt bis Sonntag einen Überblick vom Impressionismus bis zu NFTs. Das Schöne: Viele Kunstwerke werden zu überschaubaren Preisen gehandelt.Susanne Schreiber 16.11.2023 - 08:00 Uhr Artikel anhören

Sandra Vasquez de la Horras zweiseitiges Bild «Le Teste» verschmilzt am Stand der Galerie Haas die westliche mit der indigenen Kultur.

Foto: Galerie Haas Zürich

Köln. Warum soll ich die Art Cologne besuchen?
Die Art Cologne war Deutschlands erste Kunstmesse für zeitgenössische Kunst – und ist bis heute die wichtigste. 400 Galeristen aus aller Welt haben sich 2023 beworben, rund 170 wurden zugelassen. Die Messe ist juriert. Das garantiert Echtheit und Wertbeständigkeit. In den Deutzer Messehallen verschaffen sich Sammlerinnen und Kunstfreunde den Überblick, was der Markt aktuell zu bieten hat. Jeder Aussteller bringt das Beste mit – und zwar in allen Preisklassen.

Welches sind die aktuellen Trends?
Messedirektor Daniel Hug sieht die „Kunst von Künstlerinnen sowie von LGBTQ, von Stimmen außerhalb des eurozentrischen Spektrums“ im Aufwind. Man beachte die Bilder von Maja Behrmann bei Eigen + Art und die von Anne Neukamp bei Gregor Podnar, die Skulpturen von Claudia Comte bei König Galerie und die von Judith Hopf bei Deborah Schamoni. Hug beobachtet auch: „Die gegenständliche Malerei kehrt zurück. Man spürt in der Branche, dass das Interesse an Malerei wieder zunimmt.“ Der übertriebene Hype um NFT-Kunst hingegen habe sich verlangsamt, sagt Hug. Das Interesse von Künstlern an KI ist aber groß.

Rimma Arslanov zeitkritisches Gemälde „Distracted Brutalism #9“ findet sich in der Sektion „New Positions“.

Foto: Galerie Christine König

Welche Newcomer sind bemerkenswert?
Messedirektor Daniel Hug freut sich auf neue, sehr interessante junge Galerien wie Emanuel Layr aus Wien, Edouard Montassut aus Paris, Josey aus Norfolk, A+B aus Brescia und Choi & Choi aus Südkorea. Hug lenkt den Blick auch Neuaussteller wie Andersen’s Contemporary aus Kopenhagen mit Arbeiten von Tomas Saraceno sowie Peter Kilchmann aus Zürich und Paris mit Arbeiten von Francis Alÿs, dem diesjährigen Wolfgang-Hahn-Preisträger.

Was ist neu?
Daniel Hug ist seit 2008 erfolgreicher Direktor der Art Cologne. Er stellt im Gespräch mit dem Handelsblatt zwei Neuerungen heraus: „Mit 170 Ausstellern aus 29 Ländern sind wir in diesem Jahr in der gleichen Form und Stärke vertreten wie vor der Pandemie.“ 2022 versuchte Hug die Antiquitäten- und Designmesse „Cofa“ mit ausgewählten Teilnehmern in die Art Cologne zu integrieren. Das stieß auf zu wenig Publikumsresonanz. „In diesem Jahr wurden die Interessenten für den Bereich Art + Object erstmals vom Beirat der Messe ausgewählt“, sagt Hug über die attraktive Schnittstelle zwischen bildender und angewandter Kunst.

Wie präsentiert sich die zeitgenössische Kunst?
Großfotos über das Ende des Carbon-Zeitalters des gefeierten Schweizers Julien Charrière trifft man am Stand von Dittrich & Schlechtriem an. Verführerisch satte gegenständliche Malerei von Cornelius Völker findet die Messeflaneurin bei der Galerie Friese. Karin Kneffels buchstäblich vielschichtige Bilder bietet Schönewald an. Doch eine Kunstmesse kann und will keine heile Welt sein. Die Pariser Galerie Eric Mouchet schaut in ihrer Präsentation quer durch das 20. und 21. Jahrhundert auf den Krieg. Den afghanischen Teppich von Louis-Cyprien Rials kann niemand ansehen, ohne an die Bombardierung in der Ukraine oder im Nahen Osten zu denken: Das textile Kunstwerk „I no longer love blue skies“ zeigt einen Himmel voller Bomber.

Louis-Cyprien Rials „I no longer love blue skies” ist ein afghanischer Teppich.

Foto: Galerie Eric Mouchet

Wie orientiere ich mich?
Die 56. Art Cologne findet bis 19. November in den Hallen 11.1. und 11.2 statt. Der nahe beim Deutzer Bahnhof gelegene Südeingang bietet sich für einen Rundgang an. Mit einem Hallenplan in der Hand flaniert man leichter durch 150 Jahre Kunstgeschichte: Oben stellen Galerien für zeitgenössische Kunst aus, unten in 11.1. die Händler für Klassische Moderne, Nachkriegskunst und Design. Wer noch nicht weiß, welche Künstler oder Stilrichtungen das eigene Herz begehren könnte, bucht eine Tour bei „Arttour“. Die Führung gibt es als Kombiticket mit dem Eintritt oder als private Gruppenführung.

Céline Ducrots Gemälde „Right through you“ wurde mit Airbrush-Technik gemacht. Thema der jungen Schweizerin sind Wellness und Wohlbefinden. Zu finden sind ihre Arbeiten in der Sektion „New Positions“ bei Kadel Willborn.

Foto: Kadel Willborn

Wie stoße ich auf Entdeckungen?
Überall auf der Art Cologne. Immer neu und deshalb überraschend ist der Sektor „New Positions“. Er wird von der Messe und dem Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler realisiert. Céline Ducrots eigenwillige Malerei zieht die Blicke beispielsweise bei Kadel Willborn auf sich. Rimma Arslanov malt etwa Vorhänge und schreibt dort „eine Welt von Waffen, Wunden und Verletzungen“ ein, sagt ihre Wiener Galeristin Christine König. Messedirektor Hug erinnert an „namhafte Künstler wie Rosemarie Trockel, Neo Rauch oder Olafur Eliasson. Sie hatten im Rahmen der New Positions ihre ersten großen Messeauftritte.“

Wen frage ich?
Alle Fragen zu Inhalt und Bedeutung eines Kunstwerks, Künstler, Vita, Machart, Auflagenhöhe und natürlich zum Preis beantworten die Mitarbeitenden am Galeriestand. Sie geben gern Auskunft, auch Einsteigern. Gut gemacht ist die Webseite artcologne.de. Unter „Galerien“ kann man gemütlich zu Hause schon mal nach persönlichen Schwerpunkten und Entdeckungen Ausschau halten. Die erwarteten Preise werden auch mitgeliefert: Sie sind oft konsumfreundlich gehalten.

Der Master of the Concave Face ist der Schöpfer dieser „Senufo-Maske“. Das kunstvolle Ritualobjekt von der Elfenbeinküste bei Dierk Dierking ist Teil von Art + Object.

Foto: Galerie Dierk Dierking, Zürich

Was bietet die neue Sektion Art + Object?
Unter den vier Teilnehmern der neuen Sektion fällt der Juwelier Georg Hornemann auf. Der Düsseldorfer hat gemeinsam mit dem Künstler Thomas Grünfeld einen verblüffenden Ring entwickelt: oben Adler – unten Frosch. Er fragt den Träger stets, wie er auf die Welt blicken möchte: aus der Froschperspektive oder mit Abstand wie ein Adler, der den Luftraum beherrscht? Die Galerie Dierking aus Zürich kombiniert bei Art + Object eine afrikanische Maske Senufo (Foto S. 54) mit zeitgenössischer Kunst von Otto Boll, Christian Megert und den fragilen Skulpturen aus Pflanzen von Christiane Löhr. Erstmals stellt Dierk Dierking eine Neuentdeckung vor, den Maler Hanns Kunitzberger.

Wo finde ich Kunst zu moderatem Preis?
„Auf der ganzen Messe,“ sagt Direktor Daniel Hug. „Erschwingliche Arbeiten findet man inzwischen in jedem Segment. Auch bei der Klassischen Moderne gibt es weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler, bei denen die Preise sehr moderat sind. Außerdem bieten einige Aussteller auch Editionen an.“ Auch wer sich auf artcologne.de das Angebot der Galerien ansieht, findet dort oft überraschend tiefe Preise. Hug hat noch zwei weitere Tipps: „In der unteren Halle sind zum einen die wichtigen regionalen Kunstvereine, die ihre Jahreseditionen zum Verkauf anbieten, und zum anderen auch Zeitschriften und Verlage, die ebenfalls Editionen zu günstigen Preisen anbieten. Wer sich für ganz frische Kunst interessiert, dem empfehle ich einen Besuch der „New Positions“-Stände, wo ausgewählte junge Künstlerinnen und Künstler Einzelpräsentationen zeigen.

Ernst Ludwig Kirchners avantgardistisches Spätwerk „Spielende Badende“ findet sich in Halle 11.1 bei Henze & Ketterer.

Foto: Galerie Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern

Wie finde ich Klassische Moderne?
In Halle 11.2 wartet die Galerie Henze Ketterer aus der Schweiz auf mit Ernst Ludwig Kirchners „Spielende Badende“ von 1928. Körper in Sonne und Schatten werden da aufgelöst in einer Endloskontur umschlungener Farbfelder. Das heitere Bild ist zugleich figurativ und abstrakt. Es soll 1,5 Millionen Euro kosten und ist damit eines der am höchsten dotierten Werke der Messe. Den Bogen von der Klassischen Moderne spannen etliche Aussteller gekonnt bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts: Utermann aus Dortmund, Vertes aus Zürich, Schwarzer aus Düsseldorf oder Sundheimer aus München. Letzterer kann auch im Bereich unter 5000 Euro auf eine hübsche Auswahl an Zeichnungen verweisen. 

Salomé Chatriots Aluskulptur „Waistgate” entsteht im 3D-Drucker. Physischer und virtueller Raum verschmelzen.

Foto: Office Impart

Wo gibt es medienbasierte Kunst und NFTs?
„Viele unserer Aussteller zeigen medienbasierte Kunst und NFTs. Darunter Galerien wie Nagel/Draxler aus Berlin und Köln, Anita Beckers aus Frankfurt, DAM Projects aus Berlin und Falko Alexander aus Köln.“ So lautet die Empfehlung von Direktor Hug. Letzterer stellt Aaron Scheer aus. Vor dessen Arbeiten rätselt die Betrachterin, ob der Künstler malerische Entscheidungen zu glänzenden und wie regennass wirkenden Oberflächen traf oder ob sie das Ergebnis generativer Prozesse sind. Die Galerie Office Impart lenkt den Blick auf unregelmäßig geformte Objekte von Salomé Chatriot, die Schwingen gleichen. Die Französin konzentriert sich auf die Schaffung von physischen und virtuellen Räumen: Sie baut ohne KI Maschinen und Installationen, in denen elektronische Skulpturen und digitale Bilder nebeneinander existieren.

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Die 56. Art Cologne hat ihre Laufzeit verkürzt. Rund 170 internationale Galerien, 50 weniger als 2022, präsentieren ihre Stammkünstlerinnen und -künstler vom 16. bis 19. November in den Messhallen 11.1. und 11.2 in Köln-Deutz. Vernissage: 16. November 2023, 16 bis 20:00 Uhr; 17. bis 18. November, 11 bis 19 Uhr; 19. November, 11 bis 18 Uhr. Der Südeingang ist der praktischste für einen Rundgang.

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