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„Facebook – Weltmacht am Abgrund“ Ein neues Facebook-Enthüllungsbuch zeigt die Motive des Mark Zuckerberg

Kein Journalist kam dem Unternehmen so nah wie Steven Levy. Sein Buch offenbart Facebooks Blick auf die Welt – und die größten Fehler im Konzern.
02.03.2020 - 19:01 Uhr Kommentieren
Besonders der Facebook-Gründer wird von Levy in seinem Buch durchleuchtet. Quelle: AP
Mark Zuckerberg

Besonders der Facebook-Gründer wird von Levy in seinem Buch durchleuchtet.

(Foto: AP)

Düsseldorf Für Facebook-Chef Mark Zuckerberg geht es im Management um Krieg oder Frieden. „Der Friedens-CEO bemüht sich, Konflikte zu minimieren. Der Kriegs-CEO hat für den Konsens nichts übrig und toleriert auch keine Meinungsverschiedenheiten.“ So erklärte es Zuckerberg seinen wichtigsten Managern im Sommer 2018.

Die Definition hatte sich der Gründer beim Risikokapitalgeber Ben Horowitz angelesen. Demnach müsse ein guter Geschäftsführer zwischen beiden Rollen wechseln. Naht eine existenzielle Bedrohung, sollte ein CEO auch mal unbarmherzig vorgehen können und eben Kriegs-CEO spielen.

So wie Zuckerberg. Der steckte damals unter anderem wegen des Datenskandals um die Beratungsfirma Cambridge Analytica in der Klemme.

Aufgegriffen und aufgeschrieben hat die Szene vom martialischen Mark Zuckerberg Steven Levy. Kein anderer Journalist ist Facebook und Zuckerberg in den vergangenen drei Jahren so nahegekommen wie der US-Tech-Reporter. Es waren Jahre, in denen die größten Skandale und Fehler bei Facebook ans Licht der Öffentlichkeit kamen.

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    Aus seinen Recherchen hat Levy einen Insider-Report verfasst, deutscher Buchtitel: „Facebook – Weltmacht am Abgrund“. Und tatsächlich verraten die knapp 700 Seiten viel darüber, was beim größten sozialen Netzwerk der Welt zuletzt nicht so gut lief.

    Viele haben nach den Datenskandalen etwa bei Cambridge Analytica nachgezeichnet und kritisiert, wie der Milliardenkonzern mit Nutzerdaten, Wettbewerbern, Propaganda und Hetze umgeht. Dennoch sind Levys Enthüllungen anders, intimer. Sie erzählen die Firmengeschichte aus Sicht von Zuckerberg und seinen wichtigsten Leuten.

    Gute Einstiegslektüre mit Überraschungen für Kenner

    Man braucht keine Programmierkenntnisse und muss nicht jede Episode im Streit von Facebook mit den Behörden verfolgt haben, um Levys Erzählungen zu verstehen. Im Gegenteil: Sein Buch eignet sich gut als Einstieg, um sich mit dem größten sozialen Netzwerk der Welt zu befassen.

    Aber auch Kenner und Experten der Branche finden in dem Buch neue Details. So etwa, dass Facebook die eigenen Mitarbeiter belogen haben soll, als der Konzern heimlich an einem eigenen Smartphone arbeitete. Fragen nach einem derartigen Projekt seien intern verneint worden, heißt es in dem Buch.

    Nicht minder spannend sind die Einblicke in die Strategie- und Personalentscheidungen Zuckerbergs und seiner Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Als Sandberg in den Konzern wechselte, soll Zuckerberg sie mit allem betraut haben, was ihn nicht interessierte – darunter das Befolgen von Richtlinien.

    Ein sogenanntes Wachstumsteam, das viele dieser Regeln brechen sollte, berichtete gezielt nur an Zuckerberg. Die Verstöße, mit dem das Unternehmen später kämpfen musste, so legt es das Buch nahe, waren also vorprogrammiert.

    Levys Buch zeigt ungeschminkt auf, wie naiv Facebook dabei zusah, als das Beratungshaus Cambridge Analytica Millionen Nutzerdaten absaugte. Im Buch erzählt ein Facebook-Mitarbeiter: „Das war echt Wildwest. Der Typ hatte Zugang zu den Daten, und wir haben einfach nicht gerafft, was er damit anstellte.“ „Der Typ“ ist in dem Fall der Wissenschaftler Aleksandr Kogan, von dem Cambridge Analytica die Daten hatte.

    Für Levy, den mehrfachen Buchautor und Reporter des US-Technologie-Magazins „Wired“, dreht sich in seinem Buch alles um die Fragen nach Ursachen und Motiven solcher Vorfälle:

    • Was hat Zuckerberg und sein Unternehmen geprägt?
    • Welche Rolle spielten Mitgründer, Vertraute, diverse Manager und insbesondere Sheryl Sandberg beim Versagen in wichtigen Fragen?
    • Was treibt den Mann an, der im Besitz der Daten von Milliarden Menschen ist und bestimmen kann, was sie sehen und von wem sie gesehen werden?

    Levy zeichnet das Bild eines Unternehmers, der nach wie vor überzeugt ist, dass es gut für die Welt ist, wenn alle Menschen vernetzt sind und in Echtzeit alles äußern und sagen dürfen, was sie wollen. Er sagt das mittlerweile im vollen Bewusstsein dessen, dass Menschen in seinen Netzwerken hetzen, Morddrohungen verschicken und Massaker per Liveübertragung ins Netz stellen.

    Viele Leute seien wohl konservativer als er, sagt Zuckerberg in Levys Buch. Sie würden sich aus Angst nicht mit Dingen beschäftigen, die aus ihrer Sicht eigentlich passieren sollten. „Ich aber habe mehr Angst, nicht das Bestmögliche zu tun, als davor, das Bestehende kaputt zu machen. Ich denke einfach, ich gehe mehr Risiken ein, und das heißt auch, ich mache mehr falsch“, zitiert Levy den Facebook-Gründer in seinem Buch.

    Klar hätten sie im Rückblick bei Facebook auch falsche Strategieentscheidungen getroffen, räumt Zuckerberg ein: „Doch wenn man keine Fehler begeht, wird man vermutlich nicht seinem ganzen Potenzial gerecht, oder?“

    Auch zu der Frage, warum Politiker auf Facebook Wähler anlügen dürfen, liefert Levy neue Aussagen von Zuckerberg. So ist bekannt, dass davon derzeit in den USA vor allem die Republikaner um US-Präsident Donald Trump Gebrauch machen und profitieren.

    Zuckerberg sagt dazu gegenüber Levy: „Wenn man ein Unternehmen hat, das zu 90 Prozent liberal ist, denke ich, hat man auch eine gewisse Verantwortung und muss sicherstellen, dass man sich nicht selbst im Weg steht und Systeme erstellt, die nicht versehentlich etwas verzerren.“

    Keine Angst vor neuen Fehlern

    Er habe Facebook „zu keiner Zeit“ so geleitet, „um möglichst viel Geld zu verdienen“, sagt Zuckerberg in Levys Buch über Zuckerberg. „Ich denke einfach, wir haben uns nicht genug dem Thema Missbrauch gewidmet, eben weil wir davon überzeugt waren, dass dieses Netzwerk jede Menge Gutes in der Welt ausrichten könnte.“

    Mehr als 300 Menschen hat Levy nach eigener Aussage für sein Buch befragt. Die meisten arbeiten für Facebook oder haben das Unternehmen mittlerweile verlassen.

    Bei vielen der Gespräche war ein Mitarbeiter des Facebook-Presseteams dabei – was durchaus die Frage aufwirft, wie unverstellt die Aussagen im Buch wirklich sind. Das räumt der Autor selbst ein. Levy beruft sich zwar auf die Vielzahl seiner Gespräche, zusätzliche anonyme Zitatgeber und Quellen. Er verweist aber auch auf Ungereimtheiten.

    Facebook, so viel steht fest, durfte das Buch vorab nicht lesen. In einem Statement gegenüber dem Technologie-Journalisten Casey Newton erklärt sich der Konzern maximal umständlich zu Levys Buch: „Während wir nicht mit allem übereinstimmen, was er sagt, verneinen wir nicht die Herausforderungen, die er beschreibt, und arbeiten aktiv daran, sie zu bewältigen.“ Heißt: Einiges stimmt schon, was da in Levys Buch als Problem dargestellt wird.

    Widersprechen würde Facebook konkret wohl unter anderem Aussagen von Chamath Palihapitiya. Der ehemalige Wachstumschef des Unternehmens hat Facebooks Expansion massiv vorangetrieben. Und bringt im Buch eine wichtige Frage auf, die dem Konzern schon häufiger vorgeworfen wurde: Hat Facebook Daten über Menschen gesammelt, die gar nicht auf der Plattform angemeldet waren und für sie Profile erstellt?

    Facebook verneint das vehement. Laut Palihapitiya habe Facebook jedoch Google-Anzeigen erworben, die erschienen, wenn Leute, die nicht in dem Netzwerk aktiv sind, ihren Namen in die Suchmaschine eingaben. Ziel dieser „Dark Profiles“ auf Facebook war es laut Palihapitiya – die Menschen doch noch zur Anmeldung auf Facebook breitzuschlagen.

    Der Whistleblower will dabei eine wichtige Schlüsselrolle gespielt haben: Palihapitiya hatte damals unter anderem die Verantwortung dafür, dass der Konzern neue Nutzer gewinnt.

    Aussagen wie diese lassen mehr denn je daran zweifeln, ob Facebooks kompromisslose Wachstumsstrategie die richtige ist. Damit hat der Kriegs-CEO schon zu viele Schlachten verloren – und es ist nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Niederlagen hinzukommen.

    Mehr: Eigentlich pflegt das Silicon Valley enge Beziehungen zu China. Doch die Furcht vor dem Coronavirus verändert das Leben im Herzen der Tech-Branche.

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