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AnlagestrategieSo realistisch sind die Vorhersagen von Crash-Propheten wirklich

Für einen Crash kann es verschiedene Anzeichen geben. Für das Depot gilt: Vorsicht ist immer geboten, doch für Panik gibt es keinen Grund.Frank Wiebe 04.02.2020 - 04:54 Uhr

Frankfurt. Untergangspropheten haben gerade Hochkonjunktur: „Crash sells.“ Das war schon vor dem Ausbruch des Coronavirus in China so, der im Moment vor allem die asiatischen Märkte belastet. In den Crash-Szenarien geht entweder Deutschland unter, die Euro-Zone mit der Europäischen Zentralbank (EZB) oder gleich die ganze Welt.

Die Buchtitel reichen vom „Draghi-Crash“ (nach Ex-EZB-Chef Mario Draghi) von Markus Krall über den „Weltsystem-Crash“ von Max Otte bis zum „Größten Crash aller Zeiten“ von Marc Friedrich und zwei Co-Autoren. Als Gegenmittel gegen die kommende Katastrophe empfehlen die Gurus alles Mögliche – von Aktien bis zu Bitcoins und Whisky.

Warum sich so viele Menschen von den Theorien anstecken lassen, erklärt Ali Masarwah von der Fonds-Ratingagentur Morningstar so: „Bei Crash-Prophezeiungen stehen am Anfang einer abstrusen Argumentationskette oft unbestreitbare Fakten. Das macht sie für ein Laienpublikum schwer durchschaubar.“

Gemeinsam ist den genannten Autoren, dass sie mit ihren Prognosen das eigene Geschäft als Vermögensverwalter oder, im Fall von Degussa-Gold-Chef Krall, den Goldverkauf antreiben. Außerdem sprechen sie oft ein politisch rechtes Publikum an, zum Beispiel über Publikationen wie „Tichys Einblick“ oder „Junge Freiheit“.

Aber wie realistisch sind Crash-Prognosen? Sollte man das Depot auf den ganz großen Knall ausrichten? Die Antwort ist: Vorsicht ist immer geboten, für Panik gibt es keinen Grund. Masarwah warnt, dass gerade zu viel Panik zu einer einseitigen Ausrichtung des Depots und damit am Ende zu einer Schieflage führen kann.

Ein Crash kann in verschiedenen Varianten kommen: Es kann einen tiefen, nachhaltigen Einbruch am Aktien- oder am Immobilienmarkt geben, eine starke Inflation, einen massenhaften Ausfall von Anleihen oder einen Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems.

Auslöser für Krisen sind oft plötzlich steigende Kreditausfälle oder deutlich steigende Zinsen – häufig spielt auch beides zusammen. Es kann auch sein, dass nach einer langen Periode mit wenig Problemen irgendein Ereignis zu einem plötzlichen Vertrauensverlust führt – wie eben zu Jahresbeginn das Coronavirus, dessen rasante Verbreitung inzwischen Sorgen um die chinesische Wirtschaft und darüber hinaus schürt. Ein Überblick über die verschiedenen Facetten eines Crashs:

Einbruch am Aktienmarkt

Eine Auswertung des Deutschen Aktieninstituts ergibt, dass seit 1971 gemessen am globalen Aktienindex MSCI World oder am deutschen Dax ab einer Anlagedauer von 15 Jahren in keinem Zeitraum unterm Strich ein Verlust entstanden ist.
Trotzdem gab es auch schwere, nachhaltige Verluste am Aktienmarkt.

Der japanische Index Nikkei 225 hat nie mehr das Niveau von Ende der 80er-Jahre erreicht und einen tiefen Absturz zur Jahrtausendwende erst rund 15 Jahre später wieder aufgeholt. Der amerikanische Dow Jones hat nach dem legendären Börsencrash 1929 bis in die 50er-Jahre gebraucht, um wieder sein altes Niveau zu erreichen.

Der so genannte „Neue Markt“ für angeblich zukunftsträchtige Aktien, der Ende der 90er-Jahre in Deutschland sehr gefragt war, ist völlig zusammengebrochen und existiert gar nicht mehr. Der Dax lag im Jahr 2000 über 7500 Punkten und rutschte bis 2003 unter 2500 ab. Er brauchte danach sieben Jahre, um wieder aufzuholen.

Ist die Bewertung der Aktien nun nach der langjährigen Börsenrally zu hoch? Gemessen am Verhältnis des durchschnittlichen Aktienkurses zum Gewinn je Aktie (KGV) liegt der Dax mit einem Wert von 16 im mittleren Bereich, gemessen seit dem Jahr 1980.

US-Aktien liegen, gemessen am S&P 500 (zum Teil zurückgerechnet) mit einem Wert von 24 im oberen Bereich der Bewertungen seit 1880, aber nicht außerhalb der gewohnten Spannbreite. Gemessen an den niedrigen Anleiherenditen ist die relativ hohe Aktien-Bewertung zudem wenig überraschend.

Ein KGV von 25 entspricht einer Gewinnrendite (Gewinn je Aktie im Verhältnis zum Kurs) von vier Prozent. Das ist mehr als das Doppelte von dem, was aktuell zehnjährige US-Anleihen erbringen. Bei einem Konjunktureinbruch in den USA, der zurzeit nicht abzusehen ist, könnten die Gewinne der Unternehmen aber schrumpfen und damit die Kennzahl KGV nach oben drücken.

Eine besondere Rolle spielen Aktienrückkäufe. Sie haben zu den deutlichen Kurssteigerungen der letzten Jahre maßgeblich beigetragen. Wichtig ist aber: Bei solchen Rückkäufen zieht das Unternehmen seine eigenen Aktien ein. Damit vermindert sich die Zahl der Papiere, die im Umlauf sind, und jeder Aktionär bekommt einen höheren Anteil am Unternehmensgewinn. Deswegen führen diese Käufe nicht automatisch zu einer „Blase“. Sie erklären vielmehr, wie stark steigende Kurse und immer noch im Rahmen bleibende Bewertungen zusammenpassen.

Fazit: Ein Aktiencrash ist möglich. Aber die Bewertungen sind aktuell nicht übertrieben hoch.

Einbruch am Immobilienmarkt

Ein Crash am Immobilienmarkt kann desaströse Folgen haben. Das hat das Beispiel Japan seit Ende der 80er-Jahre gezeigt. Bei der Finanzkrise 2008 spielte der US-Immobilienmarkt eine Schlüsselrolle – es zeigte sich, dass entgegen anderslautenden Annahmen die Preise dort auch rasch sinken konnten.

Entscheidend für das Risiko ist nicht nur die Bewertung, sondern auch die Verschuldung der Eigner. In einigen Regionen, etwa in Skandinavien, gibt es hohe Bewertungen und eine zugleich hohe private Verschuldung. Vor allem in Australien sinken die Preise bereits wieder. In den Niederlanden ist zumindest die private Verschuldung relativ hoch.

In Deutschland sind die Immobilienpreise in den letzten Jahren in Ballungsgebieten deutlich gestiegen, aber noch weit von Verhältnissen wie etwa in London, Paris oder New York entfernt. Außerdem ist die private Verschuldung hierzulande ein kleineres Problem als in anderen Ländern.

Fazit: Der Immobilienmarkt ist extrem wichtig für das gesamte Finanzsystem, aber in Deutschland ist eine flächendeckende Überhitzung trotz der Preissteigerungen bislang nicht zu erkennen.

Starke Inflation

Kritiker der EZB haben immer wieder davor gewarnt, dass die Politik des leichten Geldes zu einem starken Anstieg der Inflation führen wird. Bisher ist nichts davon zu sehen. Weltweit geht die Inflation zurück. In Deutschland hat sich vor allem die Hyper-Inflation des Jahres 1923 ins kollektive Gedächtnis eingegraben.

Extreme Geldentwertungen waren aber fast immer die Folgen von politischen Katastrophen. Das gilt für die Jahre ab 1789 mit der Französischen Revolution, für 1861 bis 1865 mit dem amerikanischen Bürgerkrieg, für etliche Länder wie Deutschland, Österreich, Ungarn, Russland und Polen in den 1920er-Jahren als Folge des Ersten Weltkriegs und für Russland und die Ukraine 1992 im Zusammenhang mit dem Zerfall der Sowjetunion. Auch aktuelle Beispiele wie Simbabwe und Venezuela basieren auf politischen Entwicklungen.

Fazit: Eine hohe Inflation ist derzeit schwer vorstellbar.

Massenhafter Ausfall von Anleihen

Es gibt in der Tat einige Bereiche, wo Experten hohe Risiken sehen, jedenfalls im Vergleich zu den hohen Bewertungen. Joachim Fels, Chef-Ökonom der US-Fondsgesellschaft (und Allianz-Tochter) Pimco warnte vor kurzem vor US-Unternehmensanleihen.

Letztlich dürften partielle Ausfälle von Unternehmensanleihen das gesamte Finanzsystem aber weniger gefährden als Ausfälle von Bankkrediten. Im europäischen Markt für Unternehmens-Bonds ist die Lage entspannter.

Wirklich dramatisch wären Ausfälle von Staatsanleihen. In vielen Ländern mit größeren Währungen ist das so gut wie ausgeschlossen, weil im schlimmsten Fall die jeweilige Notenbank mit Käufen aushelfen würde - was allerdings zu steigender Inflation führen kann.

Im Euro-Raum ist es kompliziert: Am Beispiel Griechenland haben die Europäer, um keine Anreize für ausufernde Staatsverschuldung zu setzen, ein Exempel statuiert und einen Schuldenschnitt erzwungen. Gleichzeitig wurde aber mit dem Rettungsfonds ESM ein Instrument geschaffen, um Staatspleiten möglichst zu verhindern oder abzumildern.

Die größte Sorge bereiten in Europa die relativ hohen Staatschulden Italiens. Eine Staatspleite dort wäre verheerend. Stefan Bielmeier, Chefökonom der DZ-Bank, geht davon aus, dass die EZB mit Unterstützungsmaßnahmen darauf abzielen wird, „dass Italien gar nicht in eine solche Situation kommt“.

Er schätzt einen Ausfall Italiens in den nächsten Jahren als gering ein, „solange die EZB in ihrer Handlungsfähigkeit durch politische oder juristische Einflüsse nicht eingeschränkt wird“. Schwierig könne es aber werden, sollte die Inflation ansteigen, weil die EZB dann weniger Handlungsspielraum hätte. Letztlich geht es hier auch um die Frage, wie stark der politische Wille auf allen Seiten ist, den Euro-Raum zusammenzuhalten.

Fazit: Ein Crash aus dieser Richtung ist nicht abzusehen, aber im Hintergrund spielen einige schwer einzuschätzende politische Probleme eine Rolle.

Zusammenbruch des Finanzsystems

Die lange Zeit sehr niedriger Zinsen und relativ ruhiger Finanzmärkte kann dazu verleiten, Risiken zu unterschätzen und den Wert von Vermögen zu überschätzen. Davor warnt zum Beispiel Claudia Buch, die Vize-Präsidentin der Bundesbank. Seit der letzten Finanzkrise 2008 haben Banken ihr Kapital deutlich gestärkt, außerdem werden sie seitdem strenger beaufsichtigt.

Aber die Branche versucht bereits, sich gegen zu enge Kontrollen zu wehren. Außerdem wären bei einer wirklich tiefen Finanzkrise wahrscheinlich in vielen Fällen die Kapitaldecken immer noch nicht ausreichend.

Ein Problem ist auch die weltweit steigende Gesamtverschuldung. Die internationale Großbanken-Vereinigung IIF warnt davor, dass die Gesamtverschuldung nach einem erneuten Anstieg einen Rekordwert von gut 320 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts erreicht hat, nachdem sie zuvor einige Jahre leicht zurückgegangen war. Auf der anderen Seite helfen die niedrigen Zinsen, diese Last tragbar zu machen.

Der ehemalige US-Notenbanker und Finanzminister Tim Geithner warnt regelmäßig davor, dass bei einer künftigen Krise die Welt schlecht gerüstet wäre. Die Notenbanken hätten weniger Spielraum zu reagieren. Für einige Staaten treffe das ebenfalls zu. Und die politische Stimmung könnte verhindern, dass der Staat beherzt genug eingreife, um eine Krise aufzuhalten. Pimco-Mann Fels geht davon aus, dass die nächste Rezession schwer werden kann, aber er sieht kein Ereignis wie 2008 voraus.

Fazit: Ein dramatischer Zusammenbruch ist nicht abzusehen. Aber wenn er kommt, wäre er möglicherweise noch gefährlicher als 2008.

Insgesamt lässt sich feststellen: Ein Crash ist nicht auszuschließen, aber auch nicht abzusehen. Es wäre daher falsch, die gesamte Anlagestrategie darauf auszurichten. Wie lässt sich das trotzdem vorhandene Risiko einfangen?

Die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch hält einen Anteil von zehn Prozent in Gold als Sicherung gegen einen Totalausfall des Systems – das ist vergleichsweise viel und bringt keine laufende Rendite, ist aber auch nicht irrational. Gut vermietete, solide finanzierte Immobilien sind eine weitere Möglichkeit, sich krisenfest zu machen.

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Selbst Aktien von wenig konjunkturanfälligen Unternehmen können als Sachwerte eine gewisse Sicherheit bieten, allerdings zwischenzeitlich stark im Wert stark fallen. Und eine Portion Bargeld hilft immer, in Krisenzeiten zu niedrigen Kursen nachzukaufen.

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