Fondsbilanz: Stimmungswechsel bei Tech-Anlegern – Wo Investoren Rendite sehen
Frankfurt. Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich zu Beginn des Jahres gedreht. „Anleger gehen wieder ins Risiko“, sagt André Härtel, Fondsexperte bei Scope Fund Analysis.
Auf Technologie-Aktien ausgerichtete Produkte erzielten im ersten Quartal die höchsten Renditen: im Schnitt 16,3 Prozent. Das zeigen die von Härtel für das Handelsblatt ermittelten Daten. Drei Strategien, die im Folgenden vorgestellt werden, finden dabei wegen der bekannten Köpfe dahinter besondere Beachtung: die von Cathie Wood, Frank Thelen und Jan Beckers.
Am stärksten fällt die Stimmungsumkehr bei den auf Kryptowährungen und Blockchain ausgerichteten Tech-Aktienprodukten aus. Drei kleine Indexfonds mit dem „Global X Blockchain Ucits ETF“ an der Spitze gewannen zwischen 60 und 68 Prozent – in nur einem Quartal.
Die Analyse von Scope bündelt die durchschnittlichen Ergebnisse aller Produkte für 36 Anlageausrichtungen in den ersten drei Monaten 2023 sowie über fünf Jahre. Zweistellige Ergebnisse erzielten von Januar bis März auch Aktienfonds, die sich auf europäische oder deutsche Titel fokussieren.
Dennoch hat sich die Stimmung der Anleger am stärksten bei den Tech-Produkten aufgehellt. Grund dafür ist auch, dass nach mehrjährigem Höhenflug im vergangenen Jahr dort die größten Verluste eingefahren wurden. Das ändert sich nun.
Steigende Zinsen sind enorm schädlich für Wachstumswerte
„Die rasanten Zinserhöhungen im vergangenen Jahr waren besonders schädlich für Wachstumswerte“, erklärt Härtel. Der Grund: Die mit den Titeln verbundenen Unternehmen leben besonders stark davon, dass Anlegerinnen und Anleger ihre Hoffnungen auf künftige Gewinne ausrichten. Bei deutlich gestiegenen Zinsen sind dann aber die erwarteten Zukunftserträge in der Gegenwart weniger wert. Der geschilderte Effekt fällt im Gegensatz dazu bei schwächer wachsenden Firmen in anderen Branchen wesentlich geringer aus.
So erklärt sich auch der aktuelle Comeback-Versuch der Tech-Werte. „Der ist getrieben von den Hoffnungen, dass die Zinserhöhungen schnell ihr Ende finden“, urteilt der Scope-Mann. Das ermögliche eine einfache Prognose: Wird der Zinsanstieg zügig gestoppt, wirkt sich das positiv auf die Tech-Aktien aus. Erweist sich diese Hoffnung dagegen als falsch, dürfte ein Comeback scheitern.
Viele große Gesellschaften bieten Branchenfonds an, die auf Tech-Aktien setzen. Zu den Milliarden Euro schweren Produkten mit gutem Rating von Scope zählen der „DNB Fund – Technology“, der „Fidelity Funds – Global Technology“, der „BNP Paribas Disruptive Technology Classic“ und der Indexfonds „Xtrackers MSCI World Information Technology Ucits ETF“. Sie alle erzielten im ersten Quartal Renditen zwischen 15 und 19 Prozent. Über die vergangenen fünf Jahre wurden im jährlichen Schnitt 15 bis 20 Prozent erreicht.
Investoren mit riskanten Strategien
Wer nun seinen Blick auf die Fondsstrategien bekannter Tech-Investoren richtet, stellt eine Gemeinsamkeit fest. „Sie legen noch riskanter an, deshalb wurden die Strategien im vergangenen Jahr besonders hart abgestraft“, beschreibt Härtel die Entwicklung.
Gemeint sind Cathie Wood, Chefin der US-Anlagefirma ARK Investment Management und Steuerfrau des „Nikko AM ARK Disruptive Innovation“, aber auch Frank Thelen, Gründer verschiedener Unternehmen und Tech-Investor mit seinem „10xDNA – Disruptive Technologies“. Ebenso zählt Serien-Gründer Jan Beckers mit dem „BIT Global Internet Leaders 30“ dazu.
Während Wood getreu dem Fondsnamen auf disruptive Geschäftsmodelle setzt, ist Thelen näher am Venture-Capital-Gedanken, Beckers auf Fintechs konzentriert. Die Fonds verloren innerhalb von ein bis zwei Jahren vom Hoch bis zum Tief des Anteilspreises in der Spitze bis zu drei Viertel ihres Wertes.
Nikko AM ARK Disruptive Innovation (Wertzuwachs im ersten Quartal: 27,3 Prozent)
In den USA ist der „ARK Innovation ETF“ (ARKK) mit 7,5 Milliarden Dollar Kapital ein Schwergewicht. Deutsche Anleger können die Strategie unter dem Namen „Nikko AM ARK Disruptive Innovation“ mit immerhin noch 2,4 Milliarden Euro Volumen kaufen.
Das Stichwort disruptiv im Fondsnamen deutet bereits darauf hin, wie offensiv die 67-jährige Managerin vorgeht. Sie glaubt an Innovationen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Robotertechnologie, Energiespeicherung, Gentechnik und Blockchain.
Die größten zehn Positionen machen bereits die Hälfte des Fondsvolumens aus. Einige dieser Aktien waren vom Top aus gerechnet bis zum Kurstief auf ein Viertel oder Fünftel des ursprünglichen Wertes gefallen. Daher verlor auch der Fonds vom Jahreshoch 2021 bis zum Tief 2022 fast drei Viertel an Wert.
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Schlagzeilen machte Cathie Wood zuletzt, weil sie weitere Aktien der Kryptobörse Coinbase kaufte, obwohl die US-Börsenaufsicht gegen den Konzern ermittelt und mit einer Klage droht. Auch bei Block griff sie weiter zu. Das Finanzhaus Hindenburg setzt beim Anbieter von Finanzservices und digitalen Bezahllösungen auf fallende Kurse.
Mit fast einem Zehntel des Fondskapitals ist Tesla die größte Einzelposition. Der E-Auto-Pionier unter seinem umstrittenen Firmenchef Elon Musk wird auf Basis der geschätzten Gewinne für das laufende Jahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 47 gehandelt. Das illustriert die hohen Zukunftserwartungen: Die im breiten Index S&P 500 enthaltenen Titel sind im Schnitt nur mit 19 bewertet.
BIT Global Internet Leaders 30 (Wertzuwachs im ersten Quartal: 18,3 Prozent)
„Es hat uns richtig hart getroffen“, sagt Gründer und Chefstratege Jan Beckers von BIT Capital, der 40 Mitarbeiter beschäftigt. Was er damit meint, sind die Verluste der Wachstumsaktien und damit auch des eigenen Fonds, der rund 500 Millionen Euro schwer ist. Von seinem Hoch im Jahr 2021 bis zum Tief im vergangenen Jahr verlor er 66,4 Prozent.
Der 40-Jährige will dieses Kapitel aber hinter sich lassen. Seine Prognose: „Selten konnte man günstiger in Schlüsseltechnologien investieren als nach dem Tech-Crash im letzten Jahr.“ Im Zentrum steht für ihn wie auch für Thelen das zentrale Thema Künstliche Intelligenz, die prägende Technologie des laufenden Jahrzehnts.
Darauf sei auch der Fonds ausgerichtet, der im Schnitt bis zu 30 Aktien hält. „Rund zwei Drittel davon sind bereits heute federführend beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in ihren Industrien“, sagt Beckers.
Viel hält er auch von Duolingo, „der effizientesten Sprachschule der Welt“. Die habe die Anzahl der zahlenden Kunden mit über vier Millionen innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. Das US-Unternehmen sei seit Jahren führend beim Einsatz von KI: „Die ermöglichen heute schon Lernen wie mit einem menschlichen Tutor“, urteilt er.
Überzeugt ist er auch von der brasilianischen Nubank, die im Vergleich zu ihrer Konkurrenz ihr Geschäft mit nur einem Zehntel der üblichen Belegschaft bewältigt. So beschäftige sie etwa nur wenige Sachbearbeiter für Kredite, weil eine KI die Rückzahlprognosen übernehme. Zu guter Letzt lobt er Palo Alto Networks als Anbieter von Sicherheitsleistungen für Cybersecurity.
Beckers wirft einen Blick auf Cathie Wood. Es gebe mindestens einen Unterschied: „Sie hält noch Tesla-Aktien, wir sind da raus.“ Langfristig erwartet er eine Jahresrendite von bis zu 15 Prozent. Das eigene Engagement weiß er ähnlich wie Thelen zu verkaufen: Die Entwicklung des Fonds betreffe ihn immerhin selbst, denn er sei „mit 100 Millionen Euro selbst investiert“, sagt er.
10xDNA – Disruptive Technologies (Wertzuwachs im ersten Quartal: 23,8 Prozent)
„Wir hatten jede Woche im vergangenen Jahr Zuflüsse in unseren Fonds“, sagt Frank Thelen, Gründer der Anlagefirma Freigeist Capital. Pech war allerdings, dass er seinen Fonds lancierte, kurz bevor die Tech-Aktien abstürzten. Infolge dessen verlor auch sein Fonds mehr als 60 Prozent.
Auch der 47-jährige Unternehmer setzt auf Künstliche Intelligenz und erwartet: „Die entwickelt sich exponentiell, jetzt kommen konkrete Lösungen – es wird in jeder Industrie extreme Durchbrüche geben.“
Der rund 70 Millionen Euro große Fonds investiert in 30 bis 35 Einzeltitel. Zu seinen Favoriten zählt Thelen den britischen Chiphersteller Alphawave Semi, ein sehr profitables Unternehmen mit hoher Gewinnmarge. Das Unternehmen stehe weit weniger im Rampenlicht als Nvidia aus den USA.
Ein weiteres Beispiel sei Hyperfine im Gesundheitssektor. Die Firma arbeite an transportablen MRT-Geräten, die Analysen zu einem Bruchteil des bisherigen Preises machen könnten: „Das kann ich im Aufzug transportieren; wir glauben, dass die Idee funktioniert.“
Positive Entwicklungschancen sieht er auch beim schweizerischen Solarzellenproduzenten Meyer Burger Technology, der „überlegene Produkte“ herstelle und außerdem von Subventionsprogrammen und dem Ausbau erneuerbarer Energien profitiere. Als viertes Beispiel nennt Thelen Symbotic, den US-Spezialisten für KI-basierte Lagerautomatisierung.
Wie Becker richtet Thelen den Blick auf Wood: „Im Fonds haben wir keine Überschneidungen mit ihren Positionen – Tesla ist eine Ausnahme. Langfristig müssen wir eine bessere Rendite liefern.“ Sein Interesse daran unterstreicht er werbewirksam mit dem gleichen Argument wie BIT-Capital-Mann Beckers. „Ich habe zehn Millionen Euro eigenes Geld im Fonds, auch meine Frau und andere Mitarbeiter sind investiert.“