Quartalszahlen: Commerzbank übertrumpft Deutsche Bank an der Börse
Beide Großbanken haben in dieser Woche Zahlen vorgelegt.
Foto: ReutersFrankfurt. Zwei deutsche Großbanken, beide leiden unter den Folgewirkungen des Ukrainekriegs, beide übertreffen mit ihren Quartalsergebnissen – zumindest teilweise – die Erwartungen der Analysten. Doch an der Börse ging es danach in völlig unterschiedliche Richtungen. Während der Kurs der Commerzbank am Mittwoch bis zum Nachmittag um rund zwei Prozent stieg, fiel die Aktie der Deutschen Bank um fünf Prozent.
Das dürfte vor allem daran liegen, dass die Commerzbank deutlich mehr positive Überraschungen bereithielt als ihre größere Konkurrentin: Sie übertraf die Gewinnschätzungen der Analysten deutlicher als die Deutsche Bank, obwohl sie mehr Geld für Belastungen durch den Ukrainekrieg zurücklegte. Die Deutsche Bank wiederum hielt zwar an ihren Renditezielen von acht Prozent für das Gesamtjahr fest, musste aber erklären, warum ihre Kosten höher ausgefallen waren als gedacht.
Das prägende Thema dürften bei beiden Instituten allerdings die möglichen Folgen des Ukrainekriegs sein. „Dies hat natürlich das Potenzial, unsere Gesamtjahresergebnisse in unserem wichtigen Messlattenjahr zu beeinflussen“, warnte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.
Die unklaren Aussichten für europäische Banken und ihre regionale Nähe zum Krieg gelten als ein wichtiger Grund dafür, dass vor Kurzem die amerikanische Fondsgesellschaft Capital Group ihre Anteile an Deutscher Bank und Commerzbank verkauft hatte. „US-Investoren ziehen sich generell zurück von europäischen Banken“, sagt Andreas Thomae, Fondsmanager bei der Deka.
Zur unterschiedlichen Wahrnehmung von Deutscher Bank und Commerzbank dürfte aber beigetragen haben, dass sich beide Häuser in sehr unterschiedlichem Umfang gegen mögliche Kreditausfälle gerüstet haben. Denn Deutschland gehört zu den europäischen Ländern, deren Unternehmen von einem Wirtschaftskrieg mit Russland besonders hart getroffen würden.
Während die Commerzbank ihre Risikovorsorge auf 464 Millionen Euro verdreifachte, erhöhte die wesentlich größere Deutsche Bank ihre Risikopuffer auf gerade einmal 292 Millionen Euro. Das war zwar rund viermal so viel, wie die Deutsche Bank im Vorjahr zurückgelegt hatte, doch einige Analysten fragen sich, ob diese Rückstellungen für den sich verschärfenden Konflikt ausreichen.
Noch gibt es kaum Kreditausfälle
Eine gravierende Verschlechterung der Wirtschaftslage in Deutschland wie etwa ein Lieferstopp für russisches Gas und eine daraus folgende Rezession reflektieren diese Zahlen „nicht vollständig“, räumte der Finanzchef der Deutschen Bank, James von Moltke, ein. Er betonte aber, dass die Bank auch die Folgen eines möglichen russischen Gaslieferstopps und einer Rezession in Deutschland verkraften könne.
Deutschland habe „den fiskalischen Spielraum und den politischen Willen“, seine Wirtschaft in so einem Fall zu unterstützen, sagte er. Er rechnet damit, dass die Bundesregierung dann ähnlich wie während der Coronapandemie Hilfspakete für in Not geratene Unternehmen schnüren wird – und damit Unternehmenspleiten und somit auch Kreditausfälle verhindert.
Noch gibt es bei der Deutschen Bank kaum konkrete Kreditausfälle. Die Risikovorsorge speist sich laut Geschäftsbericht aus der „makroökonomischen Unsicherheit“, wegen der sich die Bonität der Kunden verschlechtert habe, sowie sogenannten „Overlays“, also einer Risikovorsorge, die vorsorglich getroffen wird, auch ohne dass es konkrete Anhaltspunkte für Kreditausfälle gibt.
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Für das Gesamtjahr erhöhte die Bank ihre Prognose für die Risikovorsorge: Statt einer Summe, die 0,2 Prozentpunkten bezogen auf das Kreditbuch entspricht, kalkuliert Finanzchef von Moltke nun mit einem Risikopuffer, der „eher bei 0,25 Prozentpunkten“ der Darlehenssumme liegt.
Trotz der Rückstellungen für Kreditausfälle startete die Deutsche Bank aber mit einem Gewinnsprung ins Jahr und schnitt besser ab als vom Markt erwartet. Unter dem Strich verdiente sie im ersten Quartal 1,06 Milliarden Euro – ein Plus von 17 Prozent und das siebte Gewinnquartal in Folge.
Die Konzernerträge stiegen um ein Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. „Die Ergebnisse aller Geschäftsbereiche liegen im oder über dem Plan, und wir haben unseren höchsten Quartalsgewinn seit neun Jahren erzielt“, zog Sewing Bilanz.
Er betonte, dass die Bank auf einem guten Weg sei, die beim Start des großen Umbaus 2019 gesetzten Ziele zu erfüllen. Sewing hatte den Investoren damals für 2022 eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von acht Prozent versprochen, die bis 2025 auf zehn Prozent steigen soll. Im ersten Quartal ist das bereits geglückt, obwohl die Bank in den ersten Monaten des Jahres die Abgaben für den Europäischen Abwicklungsfonds für das Gesamtjahr zahlen muss.
Aus Sicht von Fondsmanager Thomae ist das Ergebnis der Deutschen Bank „ordentlich“: Der Zuwachs im Anleihegeschäft des Investmentbankings deutet für ihn auf weitere Marktanteilsgewinne hin und ist besser als das internationaler Wettbewerber. Das Ergebnis im Privat- und Firmenkundengeschäft nennt er „solide“.
Die Erträge der Deutschen Bank lagen allerdings nur vier Prozent über den Analystenschätzungen. Der Vorsteuergewinn blieb dagegen um drei Prozent hinter den Prognosen zurück. Nur der Nettogewinn lag mit zwölf Prozent relativ deutlich über den Schätzungen.
Starke Commerzbank-Zahlen
Die Zahlen der Commerzbank lagen so klar über den Erwartungen, dass das Institut sogar gezwungen war, die Veröffentlichung vorzuziehen. Binnen Jahresfrist hat sich der Nettogewinn auf 284 Millionen Euro verdoppelt, während das operative Ergebnis von 538 Millionen Euro auf 544 Millionen stieg. Die Erträge kletterten um zwölf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Damit lag der operative Gewinn der Commerzbank um 48 Prozent über den durchschnittlichen Analystenerwartungen, die Erträge waren 21 Prozent höher als erwartet.
Es sei positiv, dass der Gewinnanstieg der Commerzbank auf eine starke Ertragsentwicklung zurückzuführen sei, auch im Kerngeschäft, meinen die Analysten der Deutschen Bank. „Dadurch konnte die Bank selbst konservative Risikovorsorge für mögliche Belastungen durch den Krieg in der Ukraine bilden.“
Als Commerzbank-Chef Manfred Knof Anfang vergangenen Jahres das Ziel einer Eigenkapitalrendite von sieben Prozent für 2024 ausgab, hielten viele Experten das noch für utopisch. Mittlerweile hat sich die Stimmung jedoch gedreht. Dank Fortschritten beim Konzernumbau und steigender Marktzinsen trauen manche Investoren dem Geldhaus zu, seine mittelfristigen Ziele zu erreichen.
Auch bei Analysten steigt nach den Zahlen des ersten Quartals die Zuversicht. „Die fundamentale Entwicklung der Commerzbank geht in die richtige Richtung – und das sogar stärker, als wir es erwartet hatten“, schreiben die Experten der Deutschen Bank.
Die Deutsche Bank kam immerhin ihrem Renditeziel für dieses Jahr ein Stück näher. Trotz der höheren Risikovorsorge konnte sie die Rendite auf das materielle Eigenkapital von 7,4 auf 8,1 Prozent steigern und lag damit über Sewings Zielvorgabe für Ende des Jahres.
Dazu trug auch eine verbesserte Effizienz bei. Die Bank musste nur noch 73 Cent ausgeben, um einen Euro einzunehmen, nach 77 Cent im ersten Quartal 2021. Als Hauptgrund für das deutliche Minus an der Börse gelten die Kosten, die höher als erwartet ausfielen und sich auf 5,37 Milliarden Euro summierten. Dafür waren vor allem höhere Vergütungskosten verantwortlich. Die Bank spricht außerdem davon, dass die um Umbaukosten bereinigten Ausgaben im Gesamtjahr „im Wesentlichen unverändert bleiben“ werden, bislang war von einem leichten Rückgang die Rede.
Der höhere Personalaufwand traf vor allem die wichtigste Sparte, die Investmentbank. Zwar steigen die Erträge um sieben Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Allerdings wurde dieses Plus weitgehend durch höhere Kosten vor allem für die Entlohnung der Mitarbeiter aufgezehrt.
Da die Kosten um elf Prozent stiegen, verbesserte sich der Vorsteuergewinn nur um ein Prozent. Finanzchef von Moltke begründete dies unter anderem mit dem „Krieg um Talente“. Dennoch war die Investmentbank erneut der größte Gewinnbringer und trug mit 1,5 Milliarden Euro zum gesamten Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Euro bei. Die Risikovorsorge belastete vor allem die Unternehmensbank, wo sie einen Ertragsanstieg von elf Prozent praktisch nivellierte. Dank deutlich niedrigerer Kosten stieg der Vorsteuergewinn dieser Sparte dennoch um 25 Prozent.