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Stocard und Co. Fintechs wetteifern um eine Super-App

Björn Goß hat ein großes Ziel: Zuerst soll seine App „Stocard“ das Portemonnaie ersetzen und dann die Banken. Doch es gibt internationale Konkurrenz.
10.06.2020 Update: 10.06.2020 - 13:38 Uhr Kommentieren
David Handlos, Florian Barth und Björn Goß (von links) haben 2011 ihre App gestartet. Quelle: Stocard
Stocard-Gründer

David Handlos, Florian Barth und Björn Goß (von links) haben 2011 ihre App gestartet.

(Foto: Stocard)

Frankfurt Es ist der Traum Dutzender Fintech-Gründer: Eine Finanz-App für das Smartphone entwickeln, die Millionen Kunden täglich nutzen. Sie soll dabei helfen, die persönlichen Finanzen zu organisieren und zu einem unverzichtbaren Begleiter werden. Björn Goß ist diesem Ziel schon recht nahegekommen.

Wie er dem Handelsblatt bestätigte, zählt seine Stocard-App bereits 50 Millionen Nutzer – hauptsächlich in elf europäischen Ländern plus Australien und Kanada. Im Schnitt greifen sie alle acht Tage auf die App zu. Bislang konnten sie damit ihre Bonuskarten von Tausenden Händlern digitalisieren und Rabatt-Coupons verwalten. Die britischen Kunden können ab diesem Mittwoch auch mit der App bezahlen – Deutschland und zwei weitere EU-Länder sollen im Herbst folgen.

Für Stocard-Co-Gründer Goß ist das der nächste Schritt in Richtung einer umfassenden Finanz-App. Weitere sind bereits in Planung. Hinter dem Streben nach einer solchen App steckt die Idee, dass die durchschnittlichen Kunden nur ungern zig verschiedene Finanzanwendungen auf ihrem Smartphone nutzen, sondern lieber alles aus einer Hand erhalten. Branchenübergreifendes Beispiel für ein solches Konzept ist der Tech-Konzern Google und der Onlinemarktplatz Amazon.

Sie haben sich von einer Internetsuchmaschine und einem Onlinebuchhändler zu Universalanbietern entwickelt. Sie sind die erste Anlaufstelle für die Kunden. Andere Unternehmen verlieren den direkten Kontakt. So könnte es auch Banken ergehen, wenn einer Finanz-App tatsächlich der ganz große Erfolg gelingt.

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Standort erkennen

    Peter Barkow, Inhaber des Analysehauses Barkow Consulting, sieht in der Finanzbranche längst einen solchen Wettbewerb um den ersten Kontakt zum Kunden. „Wenn man den hat, kommt es nicht mehr darauf an, dass man selbst Produkte wie ein Bankkonto bietet. Stattdessen ist man ein Gatekeeper und kann entscheiden, welche Angebote die Kunden von anderen erhalten. In dieser Position lassen sich auch solide Erträge erzielen“, sagt er.

    Über das Ziel sind sich die unterschiedlichen Kandidaten weitgehend einig. Die Wege dorthin sehen aber sehr unterschiedlich aus. Stocard setzt beim Einkaufen an. Die Erweiterung von der App für Bonuskarten hin zur Bezahl-App ist daher ein Meilenstein. Das Angebot ist als digitale Geldbörse (Wallet) konzipiert, die vor dem Bezahlen aufgeladen werden muss. Dies soll zunächst nur per Kreditkartenzahlung möglich sein.

    Ungefähr zum Start in Deutschland werde aber auch das Aufladen vom Bankkonto angeboten, sagt Goß. Wollen Nutzer mit Stocard im Laden bezahlen, funktioniert das über eine virtuelle Mastercard, die in der App generiert wird und auf das Wallet-Guthaben zugreift – die dafür notwendige E-Geld-Lizenz stellt der Zahlungsdienstleister Wirecard zur Verfügung. Über den kontaktlosen Datenaustausch per NFC-Technik kommuniziert die App mit der Kasse des Händlers. Auch online sei das Bezahlen mit Stocard möglich.

    Auf iPhones wird der Bezahlvorgang mithilfe von Apple Pay abgewickelt. Dafür muss die virtuelle Stocard-Mastercard in der Apple-Wallet hinterlegt werden. Eine Kooperation mit Google Pay ist indes nicht geplant. Auf Android-Geräten läuft die Bezahlfunktion direkt über die Stocard-App. „Es ist immer schöner, wenn man die komplette Nutzererfahrung selbst in der Hand hat und kein anderer Anbieter dazwischen ist“, sagt Goß.

    Mit der App können Nutzer Bonuspunkte sammeln und nun auch bezahlen. Quelle: Stocard
    Stocard-App

    Mit der App können Nutzer Bonuspunkte sammeln und nun auch bezahlen.

    (Foto: Stocard)

    „App für das finanzielle Leben“

    Auch die Brüder Alexander und Benjamin Michel träumen von der „Super-App“. Ihr Angebot Finanzguru zählt mehr als eine halbe Million Kunden und wurde durch die Beteiligungen des Investors Carsten Maschmeyer und der Deutschen Bank bekannt. Statt beim Einkaufen setzen sie beim Konto-Überblick an.

    Nutzer können in der App verschiedene Bankkonten einbinden und erhalten eine Analyse ihrer Einnahmen und Ausgaben nebst Vorschau auf den künftigen Kontostand und Vertragsmanagement. „Wir wollen die App für das ganze finanzielle Leben werden“, sagte Benjamin Michel am Dienstag auf der digitalen Banking-Konferenz „Bex“. Ab Herbst will auch er mit einer Finanzguru-Kontokarte in den Zahlungsverkehr einsteigen.

    Bernd Storm van’s Gravesande arbeitet mit Heymoney ebenfalls an einer umfassenden Finanz-App. Er ist Geschäftsführer von Iconic Finance – einem Tochterunternehmen des Versicherungskonzerns Allianz. Bei der Frage, wie genau er die Kunden überzeugen will, gibt er sich vor dem Start des Angebots noch bedeckt. Wichtig sei es, „Alltagsrelevanz“ beim Kunden zu erreichen, sagte er auf der Bex. Im vergangenen Monat war bekannt geworden, dass Heymoney mit dem Fintech Aboalarm kooperiert – das Storm einst mitgegründet hat.

    Die Kategorisierung von Banktransaktionen, Erkennung von Verträgen sowie eine Möglichkeit zur Kündigung von Abonnements sind als Funktionen daher bereits gesetzt. Wegen der Verbindung zur Allianz dürfte auch ein Schwerpunkt auf Versicherungen liegen, daneben sollen individuelle Einkaufsgutscheine geplant sein.

    Neben Stocard, Finanzguru und Heymoney beteiligen sich allein in Deutschland noch zahlreiche andere Finanz-Start-ups am Rennen um die eine Finanz-App, auf die Kunden nicht mehr verzichten wollen. Früh am Start waren etwa Anbieter wie Finanzblick, Outbank und Numbrs. Auch Smartphone-Banken wie N26, Revolut und neuerdings Vivid Money zielen in diese Richtung. Goß selbst sieht in Deutschland „keine konkreten Konkurrenten“. Auch Banken würden mit der Entwicklung von digitalen Geldbörsen eher in den Hintergrund treten.

    Dabei haben auch sie ihre Apps in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt und binden teils Kooperationspartner ein. Die Deutsche Bank versucht sich mit Yunar zudem selbst an einer Bonuskarten-App – hat aber einige Jahre Rückstand zu Stocard.

    Nach Ansicht von Berater Barkow ist es aktuell noch völlig offen, wer das Rennen um die Super-App machen wird. „Die Wettbewerber nähern sich aus unterschiedlichen Bereichen, haben aber letztlich alle das Ziel, Alltagsprobleme des Kunden zu lösen. Auch traditionelle Banken und Versicherer sind noch im Rennen, ihnen fällt es erfahrungsgemäß aber schwer, wirklich einfach zu bedienende Apps zu entwickeln. Die Nutzererfahrung darf man nicht vernachlässigen, denn insbesondere jungen Leuten ist jeder Klick einer zu viel.“

    Hinsichtlich des Angebotsspektrums sollte eine Super-App laut Barkow alle wichtigen Finanzbereiche abdecken: „Dazu gehören Bezahlen, Banking und Kredite. Aber auch Funktionen wie eine Kontostandvorschau und Tipps zum Sparen sind interessant.“

    Das Mannheimer Start-up Stocard ist bereits seit 2011 am Markt aktiv. Gestartet war es in Australien, weil sich zwei der drei Gründer kurzzeitig dort aufhielten. Aktuell zählt es Down Under rund vier Millionen Nutzer. Der größte Markt ist Italien mit acht Millionen Nutzern, gefolgt von Frankreich mit fünf Millionen.

    In Deutschland sind es laut Goß 2,5 Millionen. „Der Markt hinkt den anderen etwa drei Jahre hinterher, weil die Händler erst spät von Laserscannern auf Bildscanner umgestellt haben“, erklärt er. Hintergrund: Die Laserscanner sind nicht mit dem Smartphone-Bildschirm kompatibel.

    Aber trotz des Rückstands in Deutschland haben hierzulande überhaupt erst wenige Fintechs Kundenzahlen in Millionenhöhe erreicht. Bei der Smartphonebank N26 verteilen sich die kommunizierten fünf Millionen Kunden auf 25 Länder und die Anlageplattform Weltsparen zählt 260.000 Kunden aus 32 europäischen Ländern. Die bekannten Finanz-Management-Apps liegen noch deutlich unter 200.000 Nutzern.

    Probleme bereitet den App-Anbietern auch die Monetarisierung. Finanzblick wird vom Technologieunternehmen Buhl querfinanziert, Outbank wurde vom Vergleichsportal Verivox gekauft und Numbrs kündigte kürzlich eine umfassende Restrukturierung an, bei der zur Kostenersparnis jeder zweite Job gestrichen werde und zugleich über neue Partnerschaften die Erträge gesteigert werden sollen.

    Daten für die Händler

    Den Kunden eine Finanzübersicht zu bieten und sie dann in weitere Produkte zu locken erscheint nicht einfach. Finanzguru-Co-Chef Michel sieht sich allerdings auf einem guten Weg: Manche Funktionen in der App würden bepreist und zudem erhalte seine Firma laufende Provisionen aus den vermittelten Strom- und Gasverträgen, sagte er am Dienstag.

    Stocard wiederum generiert Einnahmen über seine Zusammenarbeit mit rund 5000 Händlern, von denen 600 tiefer in die App integriert seien – etwa mit aktuellen Prospekten und speziellen Rabattangeboten. „Wir unterstützen die Händler dabei, zielgerichtet mit Kunden zu kommunizieren. Den Erfolg können sie dabei unmittelbar messen“, sagt Goß.

    Dabei nutze Stocard selbst keine Daten über die Einkäufe der Kunden, sondern sorge dafür, dass die Händler die Daten erhalten. Mit der Bezahlfunktion eröffnet sich eine weitere Einnahmequelle: Die Kartengebühren, die Händler bezahlen müssen, wenn Kunden mit Kreditkarte zahlen.

    Goß denkt aber schon über das mobile Bezahlen hinaus: „Mit Finanzierungsangeboten könnten wir ein weiteres Kundenbedürfnis bedienen, auch Bankkonten lassen sich vergleichsweise einfach in die App einbinden und später könnten noch weitere Finanzprodukte dazukommen, sodass die Nutzer über unsere App alles organisieren können, das mit Geld zu tun hat.“

    Als Vorbild nennt er dabei Alipay. Was ursprünglich nur eine Online-Bezahlfunktion für einen Onlineshop des chinesischen Konzerns Alibaba war, hat sich zu einer Lifestyle-Plattform entwickelt. Mit der Smartphone-App können Nutzer nicht nur bezahlen, sondern sämtliche Finanzgeschäfte erledigen, Shopping-Tipps erhalten oder einen Tisch im Restaurant buchen.

    Alipay selbst hat seine Fühler längst nach Europa ausgestreckt und bietet seine App inklusive Bezahlfunktion hier für chinesische Touristen an. Dass das Angebot in absehbarer Zeit auch für Europäer geöffnet wird, bezweifeln Experten insbesondere wegen Problemen beim Datenschutz. Doch es müssen nicht die Chinesen sein. Storm wähnt auch Tech-Konzerne wie den Bezahldienst Paypal oder Apple als mögliche Konkurrenten.

    Und von Schweden aus bringt sich Klarna in Stellung. Anders als bei Stocard stehen bei dem Fintech zwar keine Bonuskarten im Fokus, aber über sein etabliertes Online-Bezahlsystem verfügt auch Klarna bereits über Kontakte zu vielen Händlern, bietet ihnen eine Bühne über seine App und gibt eine Kreditkarte heraus, die mit Google Pay und Apple Pay kompatibel ist. Noch ist das Rennen um den Titel „Super-App“ also längst nicht entschieden.

    Mehr: So bekommen Sie Ihre Finanzen in den Griff auch Finanz-Apps können helfen

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