Bain-Studie: Positive Effekte der Zinswende bleiben vorerst aus
Der Zinsüberschuss der Geldhäuser dürfte zwar steigen. Im Verhältnis zum Eigenkapital aber könnten die Folgen der Zinswende verpuffen, warnt die Beratungsfirma Bain.
Foto: dpaFrankfurt. Die deutschen Banken und Sparkassen müssen sich darauf einstellen, dass die Folgen der Zinswende bis 2026 größtenteils verpuffen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Beratungsfirma Bain. „Die erhofften positiven Effekte der Zinswende werden vorerst ausbleiben“, sagte Bain-Partner und Co-Autor der Studie, Sebastian Thoben, am Dienstag.
Thoben verwies darauf, dass die Banken kurzfristig höhere Finanzierungskosten verkraften müssten. Da viele Kredite eine langfristige Zinsbindung hätten, wirkten sich die steigenden Zinsen bei den Erträgen erst nach und nach aus.
Als weiteren Faktor führte Thoben an, dass das Neugeschäft angesichts des „Preisschocks“ durch höhere Zinsen sinken dürfte. Auch eine drohende Rezession könnte das Geschäft ausbremsen.
Bain: Positive Effekte der Zinswende bleiben vorerst aus
Absolut könnte sich der Zinsüberschuss laut der Bain-Prognose zwar in den kommenden fünf Jahren um bis zu zwölf Milliarden Euro erhöhen. Im Verhältnis zum stark steigenden Eigenkapital werde der Zinsüberschuss aber nur leicht über oder sogar unter dem Niveau des Jahres 2021 liegen. Ohne Gegenmaßnahmen könne die Eigenkapitalrendite auch unterm Strich sogar sinken.
Auf längere Sicht kann die Finanzbranche laut Bain indes unterm Strich mit positiven Effekten rechnen: In zehn Jahren werde es wahrscheinlich sehr anders aussehen, sagte Thoben.
Mit Blick auf die Erträge profitieren Banken schon jetzt von der Zinswende. Die Commerzbank beispielsweise steigerte den Zinsüberschuss im dritten Quartal 2022 erheblich. Auch bei der Deutschen Bank lag der Zinsüberschuss im Geschäft mit Privat- wie Unternehmenskunden über dem Vorjahresniveau. Für die Analyse hat Bain die Bilanz- und Ertragsstrukturen der zuletzt rund 1440 Kreditinstitute in Deutschland analysiert.
Weitere Zinserhöhung der EZB erwartet
Nach mehreren Jahren mit Negativzinsen hat die Europäische Zentralbank (EZB) dieses Jahr die Zinsen deutlich angehoben. Der Einlagenzins, den Banken für überschüssige Liquidität bekommen, die sie bei der Notenbank halten, stieg von minus 0,5 Prozent auf 1,5 Prozent. Angesichts der hohen Inflation in der Euro-Zone wird erwartet, dass die EZB an diesem Donnerstag erneut die Zinsen erhöht.
Das Kreditgeschäft spielt bei deutschen Banken eine enorme Rolle. Selbst im Jahr 2021 machte der Zinsüberschuss einen Anteil von 65 Prozent an den Gesamterträgen aller deutschen Institute aus.
Die EZB hob in den vergangen Monaten den Leitzins stark an.
Foto: dpaBisher, registriert auch Bain, sei „von einer Zurückhaltung auf Kundenseite nichts zu spüren“. „Im Gegenteil: Im dritten Quartal 2022 lag das Volumen des Neugeschäfts bei sämtlichen Krediten knapp 20 Prozent über dem Vorjahreswert.“ Doch 2023, so die Erwartung der Beratungsfirma, dürfte sich dieser Effekt umkehren, „zumal in einer eventuellen Rezession traditionell die Investitionsbereitschaft sinkt“.
Auch bei Privatkunden sei eine Verhaltensänderung zu erwarten. „Steigende Zinsen machen es privaten Käuferinnen und Käufern schwerer, bei noch hohen Preisen ihre Traumimmobilie zu erwerben. In wirtschaftlich angespannten Zeiten dürfte auch die Nachfrage nach Konsumentenkrediten zurückgehen“, prognostiziert Bain.
Zinswende führt bei Banken zu Abschreibungen wegen Kursverlusten
Klar ist, dass die Zinswende sich gerade bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken 2022 an anderer Stelle negativ auswirkt. Sie müssen Abschreibungen wegen Kursverlusten von Wertpapieren vornehmen.
Bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres führte der rasche Zinsanstieg zu hohen Bewertungsverlusten in Wertpapierportfolios. Bei Sparkassen und Kreditgenossenschaften beliefen sich die Abschreibungen in Summe auf 12,3 Milliarden Euro, wie die Bundesbank kürzlich ermittelte. Dies entspricht rund 5,6 Prozent des harten Kernkapitals. Allerdings halten die Geldhäuser diese Papiere in der Regel bis zur Endfälligkeit, sodass die Kursverluste wieder ausgeglichen werden.
Erstpublikation: 14.12.22, 13:02 Uhr.