Fed: Vakanz gefüllt – Trumps Berater wird neuer Fed-Direktor
Düsseldorf, Washington. Der offene Posten im Direktorium der Federal Reserve ist besetzt. Stephen Miran zieht nach dem Abschied von Adriana Kugler ins Führungsgremium der US-Notenbank ein. Das gab US-Präsident Donald Trump am Donnerstag in einem Post auf Truth Social bekannt.
Miran ist derzeit Chef des wichtigen Beratergremiums Council of Economic Advisers des Präsidenten. Er gilt als enger Vertrauter Trumps. Der Senat muss die Personalie noch bestätigen – ein sehr wahrscheinliches Szenario, da die Republikaner von Trump in der Kammer die Mehrheit halten.
Miran soll als kommissarische Zwischenlösung bis Ende Januar 2026 dienen, wenn Kuglers Amtszeit regulär ausgelaufen wäre. Dann will Trump einen neuen Gouverneur ernennen.
Die Nominierung erfährt besondere Aufmerksamkeit, weil sie Trump die Möglichkeit offenbart, die Fed nach seinem Willen umzugestalten. Der US-Präsident fordert seit Monaten vehement geringere Zinsen. Die Fed jedoch lässt ihn abprallen.
Der sogenannte Offenmarktausschuss, der über die Geldpolitik entscheidet, besteht aus zwölf Mitgliedern. Sieben Mitglieder gehören dem Direktorium der Fed an. Sie werden vom US-Präsidenten ernannt. Früher als erwartet bietet sich Trump nun die Gelegenheit, einen Vertrauten im Direktorium zu installieren – und so den Druck auf den amtierenden Fed-Chef Jerome Powell zu erhöhen.
Fed: Dauerhafte Lösung ab dem nächsten Jahr
Der neue Direktor galt eigentlich als wahrscheinlicher Kandidat dafür, im nächsten Jahr den Chefposten bei der wichtigsten Zentralbank der Welt zu übernehmen. Wenige Stunden vor der Nominierung verkündete Trump jedoch, der neue Direktor solle nur kommissarisch arbeiten. Er wolle nun weiter nach einer dauerhaften Lösung suchen.
Zu den Kandidaten zählen der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats, Kevin Hassett – ebenfalls einer von Trumps engsten Beratern –, sowie Kevin Warsh, der bereits von 2006 bis 2011 als Fed-Gouverneur arbeitete und während Trumps erster Amtszeit zum Kandidatenkreis für den Chefposten gehörte.
Die besten Karten für die Nachfolge von Notenbankchef Powell hat einem Bericht zufolge nunmehr Christopher Waller. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag. Er habe Trumps Berater mit seinem Ansatz überzeugt, geldpolitische Entscheidungen auf Basis von Prognosen zu treffen und weniger anhand aktueller Daten, hieß es.
Trump hat Waller während seiner ersten Amtszeit selbst als Fed-Direktor nominiert. Zuletzt hat er sich im Sinne des US-Präsidenten als Befürworter niedrigerer Zinsen positioniert. Beim jüngsten Zinsentscheid Ende Juli stimmte er gegen die Entscheidung, die Zinsen nicht zu senken.
Powells Amtszeit als Fed-Präsident endet im Mai nächsten Jahres. Als Gouverneur hingegen ist Powell planmäßig bis 2028 im Amt. Er hat bislang nicht erkennen lassen, vorzeitig ausscheiden zu wollen.
Kugler hatte überraschend ihren Rückzug zum 8. August in der vergangenen Woche erklärt. Einen Grund für das vorzeitige Ausscheiden nannte sie nicht. Kugler will fortan wieder an der Georgetown University lehren.
Kugler, erst 2023 von Joe Biden berufen, stimmte bereits beim Zinsentscheid Ende Juli nicht mehr ab. Zuletzt galt sie jedoch als Befürworterin der Linie von Powell. Trump hingegen behauptete, Kugler habe seine Positionen geteilt. „Ich glaube, sie ist gegangen, weil sie mir in Bezug auf die Zinssätze zustimmte, aber sie lag auf der anderen Seite des Spielfelds“, mutmaßte er bei einem Pressetermin.
Zollpolitik stellt die Fed vor eine große Herausforderung
Auch hatte Trump mehrfach gedroht, Powell bereits vor Ablauf seiner Amtszeit als Vorsitzenden im Mai 2026 abzusetzen. Der Oberste Gerichtshof hatte jedoch klargestellt, dass ein US-Präsident die Notenbanker nicht einfach entlassen kann, und verwies auf die unabhängige Sonderstellung im institutionellen Gefüge der USA.
Insbesondere die Zollpolitik der US-Regierung stellt die Fed vor eine Herausforderung. Ökonomen warnen davor, dass die massiven Zölle nicht nur inflationär wirken, sondern auch zu einer Rezession führen könnten. Denn hohe Sonderabgaben dürften die Preise für amerikanische Verbraucher erhöhen, was wiederum den Konsum dämpft – und damit die Wirtschaft insgesamt, so die Theorie.
Die Fed muss dabei einen Spagat bewältigen. Im Rahmen ihres Doppelmandats ist sie sowohl der Preisstabilität als auch der Vollbeschäftigung verpflichtet. Der Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) zog zuletzt schon deutlich an. Die Teuerungsrate liegt nun bei 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Daneben hat sich der Arbeitsmarkt merklich abgekühlt. Im Juli hatten Unternehmen nur 73.000 neue Stellen geschaffen – deutlich weniger als prognostiziert (100.000). Ferner wurden die Arbeitsmarktberichte für Mai und Juni deutlich nach unten korrigiert.
Trump hatte daraufhin veranlasst, die Leiterin des zuständigen Bureau of Labor Statistics, Erika McEntarfer, zu feuern. Der US-Präsident warf ihr vor, die Zahlen zu manipulieren, ohne jedoch Beweise vorzulegen.